Teresa Enke gibt Tipps gegen Frust in der Corona-Krise

Teresa Enke befürchtet wegen der Corona-Krise keine Depressions-Welle.
Teresa Enke befürchtet wegen der Corona-Krise keine Depressions-Welle. © DPA

Den Tag strukturieren

Die Corona-Krise stellt nicht nur den Alltag der Menschen komplett auf den Kopf, sondern auch deren Gefühlslage. "Bei den wenigsten von uns sind dabei psychische Erkrankungen zu befürchten, aber doch Befindlichkeitsstörungen. Deshalb tut es gut, sich auf die Situation mental einzustellen", rät jetzt Teresa Enke in einem Beitrag, den die "Robert Enke Stiftung" veröffentlicht hat. A und O seien dabei vor allem ein strukturierter Alltag. 

Reserven mobilisieren, um Krise zu meistern

Ewig im Bett liegen und den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen? Das anfängliche Feriengefühl könne trügerisch sein und zu Antriebslosigkeit führen. Sich Dinge zu vornehmen, helfe, der neuen Situation Normalität zu geben, so die Witwe des Nationaltorwarts Robert Enke, der unter Depressionen litt und 2009 aus dem Leben schied. Auch das Mittagessen, das immer zur selben Zeit zubereitet werde, gebe einem Tag Struktur. 

Messenger, Telefonkonferenzen oder Videoanrufe: Um mit Nahestehenden in Kontakt zu bleiben, sollten unbedingt die technischen Möglichkeiten genutzt werden. Dabei seien auch die eigenen Kinder gefragt, die etwa Großeltern unterstützen. "Der große Vorteil, den wir heute haben, ist, dass wir selbst dann nicht mehr wirklich isoliert sein müssen, wenn wir alleine zu Hause sind", so die 44-Jährige. "Wir Menschen haben von Natur aus große Reserven, um Krisen zu meistern", ermutigt Enke. 

Therapie fortsetzen

Auch, wenn der derzeitige Sonderzustand für Menschen mit wiederkehrenden Depressionen ein zusätzliches Risiko bedeute, befürchtet Enke keine Depressionswelle. Denn: "Depressionen sind etwas anderes, eine Stoffwechselkrankheit, bei der vorübergehend Gehirnfunktionen eingeschränkt sind", erklärt Enke. Sie betont aber, wie wichtig es sei, dass die Therapie von Betroffenen auch in Zeiten von reduziertem menschlichem Kontakt fortgesetzt werden. "Wenn es nicht anders geht, eben über Telefon oder bei Spaziergängen mit Mindestabstand." Grundsätzlich gelte für psychische Erkrankte genau wie für Gesunde in dieser Ausnahmesituation dasselbe: "Man muss sich darauf vorbereiten. Dann findet man kreative Möglichkeiten, zufrieden weiterzuleben."