'Tatort: Dunkle Zeit' mit Wotan Wilke Möhring: AfD als Vorbild für die Neuen Patrioten?

"Tatort: Dunkle Zeit": Wie viel AfD steckt in den Neuen Patrioten?
Nina Schramm (Anja Kling) bei einer Pressekonferenz der Neuen Patrioten © NDR/Christine Schroeder, SpotOn

Wer war hier Vorbild?

Die Neuen Patrioten sind es im "Tatort: Dunkle Zeit", die den Rechtspopulismus zurück in die deutsche Politik bringen. In der Realität sind es NPD und mittlerweile die weitaus erfolgreichere AfD. Parallelen sind nicht zu übersehen, doch ist das Vorbild hier tatsächlich die AfD, die bei den Bundestagswahlen fast 13 Prozent erzielen konnte?

13 Prozent ist das Wahlergebnis, das im Film genannt wird. Die Fraktionsvorsitzende Nina Schramm kontert damit Kommissar Falkes (Wotan Wilke Möhring) leidenschaftlichen Vortrag über seine Erfahrungen mit muslimischen Mitbürgern in der Gegend, in der er aufwuchs, der mit den Worten endet: "Das ist mein Deutschland." Doch in eben jener Gegend hatten die Neuen Patrioten bei den letzten Bürgerschaftswahlen so großen Erfolg - entsprechend dem, den die AfD bei der Bundestagswahl erzielen konnte.

Der Regisseur hat den AfD-Parteitag "intensiv verfolgt"

Die Dreharbeiten des "Tatorts" waren natürlich lange vor der Bundestagswahl abgeschlossen, doch erzielte die AfD schon vor und während des Drehs zweistellige Umfragewerte. Autor und Regisseur Niki Stein (56) macht indes keinen Hehl daraus, dass er sich bei seinen Recherchen mit den Parteitagen rechtspopulistischer Parteien in Europa beschäftigt hat - auch in Deutschland. "Ich habe den Parteitag der AfD in Köln intensiv mitverfolgt, deren Wahl-Programm gelesen, TV-Vorbild-Filme gesehen, die Internetauftritte etwa der Identitären verfolgt und die Gelegenheit genutzt, mich mehrere Stunden lang mit einem bekannten rechtspopulistischen Politiker zu unterhalten", erklärte Stein dem NDR.

Kein rein deutsches Problem

Als AfD-"Tatort" sieht er seinen Film jedoch nicht: "Es ist ein 'Tatort' über die rechtspopulistischen Strömungen in Deutschland und in ganz Europa", sagte er der "Goldenen Kamera" im Interview. Auf Nachfrage von spot on news, ob man sich bei den Figuren im Film deutsche Politiker wie die ehemalige AfD-Größe Frauke Petry zum Vorbild genommen habe, sagte der Regisseur: "Nein! Die Figuren sind frei erfunden, haben ihre eigenen Biografien (die natürlich nachvollziehbar sein müssen)." Dass sich die 13 Prozent sowohl im "Tatort" als auch im realen Wahlergebnis wiederfinden, sei "Zufall", wie er betont, "außerdem bezieht sich der Satz von Nina Schramm auf eine Kommunalwahl in der Vergangenheit".

Fazit: Rechtspopulismus ist nicht allein ein deutsches Problem. Schramm wäre auf einem Parteitag der französischen Front National genauso vorstellbar wie bei den Neuen Patrioten. In Schramm steckt nicht mehr Frauke Petry als Marine Le Pen. Dieser "Tatort" spiegelt also nicht allein ein Land wieder, sondern eine Gesellschaft und, wie der Titel schon sagt, die Zeit, in der wir leben.

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