Take That: So traurig war ihre Trennung vor 25 Jahren

Vor 25 Jahren trennten sich Take That
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Vor 25 Jahren trennten sich Take That

von Claudia Spitzkowski

„Unfortunately the rumours are true … And from today, there’s no more“. KNACK machte es am 13. Februar 1996 und Millionen Fan-Herzen weltweit brachen. Take That trennen sich! Als diese Nachricht die Runde machte, brach die Teenie-Hölle los, wie wir im Video nochmal zeigen. Sogar Notfall-Telefone wurden geschaltet. 25 Jahre später möchte ich all diesen verzweifelten Mädchen, die ihren ratlosen Eltern damals mit rot geweinten Augen entgegen geschrien haben: „Es ist NICHT nur eine Boyband, die ich bald vergesse!“ sagen: Ihr werdet Recht behalten. Take That sind eben nicht das Boyband-Äquivalent eines Tinder-Dates. Gary, Howard, Jason, Mark und Robbie sind gekommen, um zu bleiben. Woher ich das weiß? Ich bin die Frau, die 15 Jahre nach der Trennungs-Pressekonferenz erneut Rotz und Wasser geheult hat. Diesmal vor Glück, weil Take That erstmals wieder zu fünft auf der Bühne gestanden haben. Über 30 Jahre große Gefühle. Und wer ist schuld? Mark Owens Bauch.

1993 hatte ich (zunächst) nur Augen für Mark Owen

So fing in den Neunziger alles an: Howard Donald, Mark Owen, Robbie Williams, Gary Barlow und Jason Orange.
So fing in den Neunziger alles an: Howard Donald, Mark Owen, Robbie Williams, Gary Barlow und Jason Orange. © imago images/Ronald Grant, Mary Evans Picture Library via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Falle schnappte 1993 bei MTV zu. Beim Anblick von Mark Owen, der sich im „Pray“-Video spärlich bekleidet lasziv im Sand räkelt und seinen nackten Bauch mit Delphin-Tattoo über der Leiste präsentiert, war es um mich geschehen. Schockverliebt! Sollte mir an dieser Stelle jemand hormonell gesteuerte Oberflächlichkeit unterstellen: Hallo, ich hatte keine Chance! Denn selten war ein Boyband-Video so anmaßend suggestiv auf die weibliche Zielgruppe zugeschnitten wie „Pray“. Weich gezeichnete Schwarz-Weiß-Bilder, ein tropischer Sandstrand und fünf sexy Jungs, die kaum was anhatten und an allen textilfreien Stellen mit Öl eingeschmiert waren.

Selbst Jahre später macht der Clip unter ästhetischen Gesichtspunkten noch eine Menge her und ich kann nachvollziehen, dass ich damals zunächst mal (fast) nur Augen für Mark hatte. Hach, war der süß! Mit fortgeschrittenem Alter verbindet man das Attribut „süß“ allerdings eher mit Erdmännchen, Pinguinen oder Welpen. Daher bin ich Mark irgendwann fremd gegangen. Sorry.

Andere Take That-Mütter haben auch schöne Söhne

Take That bei einem Konzert in der Deutschlandhalle Berlin, v.li.: Mark Owen, Jason Orange, Gary Barlow, Robbie Williams, Howard Donald.
Take That bei einem Konzert in der Deutschlandhalle Berlin, v.li.: Mark Owen, Jason Orange, Gary Barlow, Robbie Williams, Howard Donald. © imago images/BRIGANI-ART, imago stock&people via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Und, liebe Claudia, wer soll denn nun dein Herzblatt sein? Jason Orange, der sensible Denker, dessen Gesangstalent zwar etwas limitiert ist, der aber extrem schön anzuschauen ist? Oder Howard Donald, der in Interviews vor Schüchternheit kaum einen Ton rausbringt, non-verbal allerdings in Videos und bei Live-Auftritte durch einen ausgeprägten Hang zum Exhibitionismus enorm punkten kann. Da wusste die eine oder andere begleitende Mutti bei Konzerten nicht mehr, ob sie beim Anblick von Howards nacktem Po live on Stage ihren pubertierenden Töchtern lieber panisch die Augen zuhalten oder schnell die eigene Brille raus kramen sollte - um besser zu sehen.

Oder Gary Barlow, der talentierte Song-Schreiber und Sänger, dem man seine Phobie vor den Tanzeinlagen bei Auftritten stets deutlich ansah und in dessen Gesichtausdruck beim Herumgehüpfe oft schmerzlich deutlich die Frage „Was tue ich hier, ich wollte doch einfach nur Songs schreiben und singen?“ gemeißelt schien?

Was soll ich sagen: Ich hatte sie alle. Jeder von ihnen hatte seine Zeit in meinem Herzen. Nur Robbie Williams, der Spaßvogel mit dem gefährlichen Hang zur Selbstzerstörung, hat von mir einen Korb bekommen. Der „gehörte“ damals aber auch meiner Freundin Judith.

10 Jahre Warten aufs Comeback? Hat sich gelohnt

Meist geht es mit der Jugendliebe ja irgendwann ziemlich schief. Auf große Gefühle folgt eine dramatische Trennung und dann sieht man sich nie wieder. Oder 30 Jahre später beim Abi-Treffen und aus dem süßen Jungen von einst ist ein fieser Schmierlappen mit Halbglatze geworden und du fragst dich, wie du damals so um diesen Typen weinen konntest.

Bei Take That ist mir das nicht passiert. 1996 machten sie zwar Schluss mit uns Fans, aber trotz Trennungschmerz gab es immer diesen einen kleinen Raum in meinem Herzen für sie. „Can’t you find, can’t you find, a little room inside for me?“ singen sie in „Back For Good“. Kein Thema, ihr habt Mietrecht, Jungs. Auch, wenn wir uns vielleicht die nächsten Jahre nicht mehr sehen.

Es wurden dann allerdings fast zehn Jahre. 2005 starteten Gary, Mark, Howard und Jason ihre Reunion. Seitdem sind Take That „back for good“. In wechselnder Besetzung. Erst zu viert, inzwischen meist zu dritt, wie auf ihrer Tour 2015, als ich sie zum Interview treffen durfte. Kreisch! Und was soll ich sagen: Kein Schmierlappen-Alarm, alle sind großartig gealtert.

RTL-Redakteurin Claudia Spitzkowski beim Interview mit Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen 2015.
RTL-Redakteurin Claudia Spitzkowski beim Interview mit Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen 2015. © Anja Blanuscha / RTL.de

„A million love songs later, here I am ….“

Um den Kreis zu schließen: Am 9. Juli 2011 flossen an einem perfekten Sommerabend im ausverkauften Wembley Stadium in London bei mir erneut die Tränen in Strömen und meine Freundin Jessica musste Taschentücher reichen: Gary, Mark, Howard, Jason UND Robbie wieder zu fünft zusammen auf der Bühne. Um uns herum die Take That-Fans der ersten Stunde: Frauen unseres Alters, teilweise mt ihren Teenager-Töchtern als nächste Fan-Generation. Und alle sangen jeden einzelnen Song textsicher laut mit.

Nur eine Boyband, die du bald vergessen haben wirst? Nehmt das, liebe Eltern von damals! „A million love songs later, here I am ….“.