Spurlos verschwunden: Wann wird ein vermisster Mensch für tot erklärt?

Wann wird ein Vermisster für tot erklärt?
01:47 Min Wann wird ein Vermisster für tot erklärt?

Das Schlimmste ist die Ungewissheit

Der Fall Daniel Küblböck bewegt ganz Deutschland. Nach seinem Sturz in den Atlantik besteht kaum noch Hoffnung, ihn lebend zu finden. Bislang gilt der 33-Jährige allerdings weiter als vermisst. Er wurde nicht für tot erklärt. Wie sieht die Rechtslage in so einem tragischen Fall überhaupt aus? Wann und wie wird eine vermisste Person für tot erklärt?

Verschollenheitsgesetz schreibt Kriterien vor

Daniel Küblböck beim Fototermin zur ARD Doku-Reihe Verrückt nach Fluss im Hotel Atlantic. Hamburg, 23.09.2016 Foto:xgbrcix/xFuturexImageDaniel Küblböck the Photo call to ARD Docu Row crazy after River in Hotel Atlantic Hamburg 23 09 2016 Photo xgbrci
Ex-DSDS-Star und Sänger Daniel Küblböck wird seit dem 9. September vermisst. Sein Verschwinden bewegt ganz Deutschland. © imago/Future Image, imago stock&people

Das Verschwinden eines geliebten Menschen ist eine extreme emotionale Belastung für die Angehörigen. Das Schlimmste ist die Ungewissheit: Lebt die vermisste Person vielleicht doch noch? Auch rechtlich ist diese Frage durchaus relevant – vor allem wenn es um das Erbe geht. So werden beispielsweise Lebensversicherungen, Witwenrente und der Nachlass erst geregelt, wenn der oder die Vermisste offiziell für tot erklärt wurde. Um eine Person für tot zu erklären, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, die im Verschollenheitsgesetz festgelegt sind.

Verträge für Wohnungen und Versicherungen laufen in dieser Zeit weiter - die Angehörigen des Vermissten müssen sich also auch um Miete und sonstige laufende Zahlungen wie Handyverträge kümmern. Welche Möglichkeiten Angehörige in diesem Fall haben, sehen Sie im Video.

Umstände des Verschwindens

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine modellhafte Nachbildung der Justitia steht am 15.07.2014 im Raum eines Richters des Landgerichts Duisburg (Nordrhein-Westfalen) neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Im Landgericht Bochum sollen Richter nun das Ur
Den Antrag auf eine Todeserklärung können nur enge Angehörige stellen. © dpa, Volker Hartmann, vh olg tba

Wann eine Person für tot erklärt werden kann, ist abhängig von den Umständen seines Verschwindens. Ein verschollener Seereisender kann nach sechs Monaten, ein verschollener Flugpassagier bereits nach drei Monaten für tot erklärt werden. In allen anderen Unglücksfällen beträgt die Frist ein Jahr.

Alter der vermissten Person

Grundsätzlich gilt: Personen dürfen erst für tot erklärt werden, wenn sie ihr 25. Lebensjahr vollendet haben und mindestens zehn Jahre verschwunden sind. Ab dem 80. Lebensjahr verkürzt sich diese Frist auf fünf Jahre.

Antrag auf Todeserklärung stellen

Um eine Person für tot zu erklären, müssen generell zwei Bedingungen erfüllt sein. Zum einen muss die entsprechende Frist eingehalten werden. Zum anderen muss eine ernste Todesvermutung vorliegen, zum Beispiel durch fehlende Lebenszeichen. Der Antrag auf eine Todeserklärung muss beim zuständigen Amtsgericht eingereicht werden. Also dort, wo der Verschollene seinen letzten Wohnsitz hatte. Den Antrag können nur enge Angehörige, wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner, stellen. Bei rechtlichen Interessen können auch die betroffenen Personen oder gesetzliche Vertreter die Todeserklärung beantragen.