Sebastian Fitzek: Der Tod wird aus gutem Grund verdrängt

Sebastian Fitzek: Der Tod wird aus gutem Grund verdrängt
Sebastian Fitzek beschäftigt sich viel mit dem Tod – aber nicht ausschließlich © Becher/WENN.com, WENN

Starautor Sebastian Fitzek findet nicht, dass man sich jede Sekunde seines Daseins der eigenen Sterblichkeit bewusst sein sollte.

Sebastian Fitzek (47) weiß genau, was die Todesstrafe so schrecklich macht: den eigenen Todeszeitpunkt zu kennen.

Verdrängung kann gesund sein

Als gefeierter Thrillerautor, der die Menschen in seinen Büchern zumeist auf bizarrste Weise sterben lässt, beschäftigt sich Sebastian Fitzek viel mit dem Thema Tod. Deswegen hat er eine ganz klare Meinung dazu:

"Der Tod an sich ist ja etwas, was wir aus gutem Grund verdrängen. Niemand sollte jede Sekunde seines Daseins im Bewusstsein seiner Sterblichkeit verbringen. Das ist ja auch die Grausamkeit der Todesstrafe, dass man seinen Todeszeitpunkt kennt. Insofern haben wir eine gesunde Verdrängung."

Trotzdem wissen wir Menschen natürlich, dass der Tod zum Leben gehört. Um sich damit zu beschäftigen, gehen viele einen Umweg. "Die meisten Menschen suchen sich ein Ventil, zum Beispiel eine Achterbahnfahrt als klassische Nahtoderfahrung: Wenn man sie durchgestanden hat, werden Endorphine freigesetzt", zeichnet Fitzek ein leicht verständliches Bild. "Nichts anderes ist die Achterbahnfahrt, die einem ein Thriller gibt, wenn man ihn liest. Am besten mit einem Happy End, zumindest wenn die wesentlichen Konflikte gelöst sind. Man hat sich fiktional dem Tod genähert, kann seine Ängste mit dem Buch wieder zurück ins Regal sortieren und sich im besten Falle wieder gestärkt den realen Ängsten widmen."

Sebastian Fitzek schreibt über…

Apropos reale Ängste: Seine Geschichten spinnt der Autor nicht etwa um die Ängste anderer Menschen herum. Sebastian Fitzek nimmt seine eigenen Befürchtungen und macht daraus Geschichten.

"Im Kern sind es schon meine eigenen Ängste, denn ich kann nur darüber schreiben, was relevant ist für mich. Für mich als dreifacher Vater ist Kindesmissbrauch und -misshandlung wesentlich relevanter als die Ermordung einer Millionärsgattin in einem Hamburger Vorort."

Um ein Kind in schrecklicher Not dreht sich auch Sebastian Fitzeks neuer Roman 'Das Geschenk', der im Oktober 2019 erscheinen wird. Darin begibt sich Milan Berg, der Protagonist, auf die Suche nach einem Mädchen, das er auf dem Rücksitz eines Autos hat sitzen sehen. An einer roten Ampel hatte das scheinbar verzweifelte Kind einen Zettel gegen die Fensterscheibe gedrückt – einen Zettel, den Milan nicht lesen konnte, weil er Analphabet ist.

Fans von Sebastian Fitzek warten sehnsüchtig auf dessen 19. Thriller.

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