Riesige Kulleraugen und ein nackter Mr. Knightley: Neuverfilmung von Jane Austens „Emma“

Besser als Gwyneth Paltrow? Anya Taylor-Joy als „Emma“
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Besser als Gwyneth Paltrow? Anya Taylor-Joy als „Emma“

Kann Anya Taylor-Joy es mit Gwyneth Paltrow aufnehmen?

In den 1990ern gab es eine richtige Welle mit Kostümfilmen, allen voran Jane-Austen-Adaptionen. Nun gibt es endlich wieder frisches Futter für Austen-Fans: eine Neuauflage von „Emma“. In der Titelrolle die eher unbekannte Anya Taylor-Joy (23), eingefleischten Cineasten vielleicht bekannt vielleicht aus Robert Eggers „The Witch“. Kann sie Gwyneth Paltrow ersetzen? Mireilla Zirpins verrät es Ihnen im Video.

Nicht durch die Bank liebenswert: Jane Austens Romanheldin „Emma“

Es ist keine leichte Bürde, in die Fußstapfen von Gwyneth Paltrow (47) zu treten. Die überzeugte 1996 in der Titelrolle mit ihrem eher halbherzigen und aufgesetzt wirken „britischen“ Akzent zwar nicht jeden Kritiker. Aber spätestens mit diesem Film war Paltrow, damals zarte 23 und die Freundin von Brad Pitt, das Girl der Stunde in Hollywood, noch bevor sie zwei Jahre später für „Shakespeare in Love“ den Oscar gewann. Und genau wie ihre Nachfolgerin Alicia Silverstone in der modernen „Emma“-Variation „Clueless“ (1995) schaffte sie den Spagat, dass die nicht immer sympathische Hauptfigur am Ende doch noch unser Herz gewinnt. 

Denn Jane Austens Emma ist nur auf den ersten Blick eine wohlerzogene, liebenswerte junge Dame aus der britischen Upper Class des beginnenden 19. Jahrhunderts. Sie ist auch ein eitles und ganz und gar egozentrisches Geschöpf. Als Nesthäkchen verwöhnt vom verwitweten Vater, hat sie gar nicht vor, sich wie ihre Altersgenossinnen auf die Suche nach einem wohlhabenden UND liebenswerten Ehemann zu machen – in Austens Zeit die beste Wahl, um ein gesellschaftlich respektiertes Dasein zu fristen. Sie verkuppelt lieber andere. Ein gutes Händchen hat sie dabei leider nicht. Vor allem nicht, wenn es darum geht, ihre Freundin Harriet – verarmt und nicht halb so hübsch wie Emma selbst – an den Mann zu bringen.

Hier bekommt der Mann die Seidenstrümpfe übergestreift

Das führt zu allerlei peinlichen Situationen und verletzten Gefühlen, die an Emma spurlos vorüberzugehen scheinen – bis sie selbst ihr Herz verliert. Mit Betonung auf dem komischen Touch der Vorlage inszeniert Musikvideo-Regisseurin Autumn de Wilde ihren ersten Spielfilm. Das ist nicht für jeden was, gelingt aber deutlich witziger als in der Adaption aus den 1990ern. Vor allem über Bill Nighy als bis zum Slapstick stoischen Vater von Emma und Miranda Hart als geschwätzige Miss Bates kann man herzlich lachen.

Die Gesellschaftskritik der Vorlage versucht die Filmemacherin noch auszubauen mit einem ungewöhnlichen Blick auf die Geschlechterrollen. Statt Emma steht hier Mr. Knightley (Johnny Flynn, demnächst in „Stardust“ als David Bowie zu sehen) nackt im Gemach und bekommt die Seidenstrümpfe übergestreift. Er darf auch mal richtig Gefühle zeigen. Emma hingegen lüpft ungehemmt die Röcke und wärmt ihren frierenden Allerwertesten am Kaminfeuer. Ein löblicher Ansatz in einem ansonsten eher konventionellen, aber optisch extrem gefälligen Film. Ganz anders als ihre Vorgängerinnen ist allerdings Anya Taylor-Joy als Titelheldin „Emma“. Ob sie unser Herz erwärmt hat, erfahren Sie im Video.