„Revolverheld“-Frontmann Johannes Strate: Kritik an Gloria von Thurn und Taxis

Revolverheld: "Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen."
Revolverheld: "Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen." © picture alliance

"Revolverheld" äußern sich zu Seenotrettung und Missbrauch

Nach den bekannten Ohrwürmen und romantischen Schnulzen wurde es bei diesem Auftritt von Pop-Band "Revolverheld" plötzlich politisch: Frontmann Johannes Strate schlug bei den Schlossfestspielen in Regensburg ernste Töne an und wechselte von Songs mit Nostalgie-Inhalten zu den Themen Seenotrettung und Missbrauch. Denn laut "Revolverheld" vertritt Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Gastgeberin an diesem Abend, falsche Werte, was Flüchtlingsrettung und Vergewaltigung in der katholischen Kirche betrifft: "Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen."

Johannes Strate spricht über Nächstenliebe

Diese Positionierung wurde mit Applaus im Publikum entlohnt: "Nächstenliebe bedeutet für uns, dass wir Menschen, egal woher sie kommen, welche Herkunft sie haben, welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion sie angehören, dass wir sie hier mit offenen Armen empfangen und nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen“, so Johannes Strate. Die Fürstin sei in dieser Frage rechtspolitisch eingestellt, wie die Aussagen vermuten lassen. Denn auch ein Treffen zwischen ihr und dem amerikanischen Rechtspopulisten Steve Bannon deutet die Band an. Außerdem bedeute Nächstenliebe auch, "den systematischen Missbrauch, der in der katholischen Kirche so lange stattgefunden hat, dass wir den nicht bagatellisieren und die Opfer ernst nehmen."

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#refugeeswelcome

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Die 59-jährige Fürstin hatte in der Vergangenheit für Kontroverse mit ihren Aussagen über den Missbrauchsskandal der Regensburger Domspatzen gesorgt. Auch bezüglich der Flüchtlingskrise hatte sie sich im Regensburger Regionalfernsehen umstritten geäußert und wird von "Sueddeutsche.de" wiefolgt zitiert: "Wir stehen am Rand des Dritten Weltkriegs (...) man könnte fast sagen, diese Völkerwanderung, die hier auf uns zuströmt, ist schon eine Art Krieg."

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis reagiert gelassen

Fürstin Gloria von Thun und Taxis reagiert gelassen auf die Kritik von "Revolverheld".
Fürstin Gloria von Thun und Taxis reagiert gelassen auf die Kritik von "Revolverheld". © 2013 Getty Images

"Mittelbayerische.de" gegenüber erklärte die Fürstin nach dem Band-Auftritt übrigens: "Ich denke, dass sie sich auf das beziehen, was sie in der Zeitung lesen, und wahrscheinlich hat die Zeitung wie immer übertrieben." Die ganze Angelegenheit sieht sie gelassen: “Ich glaube, wenn wir uns unterhalten würden, wir wären alle einer Meinung.“

Die offene Kritik von "Revolverheld" kam gut an, auch medial. Dennoch stellt sich die Frage, warum Johannes Strate und seine Jungs überhaupt bei diesem konservativen Musik-Festival der Fürstin aufgetreten sind, stünde Von Thurn und Taxis doch für die falschen Werte. War die Gage für den Auftritt am Ende doch Grund genug, um den Auftritt durchzuziehen oder entscheidet man sich bei "Revolverheld" vielleicht sogar, die Einnahmen für die Seenotrettung zu spenden? Einen coolen Clip auf Instagram macht die Meinungsäußerung jedenfalls her.