Rammstein: Blutiges „Deutschland“-Video provoziert mit KZ-Szenen

"Deutschland": Blutiger Geschichtsunterricht der Marke Rammstein
Till Lindemann bei einem Rammstein-Konzert in Moskau © Yulia Grigoryeva / Shutterstock.com, SpotOn

Video-Premiere von "Deutschland"

Mit einem kurzen Video-Schnippsel zu ihrem neuen Song "Deutschland" haben Rammstein das gemacht, was die Mannen aus Berlin am besten können: provozieren. Dementsprechend gespannt warteten die Fans auf die Enthüllung des gesamten Videos, während Kritiker schon einmal die verbalen Messer wetzten. Immerhin deutete der erste Miniclip an, dass sich die Bandmitglieder im Musikvideo allesamt in einem Konzentrationslager befinden und kurz vor der Exekution stehen. Auf Instagram und YouTube feierte das Video nun Premiere und ist noch drastischer, als zunächst angenommen - und gewohnt doppeldeutig.

Gänzlich spielt das Video nicht wie vermutet/befürchtet im KZ. Hier wurde der Preview-Ausschnitt also PR-technisch raffiniert (fast eine halbe Million Aufrufe in einer halben Stunde), hinsichtlich der Pietät gewohnt grenzwertig gewählt. Nichtsdestotrotz sind es besonders die Szenen dort, die im Gedächtnis bleiben. Gitarrist Paul Landers (54), auf der Brust einen Judenstern, wird erhängt. Daneben ein Schild mit der Aufschrift "Fotografieren verboten". Später wird den Nazi-Schergen dann aus kurzer Distanz das Gesicht weggeschossen.

Mit "Deutschland" reizt die Band die gewohnten Mechanismen ihrer Provokationen voll aus. Kokettiert mit dem Titel, der geschilderten Hinrichtungsszene oder der Textzeile "Deutschland, Deutschland über allen". Schürt die düsteren Assoziationen, die Lindemanns teutonisch rollendes "R" so gerne weckt. Nur um dann mit Zeilen wie "Deutschland, meine Liebe kann ich dir nicht geben" alles wieder ins Gegenteil zu verkehren. Um schließlich zum sozialkritischen Fazit bezüglich der Heimat zu kommen: "Man kann dich lieben und will dich hassen".

Das ist noch zu sehen

Der über neun Minuten lange Clip hat aber noch wesentlich mehr morbide Schauwerte zu bieten. Eine Frau etwa, im Abspann als Germania aufgeführt, läuft während des Videos vornehmlich mit abgetrennten Köpfen durch sämtliche Epochen der Geschichte, vom Mittelalter hin zu einer scheinbaren Zukunftswelt. Ach ja, und zwischendrin gebiert so noch einen Hund.

Ebenfalls zu sehen: Die Hindenburg stürzt ab, Mönche laben sich an der Tafel ihres Klosters und vor Hammer und Sichel hockt die versammelte Stasi und ein Kosmonaut. "Im Geist getrennt, im Herz vereint" sei Deutschland immerhin einst gewesen. Und so wird auch klar, was der Song letztendlich ist: die Geschichte Deutschlands, Rammstein-Edition.

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