Prinz Philips Unfall: Darf ein 97-Jähriger in Großbritannien noch Auto fahren?

Darf ein 97-Jähriger noch Auto fahren? Wirbel um Prinz Philips Unfall
Prinz Philip zog sich bei einem Unfall keine schweren Verletzungen zu - löste aber eine Debatte aus © imago/PA Images, SpotOn

Das sagt das britische Gesetz

Wie alt ist zu alt, um hinter dem Steuer eines Autos Platz zu nehmen? DAS ist seit Prinz Philips (97) Unfall mit erstaunlich glimpflichem Ausgang für alle Beteiligten nicht nur in Großbritannien ein Thema. Hätte der Gemahl von Queen Elizabeth (92) mit 97 Jahren überhaupt noch den PS-starken Land Rover bedienen dürfen? Die Gesetzeslage spricht eine deutliche Sprache.

Hat der Duke of Edinburgh überhaupt einen Lappen?

Diese Frage wirkt im ersten Moment befremdlich, hat aber ihre Berechtigung. Denn auch Queen Elizabeth wird immer wieder hinter dem Lenkrad eines Autos hervorspähend gesichtet - und sie hat keinen Führerschein! Tatsächlich ist sie die einzige Person im Vereinigten Königreich, der diese Sonderstellung zuteil wird, weil Führerscheine in ihrem Namen ausgestellt werden. Im Gegensatz zu Prinz Philip fährt sie allerdings nur auf dem üppigen Privatgelände der Königsfamilie umher, abseits ihrer Untertanen.

Das Königshaus soll bereits dem britischen "Express" bestätigt haben, dass "Prinz Philip alle üblichen Verfahren der Verkehrsbehörde eingehalten" habe, die ihn zum Fahren eines Autos befugen. Doch wie sehen die in Großbritannien überhaupt aus?

Bereits ab 70 werden Führerscheine dort automatisch ungültig, sofern die Person nicht eine Verlängerung beantragt, berichtet "The Sun". Dieser Antrag muss dann alle drei Jahre gestellt werden - mit seinen 97 Jahren müsste das bei Prinz Philip also schon zehn Mal der Fall gewesen sein, letztmals vor rund einem halben Jahr. Tauglichkeitstests müssen dabei nicht vollzogen werden, es reiche demnach, ein Formular zur Selbsteinschätzung abzugeben. Ein Umstand, der nun heiß debattiert werden dürfte.

Bis zum bitteren Ende?

Sofern besagter Behördengang alle drei Jahre eingehalten wird, kennt die britische Verkehrsordnung kein maximales Alter, was den Führerschein angeht, heißt es bei "The Sun" weiter. Prinz Philip verstößt also nicht gegen das Gesetz, sondern "nur" gegen die Vernunft.

Bevor die deutsche Nase jetzt aber zu sehr gerümpft wird, hierzulande sind die Gesetze sogar noch lockerer. Auch hier sind Gesundheitschecks ab einem gewissen Alter keine Pflicht und nicht einmal eine Selbsteinschätzung alle drei Jahre muss der Behörde erbracht werden. Stattdessen wird auf Vernunft und eine freiwillige Abgabe des Führerscheins gebaut. Ein Höchstalter gibt es auch in Deutschland nicht.

Tatsächlich sind Senioren (Menschen ab 65) im Straßenverkehr weit weniger in Unfälle verwickelt, als jüngere Teilnehmer. Das liegt aber daran, dass sie im Schnitt weniger und auch nicht mehr so weit fahren. Das geht aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes hervor. Kracht es dann aber doch, sind über 75-Jährige in drei von vier Fällen auch alleinig schuld am Unfall. Mit einem Alter von fast 100 Jahren dürfte sich auch diese Prozentzahl der 100 annähern...

Das geschah Prinz Philip

Wie der Buckingham Palast am Donnerstag mitteilte, war Prinz Philip am Nachmittag in der Nähe des königlichen Landsitzes Sandringham in der Grafschaft Norfolk in einen Autounfall verwickelt. Laut des Berichts des britischen Senders "BBC" passierte der Crash gegen 15 Uhr (16 Uhr deutscher Zeit).

Prinz Philip: So kam's zum Horror-Crash
00:39 Min Prinz Philip: So kam's zum Horror-Crash

Wie die "Daily Mail" weiter meldet, soll der Prinz, der selbst am Steuer saß, von der Sonne geblendet worden sein. Der 97-Jährige soll nach dem Zusammenprall "bei Bewusstsein, aber sehr schockiert und erschüttert" gewesen sein. Er wurde umgehend zurück nach Sandringham gebracht und dort ärztlich betreut.

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