Ponkie stirbt mit 95

Deutschlands berühmteste Filmkritikerin ist tot

Ilse Kümpfel-Schliekmann aka Ponkie
Ilse Kümpfel-Schliekmann war Ponkies richtiger Name © imago stock&people, imago

Die Grande Dame des deutschen Films ist tot

Ilse Kümpfel-Schliekmann, besser bekannt unter dem Namen „Ponkie“, ist tot. Sie starb im Alter von 95 Jahren in ihrer Heimatstadt München. Sie galt als die berühmteste Film- und Fernsehkritikerin Deutschlands.

Den Spitznamen „Ponkie“ bekam sie bereits in ihrer Studentenzeit. Er wurde zu ihrem Markenzeichen und begleitete sie ihr gesamtes Leben. Insbesondere ihr bissiger und pointenreicher Schreibstil war unter Filmschaffenden geschätzt und gefürchtet. Filmproduzenten wie Bernd Eichinger zitterten vor ihren Filmkritiken in der Münchener Abendzeitung.

Vom Privatfernsehen hielt Ponkie nicht viel

Einen Namen im Feuilleton machte sie sich mit ihrer Kolumne „Ponkie sieht fern“. Sie zog in ihren Artikeln bevorzugt über das bieder-bleierne Fernsehen in Westdeutschland her. In den damals neuen Privatsendern sah sie allerdings keine Verbesserung und ignorierte das Privatfernsehen in ihren Kritiken weitestgehend. Dennoch tauchten ihre Filmbesprechungen in den 80ern immer häufiger als TV-Beiträge auf, mit denen sie auch bei einem größeren Publikum bekannt wurde.

Legendär sind ihre Talkshowauftritte im Rahmen der Mediendebatte zu Schindlers Liste. 1994 entbrannte ein Streit darüber, ob und wenn ja wie detailliert man die Shoah filmisch zeigen dürfe. Ponkie vertrat diesbezüglich trotz teilweiser persönlicher Anfeindungen eine eher kritische Position.

Helmut Dietl hat ihr bereits zu Lebzeiten in „Rossini“ mit der Figur der Reporterin Charlotte ein filmisches Denkmal gesetzt. Am vergangenen Donnerstag ist sie nun im Kreis ihrer Familie gestorben. (dpa/awe)

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