'Passengers': Chris Pratt und Jennifer Lawrence überzeugen, das Drehbuch nicht

"Passengers": Intensiver Sci-Fi-Thriller? Fehlanzeige!
Chris Pratt und Jennifer Lawrence spielen die Hauptrollen in "Passengers" © © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH, SpotOn
Anzeige:

Kinostart am 5. Januar

Seit dem 5. Januar läuft "Passengers" in den deutschen Kinos. Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence (26, "Silver Linings") und Chris Pratt (37, "Guardians of the Galaxy") - die beiden derzeit beliebtesten Schauspieler und Kassenmagneten in Hollywood - in einem Film. Die ersten Trailer waren vielsprechend, die Chemie knisterte vor der Kamera, in Talkshows und Interviews spielten sie sich gegenseitig die Bälle zu. Da kann der Sci-Fi-Thriller doch nicht enttäuschen...

Aurora (Jennifer Lawrence) und Jim (Chris Pratt) sind zwei Passagiere an Bord eines Raumschiffs, das sie auf einen anderen Planeten bringen soll, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch ihre Reise nimmt eine lebensbedrohliche Wendung. Die Schlafkammern, in denen sie liegen, wecken sie auf unerklärliche Weise viel zu früh auf - 90 Jahre ehe das Ziel erreicht wird. Während sie versuchen, hinter das Geheimnis der Fehlfunktion zu kommen, fühlen sie sich mehr und mehr zueinander hingezogen. Doch dann werden sie von dem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Raumschiffs bedroht und entdecken den wahren Grund, warum sie aufgewacht sind.

Diese Inhaltsangabe klingt verlockend, doch sie wird dem Plot des Streifens nicht gerecht. Denn ein entscheidendes Detail wird gleich zu Beginn des Films klar, soll hier aber nicht verraten werden. Mit einem wirren Stil-Mix aus "Moon", "Cast Away - Verschollen" - aber im Weltall - und "Titanic" - eben auf einem Raumschiff - verpasst es "Passengers", dem Gezeigten seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Außerdem weist das Drehbuch enorme Lücken auf, über die die doppelte Star-Power von Lawrence und Pratt nur schwer hinwegtäuschen kann.

Pro

Ein Pluspunkt ist die Chemie zwischen Jennifer Lawrence und Chris Pratt - die stimmt auf jeden Fall. Natürlich sieht man ihnen gerne dabei zu, wie sie miteinander flirten und sich schließlich ineinander verlieben. Doch nur in wenigen Szenen kommt ihr offener Schlagabtausch zur Geltung - es wirkt fast so, als hätten es in diesen Momenten nicht die Zeilen aus dem Drehbuch auf die Leinwand geschafft, sondern die Interpretation von Lawrence und Pratt. Die beiden geben ihr Bestes mit dem Material, das ihnen zur Verfügung steht, doch können sie ihr volles Potential selten ausschöpfen. Kleines Schmankerl für alle Frauen: Pratt zeigt viel Haut!

Auch das Set-Design ist durchaus schick - der Swimmingpool mit Blick ins Weltall ist nicht zu verachten. Allerdings sollte man nicht darin schwimmen, wenn die Schwerkraft nachlässt. Kudos an Frau Lawrence für ihre Ausdauer bei den Dreharbeiten. Ein weiterer Lichtblick ist Androide Arthur, gespielt von Michael Sheen (47, "Masters of Sex"). Die Figur würde sich in einer eigenen Sci-Fi-Serie auch gut machen. Sheen überzeugt trotz seiner computergenerierten Art mit Charme und Witz.

Kontra

Minuspunkte sammelt "Passengers" reichlich. Das Drehbuch hat so seine Macken. Der Zuschauer soll glauben, dass ein Raumschiff, das sich 120 Jahre auf einer Reise durch das Weltall befindet, keinerlei technischen Notfallplan hochfährt, wenn ein Problem auftaucht? Niemand wird aufgeweckt, um nach dem Rechten zu sehen? Dennoch ist Androide Arthur 'wach' und putzt Gläser in der Bar - für 120 Jahre? Das gleiche gilt für die Putzkolonne, die in Dauer-Betrieb ist. Plötzlich wird täglich Essen ausgegeben. Sollte das niemanden der Verantwortlichen spanisch vorkommen? Was, wenn es nicht mehr reicht, sobald der Rest aufwacht?

Eine Kommunikation zur Erde ist zwar möglich, doch kann es Jahrzehnte dauern, um eine Antwort auf eine Videobotschaft zu erhalten. Außerdem gibt es nur eine Krankenstation auf einem Raumschiff mit über 5.000 Menschen an Bord. Was passiert, wenn nach dem Erwachen aller Passagiere - was einige Monate vor der Landung passieren soll - mehrere Menschen gleichzeitig stark erkranken? Und es ist wirklich nicht möglich, trotz der vorhandenen Technik, jemanden wieder einschlafen zu lassen, der ungewollt erwacht? Der Grund dafür soll sein, weil es bisher eben nie der Fall war und diese Technik nicht versagt.

Ein weiterer Haken: Chris Pratts Jim wird zum liebenswürdigen Helden aufgebaut - mit einer Handlung zerstört - um ihn nichtsdestotrotz im Rest des Films dem Zuschauer wieder als Held schmackhaft zu machen. Es wäre sicherlich eine spannendere Wendung möglich gewesen, als ihn zum lüsternen Mann verkommen zu lassen, der sich nach Liebe sehnt. Doch anstelle der Tiefe der Frage nachzugehen, was man mit sich anfängt, wenn man alleine auf einem Raumschiff dem Tod geweiht ist, gibt Jim seinen Bedürfnissen nach. Sein Verrat würde Spielraum für Wendepunkte anstatt eines Happy Ends mit fadem Beigeschmack bieten.

Jims Stalking-Qualitäten sind gruselig. Soll man darüber hinwegsehen, da es der liebeswerte Chris Pratt ist, der ihn verkörpert? Außerdem stammen Mechaniker Jim und Autorin Aurora aus unterschiedlichen Bildungsschichten - was interessante ethnische Fragen aufwirft - doch diese Disparität wird ignoriert. Auch bleiben ihre Figuren charakterlich blass, obwohl sie sich nur mit sich selbst (und Sport) beschäftigen. Der letzte Akt des Streifens, die drohende Gefahr des sich selbst zerstörenden Raumschiffes, kann nicht mal auf Seite der Spezialeffekte punkten. Ein wirklicher Höhepunkt bleibt aus.

Fazit

"Passengers" ist keineswegs ein Sci-Fi-Thriller, sondern eher eine kitschige Weltraumromanze. Die guten Ansätze sind da und zwei großartige Schauspieler ebenfalls. Doch jeder, der den Streifen ansehen will, sollte vorab keine Trailer sichten. Die Erwartungshaltung kann der Film nicht erfüllen. Fans von Jennifer Lawrence und Chris Pratt können womöglich über die Löcher im Drehbuch hinwegsehen, denn die beiden sind nett anzusehen auf der Leinwand. Für einige Lacher ist auch gesorgt. Doch die Moral von der Geschichte? Stars alleine können einen Film manchmal eben nicht tragen - sie können ihn nur erträglicher machen.

spot on news