Beisetzung erst am 5. Januar 2023

Einbalsamierer verrät: Darum bleibt der Körper des toten Papst Benedikt XVI. so lange frisch

Papst Benedikts (†95) Leichnam aufgebahrt
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Papst Benedikts (†95) Leichnam aufgebahrt

von Madeline Jäger

Der Tod des emeritierten Papst Benedikt XVI. (1927-2022) am 31. Dezember bewegt weltweit die Menschen. Seit dem 2. Januar 2023 wird das ehemalige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche im Petersdom im Vatikan aufgebahrt, noch bis Mittwoch, 4. Januar, können sich Gläubige verabschieden, am Donnerstag startet dann auf dem Petersplatz die Trauerfeier zu Ehren des verstorbenen Papstes.

In anderen Ländern gehören Totenwachen traditionell zur Verabschiedungskultur, auch nach dem Tod von Queen Elizabeth II. im vergangenen September wurde der Leichnam aufgebahrt, Menschen konnten Abschied nehmen. In Deutschland kommt das seltener vor, doch es gibt Bestatter, die darauf spezialisiert sind – die sogenannten Thanatologen, Thanatopraktiker oder auch Einbalsamierer. Wie dieses spezielle Verfahren der Aufbahrung abläuft und warum es so wichtig ist, erklärt Einbalsamierer Philipp Berger (30) im RTL-Gespräch.

Aufbahrung des Papstes: Wie wird ein Leichnam bis zur Beerdigung behandelt?

Acht Jahre lang war Benedikt XVI. das Oberhaupt der katholischen Kirche, zudem war er der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren und der älteste aller Zeiten. Am Samstagmorgen (31. Dezember 2022) verstarb der gebürtige Bayer, seit Montag (2. Januar 2023) ist sein Leichnam öffentlich in Rom aufgebahrt.

Seitdem stehen zehntausende Gläubige in Rom Schlange, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Er liegt vor dem Hauptaltar auf Kissen gebettet, die Hände sind gefaltet. Unter den ersten Trauergästen war Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, am Dienstag und Mittwoch können Menschen von 7.00 bis 19.00 Uhr in die Kirche kommen, bis Benedikt XVI. am Donnerstag, den 5. Januar, in der Krypta des Peterdoms beigesetzt wird.

Doch wie wird ein Leichnam in solchen Fällen im Verlauf der Zeit eigentlich behandelt? Was passiert mit dem Körper, wenn er wärmeren Temperaturen ausgesetzt wird?

Einbalsamierung von Verstorbenen: Formaldehydhaltige Flüssigkeit kommt in den Körper

Während wir Laien vor allem eine spezielle Kühlung hinter der professionellen Aufbahrung eines Leichnams vermuten, kommt in Wirklichkeit ein aufwendiges Einbalsamierungsverfahren zum Einsatz. Dieses Verfahren können in Deutschland nur Bestatter anwenden, die dafür eine spezielle Weiterbildung absolviert haben.

„Bei einem speziellen chemischen Verfahren wird Flüssigkeit in den Körper injiziert, um die Verwesungsprozesse aufzuhalten“, erklärt Pressereferent Alexander Helbach von Aeternitas e.V. der Verbraucherinitiative Bestattungskultur dazu. Sogenannte geprüfte Thanatopraktiker wie Philipp Berger vom Verein Deutsche Einbalsamierer e.V. übernehmen diesen Teil der Behandlung von Verstorbenen.

Thanatologen: „Wir kümmern uns um die Konservierung des Verstorbenen“

„Wir kümmern uns um die Konservierung der Verstorbenen. Dabei geht es um die zeitweise Unterbrechung der Autolyse – das heißt der Zersetzung des Körpers, damit die Bestattung, oder die Verabschiedung am offenen Sarg zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann“, erklärt Experte Philipp Berger (30) aus Lüneburg.

Bei einer Einbalsamierung tragen die ausgebildeten Fachkräfte jedoch nichts von außen auf, auch wenn das Wort erst einmal den Anschein nimmt.

Einbalsamierung: „Laien können sich das Verfahren ähnlich wie ein Dialyseverfahren vorstellen“

„Bei dem Verfahren werden Arterien und Gefäße geöffnet, über die wir dann formaldehydhaltige Flüssigkeit injizieren, damit ein Blutaustausch stattfindet. Laien können sich das Verfahren wie ein Dialyseverfahren vorstellen“, schildert Berger. Die Dauer der Einbalsamierung sei dabei immer unterschiedlich. Es kann nach zwei Stunden abgeschlossen sein, je nach Körper jedoch auch bis zu sechs Stunden dauern. Der Zustand des Leichnams spiele dabei eine wichtige Rolle.

Doch in welchen Fällen kommen Einbalsamierer hierzulande überhaupt zum Einsatz?

Größtenteils seien es in Deutschland Auslandsüberführungen von Verstorbenen, die eine Einbalsamierung nötig machen. „Wenn jemand in Deutschland verstirbt und in sein Heimatland überführt werden soll, wird zum Beispiel eine Einbalsamierung vorgeschrieben. Immer dann, wenn die Zeit zwischen dem Eintritt des Todes und der Verabschiedung oder Beerdigung lange andauert, wird eine Einbalsamierung benötigt“, beschreibt der Experte.

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Verlängerung einer Einbalsamierung: „Bei Herr Lenin wird alle 12 Monate nach injiziert“

Lenin in Moskau
Der konservierte Leichnam Lenins im Moskauer Leninmausoleum auf dem Roten Platz (1993). © picture alliance

Auch bei Aufbahrungen komme seine Berufsgruppe zum Einsatz, wenn auch in Deutschland wesentlich seltener als im Ausland. Insgesamt sei sein Berufsstand hierzulande jedoch sehr übersichtlich, lediglich 150 bis 200 Personen würden als Einbalsamierer arbeiten, so Berger.

Einbalsamierungen könnte man außerdem in regelmäßigen Abständen wiederholen, wenn ein Leichnam länger aufgebahrt werden soll, so wie es teilweise bei Prominenten der Fall ist. „Das beste Beispiel dafür ist Herr Lenin in Moskau. Bei ihm wird alle 12 Monate nachinjiziert. Also für ein Jahr kann die Einbalsamierung je nach Verfahren durchaus ausreichen“, so Berger. Für diesen Prozess und den Austausch der Flüssigkeiten wird das Mausoleum in Russland bis zu zwei Tage gesperrt. Erst danach darf die Örtlichkeit wieder besichtigt werden.

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