Olivia Jones' harte Kindheit: Familie hat sich früher für sie geschämt

Biografie zeigt Höhen und Tiefen in Olivia Jones' Leben
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Biografie zeigt Höhen und Tiefen in Olivia Jones' Leben

Dragqueen Olivia Jones gewährt ungeschminkte Einblicke

Bislang hat Dragqueen Olivia Jones (51) ihr Privatleben streng unter Verschluss gehalten. Nun erscheint die Biografie der Wahl-Hamburgerin - mit vielen „schonungslosen“ Details aus ihrem Leben, wie sie im RTL-Interview erzählt. Welche Höhen und Tiefen Olivia Jones erlebt hat, erzählt sie im Video.

Olivia Jones: Es war eine sehr schwere Zeit

Das Verkleiden hat ihr schon immer Spaß gemacht. Zu unserem Interview in ihrer eigenen Bar im Vergnügungsviertel von St. Pauli erscheint Olivia Jones mit wild hochtoupierten gelbroten Haaren, knallbunter Glitzer-Jacke, schwarzem Minirock – und natürlich groß geschminkten Augen und Lippen. „Wenn man zu mir nach Hause kommt, denkt man, man sitzt in der Muppetshow“, erzählt Olivia Jones. „Überall sind Federn, überall sind Kostüme und man wird von irgendwelchen Flamingos angeschaut. Also es ist sehr, sehr bunt."

Schon in den 1970er Jahren als Junge im Kindesalter liebt es Olivia Jones, sich zu verkleiden. Damals heißt Olivia noch Oliver und wächst in einer spießigen Familie in der niedersächsischen Kleinstadt Springe auf. Oliver entdeckt seine Homosexualität – und erlebt, wie sich Familie und Nachbarn von ihm abwenden. „Ich habe mich immer gewundert, was das in der Gesellschaft für Hass projiziert auf einige Menschen, nur weil ich anders bin und mich anders angezogen habe als schriller Vogel“, erinnert sich Olivia Jones im RTL-Interview. „Ich wurde richtig von Nazis verfolgt, wurde auch schon mal blutig geschlagen vor einer Diskothek. Dann kam noch dazu, dass meine Familie mir auch gezeigt hat, dass ich als Person ihnen unangenehm bin, wenn ich mich so auslebe.“

Olivia Jones: Jetzt erst recht!

Oliver Jones steht vor ihrer Bar in Hamburg.
Oliver Jones hat in ihrem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt. © RTL Nord

Die Ablehnung, die Oliver als Kind und Teenager erlebt, gehen aber auch weiter, als aus Oliver die Dragqueen Olivia wird. Olivia Jones zieht Ende der 1980er Jahre mit 19 nach Hamburg. Hier ist es mit der Spießigkeit aber längst nicht vorbei. „Diese Machowelt gerade auf St. Pauli ist letztlich auch sehr spießig“, erzählt Olivia Jones. „Denn St. Pauli ist tagsüber auch ein kleines Dorf wo jeder jeden kennt. Und das war schon sehr spießig und schwulenfeindlich.“

Die schwulenfeindlichen Erfahrungen aus ihrer Kindheit haben Olivia stark gemacht: „Das hat mich ganz früh dazu gebracht, mit Mobbing umzugehen, sich einen dicken Panzer anzulegen. Und einfach zu sagen: Jetzt erst recht!“ Oliver Jones hält kurz inne bevor sie weitererzählt: „Das ist mein Leben, egal was ihr denkt. Und ich möchte mich selbst verwirklichen.“

Olivia Jones: Ich bin ein schrilles Huhn und ich werde es auch bleiben

Bis Olivia in Hamburg beruflich Fuß fasst, dauert es fast zehn Jahre. Mittlerweile besitzt die Travestiekünstlerin und erfolgreiche Geschäftsfrau, die übrigens glücklich Single ist, mehrere Bars auf Hamburgs Reeperbahn, drei bis 400 Kostüme und ist ein deutschlandweiter Star.

Ihr Lebenselixier ist und bleibt dabei die Bühne: „Ich hab alles erreicht und noch mehr, als ich mir hätte erträumen können“, resümiert Olivia Jones. „Was ich mir noch wünsche, ist vielleicht ein kleines Theater, daran arbeiten wir gerade. Und ich würde mir auch für die Gesellschaft einiges wünschen, dass sie noch ein bisschen toleranter wird, dass der Rechtsruck wieder rückgängig gemacht wird.“ Olivia Jones lächelt und führt augenzwinkernd hinzu: „Und wenn sich mal ein Profi-Fußballer outet, dass das kein Skandal mehr ist."