Kinostart: 1. September 2022

Oben mit oder oben ohne? Sommerkomödie um Zickenkrieg im "Freibad" - Filmkritik

Trailer Freibad von Doris Dörrie
02:28 Min

Trailer Freibad von Doris Dörrie

von Mireilla Zirpins

Dürfen alle oben ohne ins Freibad, nicht nur die Männer? Diese Frage bewegt in diesem Sommer die deutschen Schwimmbad-Fans. Als hätte Doris Dörrie es geahnt! In ihrer Sommerkomödie „Freibad“ geht’s sogar um ein reines Frauenbad. Aber selbst da sind die Damen sich nicht einig, ob das Bikinioberteil draußen bleiben darf. Noch mehr Zoff gibt’s nur um die Frage, ob man nicht auch zu viel verhüllen kann, etwa mit einem Burkini.

HANDOUT - 11.08.2022, ---: Julia Jendroßek (r) als Paula und Nilam Farooq als Yasemin in einer Szene des Films "Freibad" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 31.08.2022 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts) Foto: Mathias Bothor/Constantin
Kinostart - "Freibad" © dpa, Mathias Bothor, cse kde

Wer ist hier eigentlich emanzipiert? Zicken-Krieg im Freibad

Dafür hat sie nicht ihre BHs verbrannt! Eva (Andrea Sawatzki), altgedienter Ü50-Stammgast im Freibad, tobt, als die junge Muslima Yasemin (Nilam Farooq) sich mit Neopren-Wetsuit und Kopfbedeckung ins Becken stürzt. „Total fremdgesteuert“, entrüstet sie sich. Evas Busenfreundin Gabi (Maria Haller) sieht das wesentlich entspannter: „Ich find’ die eigentlich ganz sexy. So Superwoman-artig.“ Aber Gabi verhüllt ihr Haupt ja auch – „Das ist kein Kopftuch, das ist Hermès.“

Als dann noch Frauen auftauchen, die noch weniger von sich zeigen, rastet Eva aus. Burka, Burkini, Tschador – Eva ist’s völlig wurscht, wie’s heißt. Sie stört so viel Textil gewaltig und sie findet nicht, dass man die Freiheit haben sollte, sich zu verschleiern. Um’s den Damen mal so richtig zu zeigen, springt Eva gleich neben ihnen oben ohne rein. Das Ganze endet in einer Massenrangelei und der Kündigung von Bademeisterin Steffi (im Baywatch-Gedächtnis-Suit: Melodie Wakivuamina), deren Nachfolger Nils (Samuel Schneider) männlich ist und für ganz andere Probleme sorgt…

HANDOUT - 11.08.2022, ---: Andrea Sawatzki als Eva in einer Szene des Films "Freibad" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 31.08.2022 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts) Foto: Mathias Bothor/Constantin Film Verleih/dpa - ACHTUNG: Nur zur
Kinostart - "Freibad" © dpa, Mathias Bothor, cse kde

Manchmal albern, aber immer herzlich: die Gang aus dem Damen-Freibad

Ja, reichlich albern und etwas holzschnittartig geht’s schon zu in dieser deutschen Komödie, die manchmal besser auf Verbal-Humor setzen würde als auf Slapstick. Anders als in der öffentlichen Debatte zu den Freibädern geht’s hier aber nicht nur um Genderfragen, sondern vor allem um den Culture Clash. Das wird bisweilen recht plakativ, bleibt aber trotzdem herzlich. Aber immerhin ist das Personal diverser als in vielen anderen Komödien – und alle kriegen ihr Fett weg. Regisseurin Doris Dörrie bringt die Zuschauer dazu, über die eigene Toleranz nachzudenken und holt mit ihrem knallbunten und gut gelaunten Spaßbad-Movie ein bisschen Sommerfeeling zurück in die Kinos – just in dem Moment, in dem die Tage kürzer werden und es mit dem Wetter abwärts geht.

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