"Nur ein kleiner Gefallen" in der Filmkritik: Spannendes Wirrwarr mit Blake Lively und Anna Kendrick

"Nur ein kleiner Gefallen" - Kinotrailer
02:19 Min "Nur ein kleiner Gefallen" - Kinotrailer

Blake Lively trifft auf Anna Kendrick

Bei dem Filmplakat in zarten Blau- und Rosatönen weiß man erstmal nicht so wirklich, worauf man sich da bei "Nur ein kleiner Gefallen" gerade einlässt. Klar, Blake Lively ist immer ein Grund für's Kino - aber reicht das wirklich aus? Immerhin gibt man sich ihr für knappe zwei Stunden in der Dunkelkammer hin. Präsentiert wird einem da dann ein Thriller. Einer, der sowohl storytechnisch als auch schauspielerisch zu überzeugen weiß. Und trotzdem nicht vollkommen ist.

Von Vincent Nellessen

Die Schauspielerinnen überzeugen auf ganzer Linie

Anna Kendrick als Stephanie und Blake Lively als Emily.
Anna Kendrick und Blake Lively überzeugen in ihren Rollen. © Lionsgate, Peter Iovino

Kommen wir erstmal auf das Zusammenspiel in diesem stylischen Thriller zu sprechen: Das ist wirklich Bombe und mit Sicherheit einer der Gründe, die FÜR den Film sprechen! Da wäre einmal Anna Kendrick. Die 33-Jährige mimt die etwas übereifrige, alleinerziehende Mami Stephanie mit eigenem Mutti-Vlog auf den Punkt. Und dann ist da Emily, hervorragend gespielt von Blake Lively - erfolgreiche PR-Frau, wahnsinnig hübsch, immer im Designer-Fummel und so unnahbar.

Daneben brillieren Schauspieler in Nebenrollen, die man zwar alle vom Gesicht her kennt, die Namen aber nicht parat hat, was angesichts ihrer Leistung mehr als schade ist. Ich erwähne nur mal ein paar: Henry Golding, Rupert Friend, Jean Smart, Linda Cardellini. Googlen Sie die mal - kennen Sie alle!

"Du willst lieber nicht mit mir befreundet sein"

Blake Lively in "A Simple Favor"
Blake Lively spielt die rätselhafte Emily. Was ist ihr Geheimnis? © LIONSGATE, Peter Iovino

Wie ist es wohl, wenn Überfrau Blake Lively auf das süße Mädchen von nebenan Anna Kendrick trifft?

Eine Frage, die der Film "Nur ein kleiner Gefallen" ziemlich schnell beantwortet. Wer dann meint, es wird langweilig, liegt falsch! Denn die eine Antwort wirft Tausend weitere Fragen auf, bevor es zum unerwarteten - aber zugegebenermaßen teils auch verworrenen - Finale kommt.

Dass Stephanie und Emily nicht wirklich zusammenpassen und dass die Business-Lady der Vloggerin nicht gut tut, merkt der Zuschauer ziemlich schnell. Aus denen sollen Freundinnen werden? Ziemlich bald sagt Emily ihn dann, den einen Satz, der die Frage, was wohl zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen vorfallen wird, nicht etwa beantwortet, sondern nur noch dringlicher macht: "Du willst lieber nicht mit mir befreundet sein, glaub mir."

Aber wieso denn nur? Was treibt diese Frau für ein Spiel? Und genau um dieses Fragenkonstrukt baut sich der Psycho-Thriller immer weiter auf. Doch tatsächlich, die beiden werden Freunde. So weit, so vorhersehbar.

Und dann kommt, was in "Nur ein kleiner Gefallen" alles ändert: der kleine Gefallen eben. Und der entpuppt sich bald schon - Sie werden's erraten - als nicht ganz so klein. Emily bittet Stephanie zum x-ten Mal, ihren kleinen Jungen Nicky mit aus der Schule abzuholen - und taucht dann nicht mehr auf. Dann versucht Stephanie in einer wahnwitzigen, packenden Solo-Tour das Schicksal der schönen Emily zu lüften.

Der Film kommt nicht ganz ohne Schwächen aus

Anna Kendrich in "A Simple Favor"
Anna Kendrick versucht als Stephanie das Geheimnis um ihre Freundin Emily zu lüften. © LIONSGATE, Peter Iovino

In "Nur ein kleiner Gefallen" spielt Regisseur Paul Feig mit menschlichen Abgründen. Dabei stellt er die arme Anna Kendrick vor einen Haufen unglaublicher (Schein-)Wahrheiten. Was den Film erst recht packend macht, ist sein fast schon satirischer Umgang mit dem düsteren Thriller-Genre. Vor allem das erste Drittel des Films ist durchzogen von Lachern und Schmunzel-Momenten. Sein wichtigstes Mittel: schwarzer Humor. Den platziert Paul Feig anfangs noch gezielt und genau im richtigen Maße, unterhaltsam einfach.

Doch je weiter der Film voranschreitet, desto mehr wirkt er auch mal drüber. Da wird dann auch mal jemand ziemlich übertrieben vom Auto erfasst. Und hier und da erwischt man sich auch mal bei dem Gedanken: "Echt jetzt? Wirklich?!" Vor allem in den letzten Minuten ist "Nur ein kleiner Gefallen" teils zu bemüht- was dem vorangegangenen Psycho-Thriller nicht so ganz gerecht wird.

Fazit: Durchaus sehenswert!

"Nur ein kleiner Gefallen" (ab dem 08.11.2018 im Kino) entführt seine Zuschauer in ein Freundschafts-Wirrwarr, das immer mehr Fragen aufwirft und eine durchaus unerwartete Wendung nimmt. Trotz einiger Überschläge ist das Spektakel durchaus unterhaltsam und niemals zu langwierig. Um sich diesen Film anzuschauen, muss man wirklich niemandem einen großen Gefallen schulden - und sich außerdem nicht nur auf Blake Lively stützen. Eine definitive Empfehlung, nicht zuletzt wegen einer wirklich großartigen Besetzung!