Norbert Blüm (†84): Witwe Marita spricht über seine letzten Minuten

Marita Blüm mit ihrem Mann Norbert
Marita Blüm mit ihrem Mann Norbert © picture alliance

Norbert Blüm starb im April

Keine kennt ihn so gut, wie sie: Marita Blüm war über 50 Jahre mit Norbert Blüm verheiratet. Er war in den 90er Jahren einer der beliebtesten Politiker. Am 23. April starb der ehemalige Arbeits- und Sozialminister im Alter von 84 Jahren. Nun hat seine Frau erstmals über den Tod ihres geliebten Mannes bei stern TV gesprochen.

"Wir haben wirklich ganz Schreckliches mitgemacht"

Kennengelernt haben sich Marita und Norbert Blüm bereits im Studium. Ein halbes Jahrhundert waren sie unzertrennlich. Kein Wunder, dass ihr das erste Interview nach dem Tod ihres Mannes so schwerfällt. Immer wieder schluckt sie, aber sie hält die Fassung, als sie mit Steffen Hallaschka und Günther Jauch in der stern TV Jubiläumssendung über den Politiker spricht. Elf Monate lang lag Norbert Blüm nach einer Blutvergiftung  im Krankenhaus – davon eine Zeit lang im Koma. „Er hat alle Abstürze mitgemacht, die so eine Blutvergiftung auslösen kann. Und jedes Mal ist irgendwas fürs Leben zurück geblieben – eine Behinderung, wo man wusste: Das kriegt man nicht mehr weg“, so Marita Blüm.

Weiter erzählt sie: „Es war zwei Mal ganz hoffnungslos im vergangenen Sommer. Das war die Hölle! Wir haben 300 Tage lang Tag für Tag und ausnahmslos an seinem Bett gesessen. Dann im Herbst... Wir haben wirklich kaum Hoffnungen gehabt. Wir haben wirklich ganz Schreckliches mitgemacht, [...] er konnte nicht sprechen, sich nicht mehr bewegen, kein Zeichen geben. Er wusste auch nicht immer, was geschah.“

Marita Blüm im Gespräch mit Steffen Hallaschka und Günther Jauch
Marita Blüm im Gespräch mit Steffen Hallaschka und Günther Jauch © RTL

In seinen eigenen vier Wänden blühte er wieder auf

Obwohl viele Norbert Blüm nach knapp einem Jahr im Krankenhaus schon aufgegeben hatten, besserte sich sein Zustand. Seine Ehefrau schildert: „Dann wurde es klinisch langsam besser. [...] Da hat er klinisch gute Fortschritte gemacht. [...] Er zeigte ganz deutlich, dass er noch nicht gehen wollte.“ Doch seine große Liebe merkte schnell, dass nur ein Ortswechsel ihrem Mann jetzt noch helfen kann. „Dann haben wir ihn nach Bonn zurück geholt, in eine Früh-Reha. Aber das hat nicht viel gebracht“, erklärt sie. „Dann haben wir ihn nach Hause geholt. Da habe ich mich erst bisschen vor gefürchtet, aber das war die beste Idee, die wir haben konnten.“ Marita Blüm hatte Unterstützung von einem Pflegeteam, da ihr Mann mittlerweile die Pflegstufe 5 erreicht hatte. Und plötzlich blühte der einstige Politiker wieder auf. „Er kam nach Hause, für zehn Wochen noch und war ein neuer Mensch. Er war wieder glasklar im Kopf“, sagt sie. Blüm fing sogar an ein Buch zu schreiben! Für seine Frau steht fest: „Er ist zum Leben nach Hause gekommen, nicht zum Sterben.“ 

„Dann war ganz plötzlich Schluss – innerhalb von vier Minuten"

Doch von jetzt auf gleich verabschiedete sich Norbert Blüm! Seine Frau Marita erinnert sich an die letzten Minuten mit ihm: „Dann war ganz plötzlich Schluss – innerhalb von vier Minuten. Er hat mich runtergeschickt, wollte ein Äppelwoi (Apfelwein) mit Eisstückchen haben. Bin ich runter gegangen, war höchstens 70 bis 80 Sekunden unten – und dann kam ich hoch, dann war es vorbei. Ich habe ihn in den Arm genommen, und dann war’s vorbei.“ 

Privatleben & Karriere des Norbert Blüm

Norbert Blüm lernte seine Frau Marita bereits während des Studiums kennen und lieben - im Hörsaal bei einer Vorlesung von Joseph Ratzinger. Das Paar heiratete 1964 und hat drei Kinder: Christian - Mitglied der kölschen Karnevals-Band „Brings“ - und zwei Töchter.

2019 machte die Gesundheit nicht mehr mit. Nach einer Blutvergiftung war Blüm an Armen und Beinen gelähmt. Erst im März hat er das publik gemacht. Er ließ ausrichten, er lebe wie Gott in Frankreich. Rund um die Uhr werde er bedient. Seinen Lebensmut und seinen Humor hat Norbert Blüm bis zuletzt nicht verloren.

Norbert Blüm und Helmut Kohl
Norbert Blüm und Helmut Kohl © DPA

Der Politiker war unter Bundeskanzler Helmut Kohl (1930-2017) von 1982 bis 1998 Bundesminister für Arbeit und Soziales und galt während seiner aktiven Zeit als einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Er setzte die Gesundheits- und Rentenreform durch. Legendär wurde sein leicht abgewandelter Satz "Die Rente ist sicher", der einer seiner Plakatkampagnen entlehnt wurde. Wörtlich hieß der Spruch dort: "Denn eins ist sicher: die Rente".