Nachhaltiger Umgang mit Müll: Darauf kommt es beim Abfall an

Nachhaltiger Umgang mit Müll: Darauf kommt es beim Abfall an
Den Müll richtig zu trennen, will gelernt sein. © Pinkyone/Shutterstock.com, SpotOn

Experten-Talkrunde

Der Müll in den Ozeanen nimmt jedes Jahr zu und auch an Land ist die Lebensgrundlage vieler Tier- und Pflanzenarten akut gefährdet. Auf der aktuellen Roten Liste des WWF befinden sich 37.500 bedrohte Spezies. Um die Abwärtsspirale zu stoppen, ist entschiedenes Handeln nötig, bis hin zu einem Stopp des Wirtschaftswachstums, meinen Experten. Am Wochenende haben sich einige von ihnen auf Einladung der APK AG bei einer Talkrunde des FaceClub in Berlin ausgetauscht. Was ihrer Ansicht nach nötig ist, um die Welt doch noch zu retten.

Im Kreis statt der Spirale denken

"Um steigende Abfallmengen zu verhindern, müssen wir das Wachstum der Menschheit stoppen", appelliert während der Diskussion etwa Klaus Wohnig. Er ist Vorstandsvorsitzender des Nürnberger Recycling-Unternehmens APK, das sich der Wiederaufbereitung von Plastik und damit einer Kreislaufwirtschaft verschrieben hat. Michael Thews, SPD-Abgeordneter im Bundestag, mag zwar nicht vom Ende des Wirtschaftswachstums sprechen, doch auch er sagt: "Wir müssen mehr in Kreisläufen denken."

Dabei stünden auch die Unternehmen in der Pflicht, ihre Produkte so zu planen, dass "der Kreislauf schon mitgedacht wird", meint Thews. Silke Düwel-Rieht vom WWF Deutschland pflichtet dem bei und fordert, dass die Naturkosten Teil der Wirtschaftskalkulation werden: "Unsere Wirtschaft bemisst die Umwelt nicht als Wert in ihrer Produktion. Das müssen wir ändern." Ein geeignetes Instrument hierfür sei Wohnigs Ansicht nach eine CO2-Steuer: "Wir müssen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft fördern, indem wir CO2 bepreisen und damit lineares Wirtschaften verteuern. Und wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir in großen Maßstäben denken und handeln."

Was kann der Einzelne tun?

Axel Kaiser, Vorstand des Bundesverbands nachhaltige Wirtschaft, erinnert zunächst daran: "In Paragraf 14, Absatz 2 des Grundgesetzes steht: 'Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.' Daran müssen wir immer denken." Dass sich zu viele Menschen dieses Umstands nicht bewusst sind, findet auch der Schauspieler Ralf Bauer: "Wir müssen unsere eigene Gier reduzieren, um Ressourcen zu sparen."

"Jeder von uns kann politische Prozesse beeinflussen", sagt Düwel-Rieth und fordert Bürgerinnen und Bürger zum Handeln auf, "zum Beispiel durch Gespräche mit dem Abgeordneten auf lokaler Ebene; aber auch auf nationaler Ebene, indem man Petitionen unterschreibt." Die Schauspielerin Claudia Urbschat-Mingue schließt sich diesem Appell an: "Traut euch, euch in lokalen Gruppen in der Nachbarschaft digital oder persönlich zu engagieren."

Plastik, überall Plastik

Moderator Fritz Lietsch weist darauf hin, wie dramatisch die Situation ist: "Allein in Deutschland produzieren wir täglich 770 Tonnen Verpackungsabfall aus Kunststoff." Deshalb müsse darauf geachtet werden, dass von vornherein so wenig wie möglich von ihm entsteht - auch von den einzelnen Verbrauchern. "Wiederverwendung ist eine Frage der Wertschätzung", ist daher das Motto von Christina Christiansen, Keynote-Speakerin der von FaceClub ausgerichteten Veranstaltung.

Wohnig hofft darauf, dass diese Wertschätzung auch für den von Menschen produzierten Abfall Einzug hält: "Wir müssen dem Abfall einen Wert geben", sagt er und erntet Zuspruch von Gabriele Haessig von Procter & Gamble, die erklärt, warum richtiges Recycling der Verbraucherinnen und Verbraucher wichtig für die Industrie ist: "Richtiges Trennen ist wichtig. So entsteht besserer Kunststoffmüll mit mehr Verwertungsmöglichkeiten." Wie das geht, schlüsselt beispielsweise die Verbraucherzentrale auf - je nach Art des Mülls gelten verschiedene Regeln. Denn letztlich geht es um Wissen, das weiß auch Moderator Lietsch: "Jeder von uns kann etwas tun. Man muss nur den eigenen Hebel erkennen."

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