Echte Gerichtsdokumente und Kinder mit BDSM-Spielzeug

Nach Fetisch-Teddy-Fauxpas: Balenciaga versucht's mit einer Entschuldigung

Das Modellabel Balenicaga hat mächtig Ärger, nachdem zwei Werbekampagnen schief gingen.
Das Modellabel Balenicaga hat mächtig Ärger, nachdem zwei Werbekampagnen schief gingen. © picture alliance

Der Ärger für die Modemarke Balenciaga reißt nicht ab. Die völlig misslungene Werbekampagne mit Fetisch-Teddys und echten Gerichtsdokumenten zu einem Kinderpornografie-Prozess rütteln am Image der Marke – und zwingen sie zu einer klaren Reaktion.

Kim Kardashian über Werbekampagne: "Verstörende Bilder"

Eigentlich sollte es um die Geschenkkollektion des Designerlabels gehen. Doch die ist nach den gewaltigen Fehltritten nun Nebensache: Auf Twitter nannten Userinnen und User die Werbung am Dienstag furchtbar und riefen zum Boykott der Marke auf.

Reality-Star Kim Kardashian, langjährige Kundin der Luxusmarke, hatte am Montag geschrieben, sie sei von den Kampagnen angewidert und entsetzt gewesen. „Als Mutter von vier Kindern haben mich die verstörenden Bilder erschüttert.“ Jeglicher Versuch, Kindesmissbrauch zu normalisieren, habe keinen Platz in der Gesellschaft.

Modehaus räumt Fehler ein

Das Modehaus des französischen Konzerns Kering entschuldigte sich und räumte eine Reihe schwerer Fehler in den Kampagnen ein, wie es in einem von Kreativdirektor Demna Gvasalia veröffentlichten Schreiben hieß. „Wir verurteilen Kindesmissbrauch. Es war nie unsere Absicht, es in unser Narrativ einzubinden. Die beiden unterschiedlichen Werbekampagnen sind Folge schwerwiegender Fehler, für die Balenciaga die Verantwortung übernehmen wird.“

Die Fetisch-Teddys hätte niemals zusammen mit Kindern beworben werden dürfen. „Das war eine falsche Entscheidung von Balenciaga, kombiniert mit unserem Versagen bei der Beurteilung und Bewertung von Bildern“, heißt es in einem Post, den das Unternehmen auf Instagram teilte.

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Unternehmen hat Klage eingereicht

Doch wie gelangen die Unterlagen zu einem Kinderpornografie-Fall mit auf den Werbebildern der Marke?

Von dem Luxuslabel hieß es, in der Werbekampagne für das Frühjahr hätten Dienstleister anders als vereinbart als Requisiten nicht nachgeahmte Bürounterlagen, sondern echte Gerichtsdokumente zur Verfügung gestellt. Das Dokument überhaupt zu zeigen sei bereits „illegal und nicht durch die Meinungsfreiheit (Original: Freedom of Speech, Anm. d. Red) gedeckt.“

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„Dass diese nicht zulässigen Dokumente genutzt wurden, war das Resultat von Nachlässigkeit. Balenciaga hat Klage eingereicht. Wir übernehmen die volle Verantwortung dafür, dass wir die Dokumente nicht genauer in Augenschein genommen und kontrolliert haben. Wir hätten die Dinge anders machen können“, schreibt der Konzern.

Balenciaga vermutet, dass die echten Dokumente vom Dreh eines TV-Dramas stammen.

Strukturen und Prozesse sollen hinterfragt werden

Innerhalb der Firma würden nun die Organisationsstruktur und die Arbeitsweise hinterfragt werden. Zudem sollen die Strukturen rund um die kreativen Prozesse und die Kontrolle derselbige hinterfragt und neu strukturiert werden, damit ein solcher Fehler nicht noch einmal passiere. „Wir wollen aus unseren Fehlern lernen und herausfinden, wie wir unseren Teil dazu beitragen können“, schreibt das Unternehmen weiter. „Balenciaga entschuldigt sich aufrichtig für die Beleidigung, die wir verursacht haben, und entschuldigt sich auch bei seinen Talenten und Partnern.“

Das Unternehmen wolle zudem künftig mit Organisationen zusammenarbeiten, die Kindesmissbrauch und -ausbeutung beenden wollen. Ob dies alles aber genügt, den verursachten Imageschaden wieder gut zu machen? (eon/dpa)

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