"Mortal Engines - Krieg der Städte": Kann Peter Jacksons neuer Fantasy-Streifen überzeugen?

"Mortal Engines - Krieg der Städte" - Trailer
01:24 Min "Mortal Engines - Krieg der Städte" - Trailer

Von Mireilla Zirpins

Transformers meet Steampunk in einem apokalyptischen Action-Abenteuer aus der Feder von "Herr der Ringe“- und "Hobbit"-Macher Peter Jackson und seiner Frau Fran Walsh. Das klingt nach einem Selbstläufer. Doch "Mortal Engines" kann trotz ansprechender Optik nicht überzeugen. Unsere Diagnose: zu viel gewollt und zu viel geklaut.

Gefräßige Städte auf Rollen

Die Heldin trägt ein rotes Tuch vorm Gesicht wie Gérard Depardieu als "Cyrano de Bergerac". Nicht, um eine übergroße Nase zu verstecken, sondern eine Narbe auf Kinn und Wange. Nicht nur, weil sie sich entstellt fühlt, sondern um nicht erkannt zu werden. Denn Hester Shaw (macht ihre Sache gut: die noch eher unbekannte Isländerin Hera Hilmar) will den Mörder ihrer Mutter töten – den herrschsüchtigen Thaddeusz Valentine (Hugo Weaving, der Elrond aus der "Ringe"-Trilogie). Als das Attentat schiefläuft, muss sie fliehen.

Das ist gar nicht so einfach in der dystopischen Zukunftswelt von "Mortal Engines", denn im Zweifelsfall nimmt der Bösewicht seine ganze Stadt einfach mit. Die Megacitys von morgen wie der Moloch London rumpeln auf gigantischen rostigen Raupenketten durch die Ödnis, wo sie einst die kleinen Städte aufgefressen haben. Und so springen Hester und ihr dauerquasselnder Helfer Tom (Robert Sheehan) ständig irgendwelchen fahrenden Städten aus dem Weg.

"Star Wars" lässt doch sehr deutlich grüßen bei "Mortal Engines"

Das ist reichlich gewöhnungsbedürftig, vor allem, weil Kamera und Schnitt eher eine Videogame-Optik schaffen als dem Ganzen Leben einzuhauchen. Ohnehin weiß man als Zuschauer kaum, wo man hinschauen soll, so vollgepackt wirken die Szenen. Zumindest visuell überzeugender als in den Massenschlachten ist "Mortal Engines" ausgerechnet in den intimeren Dialogszenen.

Da hapert es dann am Text – zu viel Pathos, zu wörtlich aus dem Englischen übertragen. Und daran, dass die Adaption des gleichnamigen Jugendromans von Philip Reeve keine reine Revenge-Story sein will, sondern viel mehr. Und so knistert es nicht nur plötzlich sehr harmlos zwischen Hester und Tom, sondern sie machen unter anderem noch gemeinsame Sache mit einem Haufen fliegender Rebellen – "Star Wars" lässt doch sehr deutlich grüßen.

Überhaupt bedient sich Regie-Neuling Christian Rivers, früher Storyboard-Artist bei Peter Jackson, mit vollen Händen in der Filmgeschichte. Von "Mad Max" bis "Frankenstein" ist alles dabei, ohne jemals die Originale zu erreichen. Immerhin: Die Nummer mit den rollenden Städten hat man so noch nicht gesehen. Und auch wenn man beim "Kriege der Städte", so die Tagline, unweigerlich an die "Transformers" denken muss, hat "Mortal Engines" in seinen zwei pickepackevollen Stunden wenigstens ein paar starke Heldinnen zu bieten. Aber vom Rest ein bisschen weniger wäre hier sicher mehr gewesen.