Gericht verurteilt Angeklagten wegen Mordes

Prozess in Graz: Elena (†16) tot im Bett ihres Nachbarn Manfred H. gefunden

Prozess in Graz gegen Manfred H.
Hat Manfred H. seiner 16 Jahre alten Nachbarin beim Suizid geholfen oder hat er sie umgebracht? © RTL

Wie liefen Elenas letzte Stunden ab?

Wie genau starb die 16-jährige Elena aus der österreichischen Steiermark? Diese Frage musste nun ein Gericht in Graz klären. Auf der Anklagebank saß der 43 Jahre alte Nachbar der Jugendlichen Manfred H. Klar ist: Er ging zur Polizei und führte die Beamten zu der Leiche des Mädchens in seinem Bett. Er sagte aus, Elena habe sich umgebracht. Doch wie es scheint, hatte der Nachbar nicht nur Gelegenheit, das Mädchen davon abzuhalten, sich etwas anzutun. Er soll sogar dafür gesorgt haben, dass die 16-Jährige wirklich stirbt. Das Gericht verurteilte ihn darum nun wegen Mordes. 

Die Geschworenen waren sich einig, dass Manfred H. Elena nicht einfach nur beim Suizid geholfen hat, sondern sie ermordet hat. Sie verurteilten ihn darum zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, die in Österreich 20 Jahre beträgt, und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Im Prozess kamen die Details von Elenas letzten Stunden ans Licht. RTL-Reporterin Natascha Größ war im Gerichtssaal dabei. 

Manfred H. hätte gerne eine sexuelle Beziehung zu Elena gehabt

Das Mädchen war mit seinem Vater in eine Wohnung nach Deutschlandsberg (rund 40 Kilometer südlich von Graz) gezogen. Im Erdgeschoss wohnte der damals 42 Jahre alte Manfred H. Schnell baut sich eine Freundschaft zwischen den beiden auf. Elena war oft beim Nachbarn, sie redeten, tranken zusammen oder gingen ins Schwimmbad. Elena soll in dem deutlich älteren Mann eine Art Vertrauensperson gesehen haben. Manfred H. hoffte offenbar auf mehr.

Er hätte gerne eine sexuelle Beziehung mit der 16-Jährigen gehabt. Mehr als eine Fußmassage soll es aber nie gegeben haben, weil Elena nicht einverstanden gewesen sei. Vor Gericht sagte er aus, dass er dem Mädchen einmal 100 Euro für ein Foto im Slip gezahlt habe. Elena habe ständig wechselnde Beziehungen gehabt, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er hingegen hatte nie eine richtige Beziehung und ging für Sex zu Prostituierten.

Manfred H. sprach häufig mit Elena über Suizid

Am 27. Juni 2019, dem Tag, an dem Elena starb, lud er die 16-Jährige zu sich in die Wohnung ein. Er habe mit dem Mädchen über ihre Beziehung reden wollen. Elena hatte anscheinend Liebeskummer und wollte sich bei ihm über ihre Männerprobleme ausweinen. Laut Manfred H. setzten sich die beiden nebeneinander auf sein Bett. Er habe sich erhofft, dass da „etwas geht“. Am Ende war die 16-Jährige tot. Wie genau kam es dazu?

Der Angeklagte erklärte, Elena habe plötzlich gesagt, dass sie sterben wolle. Darüber habe sie öfter gesprochen. Und sie soll ihn gefragt haben, ob er ihr helfen wolle. Die beiden hatten sich zuvor offenbar bereits öfter über Suizid-Methoden ausgetauscht. Elena schrieb an den Abend in Manfred H.s Wohnung zwei Abschiedsbriefe: einen an ihren Vater und einen an einen Freund. Dann habe sie Schlaftabletten geschluckt, die der Nachbar in der Wohnung hatte.

Manfred H. drückte Elena den Hals zu, bis sie starb

Erst da habe er verstanden, dass es dem Mädchen offenbar ernst war, mit ihrem Vorhaben, sich das Leben zu nehmen, behauptet Manfred H. vor Gericht. Trotzdem unternahm er nichts, um dem Mädchen zu helfen. Er holte weder den Vater der 16-Jährigen, noch einen Rettungswagen.

Elena sei von den Tabletten übel geworden und sie habe angefangen, über Bauchschmerzen zu klagen. Er habe ihr daraufhin den Bauch massiert. Sie sei immer wieder weggenickt und habe ihn irgendwann gebeten „es zu beenden“. Was genau Elena damit meinte, ist unklar. Manfred H. erklärte aber, dass er es als Aufforderung verstanden habe, ihr beim Sterben zu helfen. Er habe das Mädchen daraufhin gefesselt, ihr die Atemwege zugeklebt und ihr den Hals zugedrückt. Elena starb in seinem Bett.

Mord oder Beihilfe zum Suizid?

Ist das, was sich an dem Abend zwischen Elena und Manfred H. abspielte als Mord oder als Beihilfe zum Suizid zu werten? Hat Manfred H. absichtlich keine Hilfe geholt? Wollte Elena wirklich sterben oder wurde sie dazu gedrängt? Zumindest aus Sicht der Staatsanwaltschaft wollte Manfred H. Elena töten, weil er es nicht mehr ertragen konnte, dass Elena mit anderen Männern zusammen war, während er sie nicht haben konnte. Oder ist es so, wie die Verteidigung sagt? Hat Elena vorher mit Manfred H. abgesprochen, dass er nachhelfen soll, falls die Tabletten nicht wirken? 

Die Geschworenen stimmten 8:0 dafür, Manfred H. wegen Mordes zu verurteilen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Es wurde Rechtsmittel beantragt und Berufung eingelegt. 

Hier finden Sie Hilfe in schwierigen Situationen

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Hier finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

  • Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.
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