Marius Müller-Westernhagen will nach Echo-Eklat seine Auszeichnungen zurückgeben

"Peinliche Vorkommnisse": Marius Müller-Westernhagen gibt Echos zurück
Westernhagen bei einem Auftritt in München © imago/Plusphoto, SpotOn

Nach Debatte um Rapper

Die Echo-Debatte schlägt weiterhin hohe Wellen: Nachdem sich zahlreiche Künstler, Prominente und Politiker wie Tote-Hosen-Frontmann Campino (55) oder Außenminister Heiko Maas (51) kritisch über den Musikpreis und die Auszeichnung der Rapper Farid Bang (31) und Kollegah (33) geäußert haben, haben mittlerweile mehrere Musiker angekündigt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen - darunter jetzt auch der deutsche Rockstar Marius Müller-Westernhagen (69, "Freiheit").

"Mit großem Interesse habe ich von Südafrika aus die peinlichen Vorkommnisse bei der diesjährigen ECHO-Verleihung und die darauf entstandene Debatte verfolgt", schreibt Westernhagen auf seinem Facebook-Profil und geht nicht nur mit dem Preis, sondern auch mit der gesamten Musikindustrie hart in Gericht. "Die Verherrlichung von Erfolg und Popularität um jeden Preis demotiviert die Kreativen und nimmt dem künstlerischen Anspruch die Luft zum Atmen". Eine "neue Stufe der Verrohung" sei erreicht.

Farid Bang und Kollegah keine Antisemiten?

"Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem Echo ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind. Sie sind einfach erschreckend ignorant. Money makes the world go round", schreibt Westernhagen weiter. Farid Bang und Kollegah gewannen den Echo in der Kategorie "Hip-Hop/Urban National", obwohl einzelne Textstellen der Rapper als antisemitisch gewertet werden. So heißt es in einer Textzeile des Albums "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" etwa: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Der Ethikrat beschäftigte sich zwar damit, gab am Ende aber grünes Licht. Für Westernhagen sei es "lächerlich", sich "hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen", denn "Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm."

Weiter bezeichnet er die Musikindustrie als "skrupellos und korrupt", weil diese "ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet". Kulturell sei der Echo ohnehin noch nie relevant gewesen.

Zurück an den Absender

Nun wolle Westernhagen sich seinem Kollegen Klaus Voormann (79) anschließen und alle seine Echos zurückgeben. "Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen", schließt Westernhagen seinen Eintrag. Voormann war 2018 für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden und hatte kürzlich erklärt, dass er den Preis zurückgeben werde. Westernhagen war im vergangenen Jahr für sein Lebenswerk geehrt worden und hatte in den vorangegangenen Jahren insgesamt sechs weitere Echos gewonnen.

Weitere Künstler hatten in den vergangenen Stunden ebenfalls erklärt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen - darunter Dirigent Enoch zu Guttenberg (71), Pianist Igor Levit (31) und das Notos Quartett. Peter Maffay (68, "Nessaja") hatte unterdessen auf Facebook den Rücktritt der Verantwortlichen gefordert. An ihre Stelle sollten "glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren" treten.

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