Marijke Amado: "Im TV war nicht alles Gold, was glänzt"

Marijke Amado
TV-Moderatorin Marijke Amado (65) © picture alliance / Eventpress/Sc, Eventpress/Stephan Schraps

Sie hatte die Zauberkugel, aber ihre TV-Anfänge waren nicht gerade zauberhaft...

Mit der "Mini Playback Show" wurde Marijke Amado (65) in den 90ern zur Kult-Moderatorin. Jetzt ist die Niederländerin auch unter die Autoren gegangen. In ihrem neuen Buch "Frauen in den Medien: Immer schön gelassen bleiben" (erscheint am 3. Mai) lässt sie ihre 40-jährige Fernseh-Karriere Revue passieren. Ihren ersten Job hatte sie 1978 in der Show "Am laufenden Band" unter Show-Legende Rudi Carrell (†71). Über ihre harten Anfänge im Business schreibt Amado: "Alle hatten wenig Respekt vor denen, die Röcke trugen. In der Probe wurde mir 'frauenfeindlich' mitgeteilt, dass ich bitte nicht mit meinem fetten Arsch in die Kamera laufen sollte. Und Rudi schrie auf Niederländisch noch einiges hinter mir her." Starker Tobak. Im RTL.de-Interview erzählt Marijke Amado wie sie damit umging, wie Rudi Carrell wirklich war und wie sie es mit Kolleginnen schaffte, den heutigen TV-Frauen, den Weg zu ebnen.  

"Das war der blödeste Job der Welt"

"Es war damals nicht alles Gold, was glänzt", sagt Marijke Amado zu RTL.de. "Man ging nicht charmant mit uns Frauen um, das war der blödeste Job der Welt." Was genau sie meint: "Als ich 1978 angefangen habe, war das Fernsehen im Gegensatz zu heute noch eine richtige Männer-Domäne. Damals gab es keine Kamerafrau, keine Regisseurin oder Regie-Assistentin. Als Assistentinnen waren wir nur Beiwerk. Wir durften nur schieben, tragen und Sachen anbringen. Der damalige Ton uns Frauen gegenüber, wäre heute undenkbar." Amado litt an manchen Tagen schwer darunter: "Abends im Bett (...) sind einige Tränen geflossen", schreibt sie in ihrem Buch.

"Wir Frauen haben dann aber alles verändert", erzählt sie. "Wir haben viel eingesteckt, aber einfach weitergemacht und schlussendlich etwas bewirkt. Meine Botschaft ist, dass wir Fernseh-Frauen bahnbrechende Arbeit geleistet haben." Wäre das, was ihr passiert ist, heute noch denkbar? "Heute wird so etwas vielleicht immer noch passieren – aber mehr im Stillen", meint sie. "Die Männer sind durch die "Me Too"-Affäre vorsichtiger geworden. Aber damals kannten wir nichts anderes. Die Zeit hat mich zum großen Kämpfer gemacht." 

"Rudi, immer schön gelassen bleiben"

Auf ihre gemeinsame Zeit mit Rudi Carrell blickt sie trotz aller Widrigkeiten positiv zurück: "Ich bin Rudi trotz allem aber sehr dankbar. Er war am Ende unserer gemeinsamen Zeit auch viel zugänglicher und netter." Sie lacht: "Und wenn ich Rudi heute eine Botschaft in den Himmel schicken dürfte, würde ich sagen: 'Rudi, immer schön gelassen bleiben.'"

In den letzten Jahren wurde Marijke Amado im deutschen TV schmerzlich vermisst. Könnte sie sich ein Fernseh-Comeback vorstellen? "Ich würde gerne mal mit Frauen meiner Generation eine schöne Talkshow machen, wo wir uns dann etwas erzählen", sagt sie. "Frauen meiner Generation haben ja im TV nichts mehr zu verlieren: Wir sind offen, ehrlich, authentisch und direkt."