"Mamma Mia! Here we go again": Cher ist auch mit von der Partie

"Mamma Mia - Here we go again" - Kinotrailer
02:26 Min "Mamma Mia - Here we go again" - Kinotrailer

S.O.S., das ABBA-Musical geht in die zweite Runde!

Von Mireilla Zirpins

Zehn Jahre sind vergangen seit dem Überraschungserfolg der etwas trashigen, aber herzigen Musicalverfilmung "Mamma Mia". Die Fortsetzung erzählt zwar im Prinzip nichts Neues, hat aber dafür mit Lily James, Andy Garcia und Cher noch mehr singende Stars zu bieten. Aber manchmal will man als Zuschauer einfach rufen: "S.O.S.!"

Musical mit anderthalb Dutzend ABBA-Songs

Wir erinnern uns: Blondchen Sophie (Amanda Seyfried) wollte Toyboy Sky (Dominic Cooper) doch noch nicht heiraten und stattdessen die Welt bereisen. Nun ist sie aber doch auf der (fiktiven) Griecheninsel Kalokairi gestrandet und will die Hütte ihrer Mutter Donna (Meryl Streep) zu einem Hotel aufpimpen. Da bekommt Sky ein Jobangebot in New York – ausgerechnet, als Sophie entdeckt, dass sie ein Baby erwartet.

Das war's auch weitgehend, und das ist etwas wenig Drama für einen zwei-Stunden-Film, der auch noch 18 ABBA-Songs unterbringen muss. Und so muss nicht nur einmal ein Sturm über dramaturgische Mängel im Drehbuch hinwegtäuschen und in diesem Fall die Eröffnungsparty ins Wasser fallen lassen.

"Cinderella" trägt jetzt Plateau

Was da hilft? Ein ABBA-Liedchen anstimmen natürlich - und sich auf die Freigeist-Qualitäten besinnen, die einem die eigene Mutter in die Wiege gelegt hat. Und so wird in Rückblenden erzählt, wie die rebellische Mama Donna (in den wilden Siebzigern gespielt von Lily James) nach der Abschlussfeier die Schlaghosen schlackern lässt. Ja, die niedliche Hauptdarstellerin aus "Cinderella“" trägt jetzt Plateau und Polyesteranzug – und kann wesentlich besser singen als Pierce Brosnan und Colin Firth zusammen!

Mit drei Kerlen flirten darf sie auch noch – mit den jungen Versionen von Harry (Hugh Skinner), Sam (Jeremy Irvine) und Bill (Josh Dylan), von denen am ehesten Hugh Skinner mit seiner rockig-exzentrischen Waterloo-Interpretation einen bleibenden Eindruck hinterlässt - eine der gelungeneren Choreografien in den knapp zwei Stunden.

Wie das jetzt genau kam, dass im ersten "Mamma Mia"-Film alle drei Männer Sophies Vater hätten sein können, konnte man sich als aufgeklärter Zuschauer auch so denken. Zum Glück spielt Lily James mit einer bewundernswerten Begeisterung über sämtliche Längen und ihre manchmal unvorteilhaft sitzenden Hüfthosen hinweg. Und sorgt mit ihren knappen Corsagen dafür, dass auch die Begleiter der weiblichen Zielgruppe bei der Stange bleiben.

Glitzer im Blut: Cher als turbogeliftete Großmutter

Die herrlich schrägen und unmusikalischen alten Herren Pierce Brosnan, Stellan Skarsgård und Colin Firth kommen diesmal leider erst kurz vor dem Abspann so richtig in Fahrt. Aber statt Jukebox-Musical soll’s ja diesmal auch ein echter Mutter-Tochter-Film sein. Das ist ein hehrer Anspruch, der leider auf Kosten der Lacher geht.

Und dann sind da ja noch die prominenten Neuzugänge Andy Garcia (steht majestätisch rum, aber am Ende hat noch jeder von ihnen das Singen angefangen) und Cher. Während die meisten ihrer Co-Stars ein paar Fältchen mehr im Gesicht haben als vor zehn Jahren, wirkt Cher (72) nicht nur für die Großmutter, die sie hier mimt, zu glattgebügelt. Sie schaut aus wie eine verjüngte Lady Gaga.

Aber andererseits ist ihre Besetzung nur konsequent. Schließlich trägt sie seit Jahren auf der Bühne ABBA-Gedächtnis-Outfits – glitzernde Polyesteranzüge mit Schlag, so eng wie eine Wurstpelle. Wenn sie im Film sagt, sie habe Glitzer im Blut, ist das eine der glaubhafteren Szenen des Musicals.


Am Ende wippt man doch im Takt der ABBA-Songs

Ja, "Mamma Mia! Here we go again" ist ein Film wie ein Unfall – man kann einfach nicht wegschauen. Trotz aller Fremdscham-Momente wippt man dann doch plötzlich im Takt mit dem Fuß zu "Dancing Queen" oder "Super Trouper". Dass die auch schon im ersten Film verwendet wurden? Egal, die gehen eigentlich immer und machen gute Laune – ein schöner Trost dafür, dass man gerne mehr gelacht hätte.

Für Fans von: "Mamma Mia" und ABBA.