Anti-Monarchie-Bewegung in Großbritannien

Kritische Posterkampagne gegen Prinz Andrew: „Niemand sollte über dem Gesetz stehen“

Prinz Andrew auf einem Plakat einer anti-monarchistischen Kampagne.
Prinz Andrew auf einem Plakat einer anti-monarchistischen Kampagne. © RTL

Prinz Andrew ist gefundenes Fressen für Anti-Monarchisten

In mindestens fünf Orten in Großbritannien hängen Werbetafeln mit dem Gesicht des angeklagten Prinz Andrew (61). Doch neben dem Antlitz des Herzogs von York prangen anti-monarchistische Botschaften, die es in sich haben. Der Skandal um die Missbrauchsklage ist ein gefundenes Fressen für die „#EndTheMonarchy“-Bewegung.

„Niemand sollte über dem Gesetz stehen“

„Gesucht: eine demokratische Alternative zur Monarchie“ steht neben dem Gesicht von Prinz Andrew auf einem Plakat geschrieben. Ein weiteres Werbebild fordert: „Niemand sollte über dem Gesetz stehen“. Prinz Andrew steht aktuell unter Beschuss und wird somit zum gefundenen Fressen für Royal-Kritiker.

Der angeklagte Prinz Andrew wird beschuldigt, versucht zu haben, einer Klage von Virgina Giuffre (38) auszuweichen. Die Anwälte des 61-Jährigen hatten versucht, den Prozessbeginn zu verzögern. Ein Gericht in London entschied aber am Mittwoch (15. September), Andrew die Klage von Giuffre zuzustellen. Die US-Amerikanerin wirft ihm vor, sie als 17-Jährige mehrfach sexuell missbraucht zu haben und verlangt deshalb eine Entschädigung. Andrew bestreitet die Vorwürfe.

Die ordnungsgemäße Zustellung der Klage ist ein Streitpunkt zwischen beiden Seiten. Nach Darstellung von Giuffres Anwälten hatte ein Wachpolizist vor Andrews Anwesen in Windsor die Dokumente im zweiten Anlauf entgegengenommen. Außerdem seien sie per Post geschickt worden. Andrews Verteidiger bezweifelten die Rechtmäßigkeit. Der Londoner High Court bestätigte mit Bezug auf ein internationales Abkommen, er werde Andrew über die Klage informieren.

Wer steckt hinter den Plakaten?

Hinter den Plakaten steckt die antimonarchistische Gruppe „Republic“, die sich mit einer Crowd-Funding-Kampagne für das Ende der Monarchie einsetzt. Das Ziel: Die Monarchie abschaffen und die Queen durch ein gewähltes, demokratisches Staatsoberhaupt ersetzen. Und dafür benutzen sie den Skandal um Prinz Andrew.

Der Chef der Bewegung, Graham Smith, komme laut „The Sun“ zu dem Schluss, dieser Skandal sei das schädlichste, was der Monarchie seit Jahrzehnten widerfahren sei. „Die Botschaft ist klar – er (Prinz Andrew, Anm. d. Red.) zieht die Monarchie durch den Dreck“, sagte er gegenüber „The Sun Online“. „Er denkt, er kann damit durchkommen und sich hinter Polizisten der Londoner Polizeibehörde verstecken, während er in die „Fang mich, wenn du kannst"-Verteidigung geht.“

„Das Gefühl, dass es eine Regel für die einen und eine andere für alle anderen gibt, ist ein grundlegender Punkt von Ungerechtigkeit“, zitiert die Zeitung Smith. Bei Andrew gehe das schon seit zehn Jahren so. „Und seit dieser Zivilprozess gestartet ist, wird es für ihn immer schlimmer.“ Andrew riskiere auch, den Ruf von Königin Elizabeth II. zu schädigen, wenn er sich weiterhin „hinter ihrer Sicherheit und in ihrem Zuhause verstecke“, so Smith.

Klage steht im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein

Die Klage gegen Prinz Andrew steht in Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal um den verurteilten Sexualstraftäter und US-Multimillionär Jeffrey Epstein, der sich 2019 im Gefängnis das Leben nahm. Prinz Andrew war mehrfach Übernachtungsgast bei Epstein in dessen Anwesen in den USA und der Karibik. Epstein und dessen Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell, die derzeit in einem New Yorker Gefängnis auf ihren Prozess wartet, sollen jahrelang Dutzende Mädchen und junge Frauen in ihre Abhängigkeit gebracht und sexuell missbraucht sowie anderen Männern zugeführt haben. Maxwell hat hinsichtlich der Anklage auf nicht schuldig plädiert. (DPA/rla)