Knaller-Story mit kleinen Schwächen „I Am Mother“ - ein Roboter als Mama

Ein Roboter als Mama - Filmkritik "I am Mother"
01:47 Min Ein Roboter als Mama - Filmkritik "I am Mother"

von Mireilla Zirpins

Was für eine Wahnsinns-Zukunftsvision! Nach der Auslöschung der Menschheit will ein Roboter mit verdammt menschlichen Zügen in einem Hochsicherheitstrakt ein Retorten-Kind zu einem perfekten Menschen großziehen. Doch als Teenager stellt die Tochter (gespielt von Newcomerin Clara Rugaard) fest, dass es draußen mindestens noch einen Menschen (verkörpert von der zweifachen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank) gibt. Eine Knaller-Story, die von uns aber Abzüge in der B-Note bekommt. Warum? Das verraten wir in unserer Video-Kurzkritik - knapp zwei Stunden Film in anderthalb Minuten.

Ideale Mutter-Tochter-Beziehung - bis zum Showdown

Die Idee ist einfach faszinierend: Auf der dystopisch entvölkerten Erde zieht ein Android ein Retorten-Baby auf, und diese Mutter-Kind-Beziehung wirkt so sanft und innig, dass man richtig Gänsehaut bekommt. Denn diese Kindheit im Forschungsbunker läuft unter Idealbedingungen ab: Eine 1:1-Betreuung durch einen Erziehungsberechtigten, der fast immer Zeit hat. Der mit Wärme, Licht und einem ganzen Repertoire an Schlaflieder arbeitet. Immer basteln will, nie aufzubrausen scheint. Naja, zumindest solange die Tochter halbwegs gehorsam ist. Doch dann kommt sie in die Pubertät und stellt unangenehme Fragen ...

Nicht umsonst heißt der Android bei Regisseur Grant Sputore („Castaway“) „Mother" - eine Anspielung auf den Bordcomputer in Ridley Scotts „Alien“. Und hat ein einziges großes Auge und eine aufgesetzt freundliche Stimme wie die böse künstliche Intelligenz „HAL9000“ in Stanley Kubricks „2001 - Odysse im Weltall“. Die treffsichere Vertonung von Rose Byrne im Original beziehungsweise die von Laura Maire in der deutschen Sprachfassung verleiht „Mother“, wie die Maschine hier nur heißt, eine verstörende Sanftheit. Es ist einfach herrlich, wie „Mutter“ seelenruhig genau das Programm abspult, das uns Erziehungsratgeber von Jesper Juul & Co vorschlagen, wir aber in den stressigen Momenten so oft nicht parat haben: „Du bist empört,Tochter. Das verstehe ich ...“ 

„Mutter“ ist übrigens keineswegs komplett am Rechner mit CGI-Effekten erstellt, sondern mit einem echten Robotersuit gedreht. Also nicht wundern, wenn neben Clara Rugaard, Hilary Swank und Rose Byrne noch ein vierter Name im Abspann auftaucht. Luke Hawker ist der Special-Effects-Mitarbeiter, der im Automaten-Anzug steckte. Er ist dafür verantwortlich, dass sich der Bulldozer“ mit den sanften Händen so eindrucksvoll bewegt. Das wollen Sie selbst sehen? Schauen Sie unsere Videokritik. Film ab!