Jochen Schropp feiert sein Coming-out

Seine Kindheit bestand aus Mobbing

Mit einem nicht alltäglichen Schritt hat sich TV-Moderator Jochen Schropp (39) als homosexuell geoutet. Der 39-Jährige feiert sein Coming-out per Brief, den er der Zeitschrift "stern" zukommen ließ. 

"Ich solle drüberstehen, ich sei ja nicht schwul"

"Warum erzählt er uns das jetzt?", stellt Schropp gleich zu Beginn die Frage, die sich viele Menschen stellen könnten - die Antwort darauf liefert er prompt: "Diese Zeilen sollen nicht um mein persönliches Outing gehen, sondern darüber, wie wichtig ich es finde, Leute, die anders sind als man selbst, zu verstehen und Andersartigkeit als selbstverständlich anzusehen".

In der Schule sei er oft gemobbt worden, von den eigenen Eltern bekam er zweifelhaften Trost: "Ich solle drüberstehen, ich sei ja nicht schwul. Ich werfe das meinen Eltern nicht vor, sicher waren sie selbst überfordert damit, mich zu beruhigen." Nach seinem Outing gegenüber den Eltern habe seine Mutter "dann Selbsthilfebücher gelesen, von anderen Müttern mit schwulen Söhnen - was ja auch schon krass ist, dass es zu dem Thema Selbsthilfebücher gibt!"

Erst als Austauschschüler in den USA hatte er vollauf das Gefühl, sich selbst verwirklichen zu dürfen - "Ich war der vollends integrierte deutsche Austauschschüler, der sich endlich gefunden hatte."

Seine Sexualität als Schimpfwort

Zwar wüssten seine Freunde und auch die Kollegen von seiner Homosexualität, dennoch wurde er auch von ihnen mit einem Sachverhalt konfrontiert, der ihn massiv schockiert: "Homophobe Sprüche werden immer wieder gemacht, oft ohne Hintergedanken. 'Boah, ist das schwul' - diesen Satz habe ich von Menschen gehört, die mir nahe sind." Und Schropp ist sich sicher, dass "schwul" wohl "immer noch das meistverbreitete Schimpfwort" an deutschen Schulen sei.

Auch im Jahr 2018 sei es ihm daher nicht leichtgefallen, diesen wichtigen Schritt zu wagen: "Ich gestehe: Ich wurde in den letzten Jahren immer wieder von Angst getrieben." Eigentlich wollte er sich schon vor mehreren Jahren outen, hat dann aber "kalte Füße bekommen". Einzig ausgewählten Menschen sowie seiner Familie habe er daher bislang davon erzählt, doch das sollte sich nun ändern: "Ich werde dieses Jahr 40. Und ich will mich nicht mehr verstecken."

Man riet ihm davon ab

Im anschließenden Interview mit dem "stern" offenbart Schropp dann auch, dass ihm seine ehemalige Schauspielagentur vom Coming-Out abgeraten hatte: "Ich bin halt kein Charakterdarsteller, sondern eher auf den Schwiegersohn oder den Herzensbrecher abonniert" - und diese Parts würde er als öffentlich Schwuler eben nicht mehr bekommen, so seine Agentur.

Nun erhoffe sich Schropp vor allem zwei Dinge von seinem Brief: Zuspruch und das Verständnis, dass er sich mit seinem Outing nicht billige Aufmerksamkeit erkaufen will. Vor den Kommentaren in den sozialen Netzwerken habe er aber noch etwas Bammel und sei sich nicht sicher, inwiefern er sie sich zu Gemüte führen wird. "Sie können mir glauben, dass mir, entschuldigen Sie, mein Arsch auf Grundeis gehen wird, sobald diese Ausgabe in den Druck geht."

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