Harvey Weinstein ist überall: Wir müssen jetzt hinschauen, bis keine Frau mehr Angst vor Grabschern haben muss!

Harvey Weinstein bei einem Event im Jahr 2016
Harvey Weinstein bei einem Event im Jahr 2016 © REUTERS, Andrew Kelly, AK/TS/HK

Ein Kommentar von Helena Kaufmann

Eine Frau darf sich nicht machtlos fühlen, weil ein Mann seine Macht missbraucht. Egal ob in Hollywood, im Büro, an der Supermarktkasse, in der U-Bahn, Fußgängerzone oder im Schwimmbad. Sexismus, physischer und vor allem psychischer Missbrauch findet überall statt. Jeden Tag. Und es passiert wieder und wieder und wieder …

Nach dem Aufdecken des Skandals: Weitermachen statt unerträglicher Stille nach dem Aufschrei

Die einzelnen Schicksale der betroffenen Frauen brodeln wie ein Vulkan, der nur darauf wartet, an die Oberfläche zu treten und zu speien. Eine Frau hat den Anfang gemacht und andere ermutigt, ihre Geschichten mit der Öffentlichkeit zu teilen und den Missbrauch zu beenden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das bildliche Szenario in dieser Sexismus-Debatte weitergehen kann. Entweder es folgt, wie so oft, die unerträgliche Stille nach dem Aufschrei. Oder wir schauen hin und hören nicht auf damit - bis wir da angekommen sind, dass Frauen keine Angst haben müssen, täglich begrapscht und unterdrückt zu werden.

Weinstein ist nur der Aufhänger: Auch viele Nicht-Promis haben ihre Weinstein-Brüderle-Trump-Cosby-Story

Oktober 2017. Zig Frauen klagen an, von einem millionenschweren Film-Boss missbraucht, gar vergewaltigt worden zu sein. Dieser Text soll nicht von dem Mann handeln, der nach all den Geschichten sich als Opfer darstellt. Dessen Tochter die Polizei ruft, weil er suizidal sein soll. Der Widerling, der sich in Therapie begibt, weil er erkannt haben will, dass er ein schwerwiegendes Problem hat. Ja, er ist krank. Ein kranker Verbrecher, der von Menschen in seinem Umfeld unterstützt wurde, weil er mächtig ist. Die, die unter ihm litten, schwiegen, weil sie Angst hatten, niemand würde ihnen glauben und er würde ihre Karriere mit einem Fingerschnips beenden. Und die, die davon hörten oder es sogar sahen, taten nichts, weil sie von ihm gekauft wurden oder dasselbe befürchteten wie die betroffenen Opfer.

Weinstein ist nur der Aufhänger für diesen Text. Der Auslöser, der das sukzessive Auftreten dieser Machtdemonstration in einer patriarchal perversen Welt, in der wir immer noch leben, untermauert. Das Onanieren in Anwesenheit unschuldiger Frauen, die nicht um dieses Bild gebeten haben. Der vermeintlich zufällige Grapscher, der weggelächelt wird, der unangebrachte Kommentar, der nicht so gemeint sein sollte. Das ist nicht nur den Schauspielerinnen in Hollywood in einem Hotelzimmer mit Harvey Weinstein passiert. Es ist der Autorin dieser Zeilen passiert. Mehrfach. Und es passiert täglich so vielen anderen Frauen.

Dass Sexismus nur die wenigsten betrifft, ist eine realitätsferne Lüge, denn so viele Frauen haben ihre eigene Weinstein-Brüderle-Trump-Cosby-Story.