Heftiger Rückfall in die Abhängigkeit

Große Herausforderung für GZSZ-Star Jan Kittmann: Tobias' Spielsucht ist ein Auf und Ab

Für Jan Kittmann ist die Story eine große Herausforderung
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Für Jan Kittmann ist die Story eine große Herausforderung

Eigentlich hatte Tobias Evers gehofft, das düstere Kapitel seiner Vergangenheit niemals mehr anrühren zu müssen. Doch nach seiner Trennung von Katrin Flemming verliert der Bauleiter jegliche Kontrolle und rutscht in sein altes Laster ab: die Spielsucht. Ein Teufelskreis, aus dem Tobias aus eigener Kraft nicht rauszukommen scheint. Auch für GZSZ-Schauspieler Jan Kittmann, der den Spielsüchtigen verkörpert, eine echte Herausforderung. Oben im Video erklärt er, was ihn an der Geschichte besonders reizt und warum auch er dabei viel Neues lernt.

Im Video: Katrin ahnt nichts von Tobias' Spielsucht

Katrin ahnt nichts von Tobias' Rückfall
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Katrin ahnt nichts von Tobias' Rückfall

GZSZ-Schauspieler Jan Kittmann: Tobias in der Gefühlsachterbahn

Wie geht es deiner Rolle Tobias? Was erlebt er gerade bei GZSZ?
„Als außenstehender Beobachter würde ich sagen, es geht Tobias gerade wesentlich schlechter, als er es sich selbst eingestehen würde. Er hat in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Tiefschlägen hinnehmen müssen. Die meisten drehten sich natürlich um seine große Liebe Katrin Flemming, von der er sich wegen zu großer Differenzen getrennt hat. Beruflich ist Katrin jedoch nach wie vor seine Chefin und das bietet eine Menge Zündstoff, der sich oft in Streit, aber auch schon mal in Sex entlädt. Tiefschläge hätte er normalerweise weggesteckt und weitergemacht, wurde aber zum perfekten falschen Zeitpunkt getriggert und es erwacht in ihm eine seit vielen Jahren schlummernde selbstzerstörerische Gefahr. Tobias erleidet einen heftigen Rückfall in seine vor vielen Jahren bewältigt geglaubte Glücksspielsucht. Plötzlich befindet er sich in der krankheitstypischen Gefühlsachterbahn und einem unaufhaltbaren Abwärtsstrudel, indem er alle Menschen, die ihm wichtig sind, von sich stößt.“

Wie kam es denn überhaupt dazu?
„Da Tobias als Teenager schon einmal knapp einer Glücksspielsucht entkam, ist er sich eigentlich seiner Suchtgefahr bewusst und konnte damit bis jetzt sehr gut umgehen. Doch ausgerechnet sein bester Freund Michi, gibt – ohne zu wissen, was es in Tobias auslöst – den ersten Anstoß, indem er ihm eine vermeintlich harmlose Darts-Wette aufschwatzt. Spätestens als die beiden dann noch zufällig ausgerechnet in einem Wettbüro anhalten müssen, brechen bei Tobias die Siegel. Direkt nach dem nächsten Nackenschlag, den er bei W&L einstecken muss, findet er sich plötzlich wie automatisch in eben diesem Wettbüro wieder …“

Gespräche mit Betroffenen haben Jan Kittmann geholfen

Wie hast du dich auf diese Szenen und Geschichte vorbereitet?
„Zunächst habe ich mich sehr gefreut, dass ich diese tolle spielerische Herausforderung gestellt bekomme, hatte jedoch auch großen Respekt davor. Suchterkrankungen und Zwänge fordern SchauspielerInnen einiges ab, wenn man vorhat es authentisch darzustellen. Menschen, die an einer Sucht erkranken, handeln nicht rational oder logisch, ihre Impulskontrolle und Gefühlsregulation sind gestört. Das heißt, sie können den Impuls zum Spielen nicht mehr kontrollieren und richten zunehmend ihr ganzes Leben darauf aus. Dieses innere Gefühlschaos der Betroffenen lässt sich schwer nachvollziehen, geschweige denn nachempfinden, wenn man es nicht selbst durchgemacht hat. Ich habe zunächst versucht, mich theoretisch mit Artikeln und Dokumentationen dem Thema zu nähern, wobei hier am hilfreichsten Berichte ehemaliger Betroffener waren, die rückblickend über ihre Erkrankung erzählt haben. Außerdem hatte ich das Glück, dass mir einige Betroffene in verschiedenen Gesprächen einen Einblick verschafft haben. Und dann habe ich mich mit viel Respekt auf die Reise begeben, die Tobias wie eine Achterbahn durchschüttelt.“

Tobias (gespielt von Jan Kittmann) fühlt sich alleine - und fällt in seine Spielsucht zurück.
Tobias (gespielt von Jan Kittmann) fühlt sich alleine - und fällt in seine Spielsucht zurück. © RTL, Rolf Baumgartner

Mögliche Wege aus der Spielsucht

Hast du Ähnliches im privaten Umfeld erlebt?
„Zum Glück nicht! Dachte ich zumindest. Als wir dann anfingen, Tobias' Suchterkrankung zu drehen, gab es einige, die mir von glücksspielsüchtigen Bekannten erzählten oder sogar, dass sie selbst mal betroffen waren.“

Was rätst du Betroffenen?
„Leider habe ich durch meine Recherche gelernt, dass es unglaublich schwer ist, jemandem, der an Spielsucht erkrankt ist, mit einem Rat zu helfen. Wie bei allen Süchten, hindert die Krankheit die Betroffenen daran, die Situation richtig einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen oder Hilfe anzunehmen. So stoßen Süchtige in der Regel alle Menschen, die ihnen helfen wollen, von sich und behaupten alles im Griff zu haben oder lügen, um weitermachen zu können. Außerdem bleiben die meisten Süchte jahrelang für das Umfeld unerkannt. Der beste Weg aus der Sucht ist meiner Meinung nach eine Therapie in einer Klinik, die darauf spezialisiert ist. Am besten stationär und keine Tagesklinik. Dort wird – wie unter einer Glasglocke ohne triggernde Einflüsse von außen – den Erkrankten geholfen, sich nach Bewältigung der Entzugserscheinungen dem komplizierten Leben außerhalb der Klinik stellen, wo die Verlockung allgegenwärtig ist.“

Jan Kittmann hatte vorher "wenig Verständnis" für Spielsuchterkrankte

Warum ist es wichtig, Spielsucht am Vorabend in einer Serie zu thematisieren?
„Ich halte es für einen unglaublich effektiven Weg, um auf eine Suchterkrankung hinzuweisen und es gibt keine, bei der es nicht nötig wäre, sie auf diesem Wege zu thematisieren. GZSZ ist durch Erfolg und Reichweite natürlich perfekt dafür geeignet. Es ist zum einen spannend, mit den Charakteren mitzufiebern, wenn sie in Abgründe stürzen und nicht klar ist, ob und wie sie da wieder herauskommen. Zum anderen liegt darin die Chance, wenn es unter den ZuschauerInnen Betroffene oder Angehörige gibt, ihnen einen Ausweg aufzeigen zu können. Warum gerade Spielsucht: weil es so unsichtbar ist! Mir fiel auf, dass die Angehörigen von Glücksspielsuchterkrankten immer davon sprachen, dass es niemand mitbekommen hat – obwohl sie zumeist im engsten Freundes- oder Verwandtenkreis waren. Das Bewusstsein für diese Krankheit und deren fatale Folgen ist in der Gesellschaft noch nicht wirklich vorhanden. Ich gestehe, dass ich Glücksspielsucht zuvor auch eher bagatellisiert habe oder wenig Verständnis für Erkrankte hatte – vielleicht auch, weil ich persönlich keine kannte. Umso größer ist meine Hoffnung, dass wir hiermit einen nachhaltigen Beitrag in der Aufklärungsarbeit um die Spielsucht leisten können.“

Katrin (gespielt von Ulrike Frank) und Tobias (gespielt von Jan Kittmann)
Bei Katrin (gespielt von Ulrike Frank) und Tobias (gespielt von Jan Kittmann) läuft's aktuell gar nicht rund. © RTL / Rolf Baumgartner

Jan Kittmann: "Wünsche mir, dass er den Absprung schafft"

Wie sind die ersten Reaktionen der Zuschauenden?
„Die ersten Reaktionen waren reichhaltig und natürlich wieder so unterschiedlich wie die Menschen eben sind. Es gab natürlich ZuschauerInnen, die absolut entsetzt sind und überhaupt kein Verständnis für Tobias‘ Verhalten aufbringen können und glauben, es sei ein Zeichen von Schwäche. Es gab aber auch ZuschauerInnen, die ihr Mitgefühl für Tobias zum Ausdruck brachten. Am besten fand ich persönlich die Reaktionen ehemaliger Glücksspielsüchtiger, die sehr dankbar darüber sind, dass wir bei GZSZ diese Thematik aufgreifen und über die schon ausgestrahlten Folgen gesagt haben, dass es sehr gut wiedergegeben wird.“

Was ist zur Unterstützung Betroffener geplant?
„Neben dem Bereitstellen verschiedener Informations- und Beratungsquellen, mit denen sowohl Betroffenen als auch Angehörigen geholfen werden kann, planen wir auch noch Live-Talkrunden, in denen ich u. a. mit SuchtberaterInnen spreche und unsere ZuschauerInnen die Möglichkeit bekommen Fragen zu stellen.“

Was wünschst du deiner Rolle?
„Ich wünsche mir natürlich, dass Tobias den Absprung schafft und wir mit der Geschichte auch Betroffenen helfen können.“

Sie sind betroffen? Dann finden Sie hier Hilfe bei Glücksspielsucht

Hilfetelefon Glücksspielsucht: 0800 077 66 11. Der Anruf ist kostenfrei und anonym, die Beratung und Vermittlung erfolgt bundesweit.

Weitere Infos zum Thema Glücksspielsucht und Hilfsangebote finden Sie hier: www.gluecksspielsucht-nrw.de

GZSZ jederzeit auf RTL+ sehen

Wenn Sie jetzt schon sehen wollen, wie es mit Tobias weiter geht, werden sie auf RTL+ fündig: Hier gibt’s neue GZSZ-Folgen nämlich schon sieben Tage vor TV-Ausstrahlung. (ngu)

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