'Gold' in der Filmkritik: Matthew McConaughey stiehlt allen die Show

"Gold" mit Matthew McConaughey: Es reicht nur für Bronze
Kenny Wells (Matthew McConaughey) setzt seinen letzten Cent auf einen Wunschtraum © Studiocanal, SpotOn
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Vom "Syriana"-Regisseur Stephen Gaghan

Keine Frage, würde es für den Mut einen Oscar geben, sich für eine Rolle in möglichst unvorteilhafte Schale zu werfen - Matthew McConaughey dürfte sich über einen zweiten Goldjungen freuen. Doch auch wenn der Mann, der sich in den vergangenen Jahren vom Saulus zum Paulus der Kinolandschaft wandelte, im neuen Film von Stephen Gaghan sein gesamtes Schauspiel-Repertoire aufbietet: In "Gold" ist leider trotzdem nicht alles Gold, was glänzt...

Das Streben nach Glück - und Gold

Sowohl Kenny Wells (McConaughey), als auch seine geerbte Washoe Mining Corporation haben bessere Tage gesehen. Es ist das Jahr 1988 und das einst erfolgreiche Bergbau-Unternehmen seines Vaters steht kurz vor dem Bankrott. So auch der abgehalfterte Wells, der seine Sorgen Tag für Tag im Alkohol ertränkt. Doch in seiner zusehends kahler werdenden Birne geistert ein nicht totzukriegender Wunschtraum: als Glücksritter im indonesischen Dschungel einen überwältigenden Goldschatz aus der Erde ziehen, den zahlreichen Kritikern endlich eins auszuwischen.

Und tatsächlich: Gemeinsam mit dem nicht minder verzweifelten Geologen Michael Acosta (Edgar Ramirez) und den letzten Cents in seiner Tasche stellt Wells ein Team auf die Beine, das nach Gold im erbarmungslosen Urwald Indonesiens buddelt. Weder vom Klima, noch von der Malaria lässt sich der zielstrebige Goldgräber Wells aufhalten. Bis er und Acosta scheinbar wirklich auf einen Schatz tief im Erdreich gestoßen sind, der über Nacht die gesamte Börse auf den Kopf stellt - und die unzähligen Kritiker von zuvor durch ebenso viele Neider ersetzt.

The Wolf of Indonesia

Lange braucht der Zuschauer nicht, ehe er im Streben von McConaugheys Kenny Wells jenes von Martin Scorseses "Wolf of Wall Street" entdeckt. Die Geschichte des kleinen Fisches, der sich ihm Haifischbecken behaupten will, ist nicht neu, aber immer wieder spannend. Wer drückt dem hoffnungslosen Underdog nicht gerne die Daumen? Doch genau wie in "The Wolf of Wall Street" hat es einen Preis, von ganz unten nach ganz oben schwimmen zu wollen. Und dieser Preis ist nicht selten die eigene Menschlichkeit.

Kein Wunder also, dass die Gesetze der Schwerkraft ab der Halbzeit des Films hoffnungslos auf Wells einprügeln: Je höher er fliegt, desto tiefer fällt er. "Gold" scheitert aber oftmals daran, dem Zuschauer diese Höhen und Tiefen auch stimmig zu erklären. Bei "Wolf of Wall Street" gehörte das noch dazu, kam als Kritik an der undurchsichtigen Börsenwelt daher. Bei "Gold" fühlt es sich eher als Versäumnis an, denn als Gesellschaftskritik.

Goldreife One-Man-Show

McConaugheys Darbietung des schmierigen, hyperaktiven und meistens rotzbesoffenen Kenny Wells alleine ist es wert, "Gold" trotz dieser Unzulänglichkeiten eine Chance zu geben. An der Grenze der Selbstaufgabe spielt sich der Mime wund, präsentiert Plauze, Platte und überzeugende Gefühlsausbrüche. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt eben. Für eine ähnliche Bereitschaft, sich einer Rolle zu verschreiben, gab es bei "Dallas Buyers Club" einen Oscar für ihn. Die rasante Achterbahnfahrt, die sich Kenny Wells' Leben schimpft, kann zu jeder Zeit an McConaugheys feinen Minenspiel abgelesen werden. Einen weiteren Goldjungen wird es dafür aber dennoch nicht geben.

Warum aber will über weitere Strecken des Films keine Chemie zwischen den namhaften Mitgliedern des Casts aufkommen? Vielleicht, weil McConaughey mit seiner eindringlichen Performance den Kollegen jedweden Raum zur Entfaltung nimmt. "Gold" ist das Paradebeispiel einer One-Man-Show. Die Nebendarsteller dienen hingegen nur als bloßes Beiwerk, als Accessoire, um McConaugheys Performance nur noch mehr in den Vordergrund zu heben. Eine Ausnahme stellt vereinzelt Edgar Ramirez als sein (im Film) gleichwertiger Partner Michael Acosta dar. Von gleichwertigen Partnern vor der Kamera kann bei den beiden aber keine Rede sein.

Von "Wolf of Wall Street", der in der Gesamtheit gesehen definitiv der bessere Film ist, sondert sich "Gold" aber auf erfrischende Art und Weise ab. Ja, in beiden strebt ein Mann mit zuweilen sehr fragwürdigen Mitteln nach dem großen Wurf. Doch nimmt "Gold" frühzeitig eine andere Abzweigung und macht aus Wells nie den Antagonisten der Geschichte. So daneben er sich auch benehmen mag, wenn er zu tief ins Glas geschaut hat - also ständig - irgendwie würde man es ihm trotzdem gönnen, am Ende als der lachende Gewinner aus der Geschichte hervorzugehen. "Ist Kenny Wells ein Dummkopf oder ein Mastermind?", wundern sich an einer Stelle des Films zwei Moderatoren. Am Ende des Films ist er auf schräge Art und Weise beides.

Fazit:

"Gold" macht es den Kinogängern nicht einfach. Einem etwas langatmigen, verworrenen Einstieg wird ein glänzend aufgelegter McConaughey entgegengestellt. Einer, der seinen Co-Stars im wahrsten Sinne des Wortes die Show stiehlt. Wer ein ähnliches abgedrehtes Gag-Feuerwerk wie bei "Wolf of Wall Street" erwartet, wird enttäuscht. Sehenswert ist "Gold" aber trotz einiger Versäumnisse allemal.

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