'Get the F*ck out of my House': "Big Brother extrem" oder "Mehr Fremdscham geht nicht"?

'Get the F*ck out of my House': Bei der neuen Reality-Show auf ProSieben sind Konflikte programmiert.
100 Kandidaten auf knapp 100 Quadratmetern: Bei 'Get the F*ck out of my House' ist Gruppenkuscheln angesagt, ob man will oder nicht. © ProSieben, Willi Weber

100 Menschen auf 116 Quadratmetern: 'Get the F*ck out of my House' ist die krasseste TV-WG überhaupt

Von Leonie Krebber

Knapp 1,6 Millionen Zuschauer haben auf ProSieben den Start der neuen Reality-Show 'Get the F*ck out of my House' verfolgt. Wir haben uns "Big Brother extrem" oder wohl eher "Mehr Fremdscham geht nicht" auch mal angeschaut und festgestellt: Das Prinzip ist – ebenso wie der Großteil der Bewohner – erstaunlich einfach. 100 Menschen ziehen für vier Wochen in ein knapp 100 Quadratmeter kleines Einfamilienhaus. Schlafmöglichkeiten, Nahrung und Waschgelegenheiten sind Mangelware. Das Geschehen wird 24 Stunden von Kameras begleitet – und zwar überall im Haus. Privatsphäre und Ruhe: Fehlanzeige. Die von Thore Schölermann und Jana Julie Kilka moderierte Show will Kandidaten an ihre Grenzen treiben und serviert den Zuschauern niedrigste menschliche Instinkte auf dem Silbertablett. Wer den Extrembedingungen trotzt und das Haus als Letzter verlässt, gewinnt 100.000 Euro. Für die Kandidaten offenbar Ansporn genug, jegliche Menschenwürde aufzugeben. Denn genau das war bereits in der ersten Folge der Reality-Show zu beobachten.

Ready, Set, Quetsch!

'Get the F*ck out of my House': "Big Brother extrem" oder "Mehr Fremdscham geht nicht"?
Schon der Einzug ins Haus ist ein reines Chaos. Wer da nicht das Motto "Ellenbogen raus und los'" verfolgt, hat schon verloren. © ProSieben, Willi Weber

Noch bevor das eigentliche Spektakel losgeht, gibt's erste Konflikte. Vor dem Haus beginnt ein wildes Wettquetschen um Plätze in der ersten Reihe. Denn wer schnell ist, hat eine Chance auf die begehrten Schlafplätze im Haus. Da wird gequetscht, was das Zeug hält – im Haus angekommen, geht die Rauferei weiter: Es wird sich um Kissen gekloppt, Schränke nach nützlichen Gegenständen durchforstest und gebunkert, was geht. 'Survival of the Fittest' neu interpretiert. Während junge Teilnehmerinnen sich auf Bett und Couch räkeln und ihren Lippenstift nachziehen, hat ein 82-jähriger Rentner eines der bitteren Lose gezogen, auf dem blanken Boden schlafen zu müssen. Immerhin gibt es ein paar Gutmenschen unter den 100, die merken, dass das zu weit geht. Sie beschließen, eine hart erkämpfte Matratze abzudrücken.

Kein Platz, keine Privatsphäre, aber massig Konflikte

'Get the F*ck out of my House': "Big Brother extrem" oder "Mehr Fremdscham geht nicht"?
Thore Schölermann und Freundin Jana Julie Kilka moderieren 'Get the F*ck out of my House' und erinnern die Teilnehmer an das Gewinner-Preisgeld. © ProSieben, Willi Weber

Doch es sind die wenigsten, die für das Gemeinschaftswohl etwas von ihrem hart erkämpften Hab und Gut opfern möchten. Zum Beispiel Kandidatin Beatrice, die sich weigert, ihren Couch-Platz zu teilen und sich damit mit Lichtgeschwindigkeit auf die unbeliebte Abschussliste befördert. Ein zuvor gewählter "Hausboss" entscheidet am Ende einer Woche, welche und wie viele Kandidaten das Haus verlassen müssen. Demnach haben Einzelkämpfer in diesem Format keine Chance. Wäre ja auch viel zu langweilig, wenn jeder sein eigenes Ding durchziehen würde. Die Show setzt geradezu darauf, dass Konflikte entstehen. Und unter diesen Umständen ist das gar kein Problem! So fällt von Geisterhand die Türklinke zum WC mitten in der Nacht ab. Doof nur, dass nachts, ähnlich wie im Gefängnis, das Licht ausgeschaltet wird. Da gestaltet sich das Reparieren durchaus schwierig. Unter lautem Klackern und den Protesten der zu schlafen versuchenden Menschenmasse gelingt es schließlich ein paar Hobby-Handwerkern, den beliebtesten Ort des Hauses wieder zugänglich zu machen. Dann kann das fröhliche Schlangestehen vorm stillen Örtchen ja weitergehen. Wie es in diesem Haus riechen muss – wir wollen es uns nicht vorstellen.

Irgendwie will man bei 'Get the F*ck out of my House' nicht hinsehen, aber man muss

'Get the F*ck out of my House': Die Bewohner des Hauses stehen ständig unter Stress.
Die Teilnehmer von 'Get the F*ck out of my House' dürfen nur eine Kiste mitnehmen. Für mehr würde der Platz auch nicht reichen. © ProSieben, Willi Weber

Aber weiter im Text. Nächster großer Streitpunkt: die Essensversorgung. Das Haus ist nur mit dem ausgestattet, was eine vierköpfige Familie zum Leben braucht. Alles Weitere muss bei albernen Spielchen gewonnen werden. Die erste Amtshandlung am Herd ist entsprechend bescheiden: Es werden Zwiebeln angebraten, die der Großteil der Gruppe dann aus der eigenen Hand essen darf. Dass das nicht reicht, um satt zu werden, ist offensichtlich. Und so entscheidet sich die amerikanische Jamie kurzerhand dazu, beim Abendessen statt einer Portion Kartoffeln direkt drei auf ihr Tellerchen zu schaufeln. Empörung unter den Mitbewohnern – Zeit für den nächsten Konflikt, gab ja seit fünf Minuten keinen mehr.

Dass dieses Chaos nur schwer auszuhalten ist, kann man förmlich durch den Fernsehbildschirm spüren. Die Gefühle brodeln nur so, und eigentlich will man sich das alles gar nicht anschauen. Aber irgendwie muss man, so wie bei einem Autounfall. Noch drei Donnerstage, dann haben wir es geschafft. Dann kehrt nicht nur Ruhe in das bis dahin wahrscheinlich komplett auseinandergenommene Haus ein, sondern auch in unsere Wohnzimmer.