Wir blicken hinter die Fassade des Genies

Gene Roddenberry: Das bewegte Leben des Star Trek-Vaters

Gene Roddenberry am Set von "Star Trek: Das nächste Jahrhundert"
Gene Roddenberry am Set von "Star Trek: Das nächste Jahrhundert" © Imago Entertainment, imago images/Everett Collection

von Simon Fistrich und Sebastian Göttling von Deutschlands beliebtestem Retro-Star-Trek-Podcast Trek am Dienstag

Flieger, Rebell, Visionär, Schwerenöter und Lebemann: Star Trek-Schöpfer Gene Roddenberry war ein komplexer Mensch mit einem bewegten Leben, das sich gut für einen Kinofilm eignen würde. Zum Start von Star Trek auf RTL+ werfen wir einen Blick zurück auf das Privatleben des „großen Vogels der Galaxis“.

Mit Star Trek (jetzt auf RTL+ streamen) wurde dessen Schöpfer Gene Roddenberry zu einer TV-Legende. Für manche Fans erlangte er einen sogar gottgleichen Status. Seine humanistische Weltsicht, sein Optimismus, dass die Menschheit eines Tages Probleme wie soziale Ungleichheit, Ausgrenzung oder kriegerische Konflikte überwunden haben werde, kräftig gewürzt mit einer Prise Mystik, Esoterik und abgefahrener Technik – das alles jazzte eine eigentlich einfache Science-Fiction-Geschichte zu einem Lebensgefühl hoch. Roddenberry soll mal gesagt haben, dass er auch eine Religion hätte erschaffen können, wenn er es nur gewollt hätte. Wer war dieser Gene Roddenberry privat?

Frühe Jahre beim Militär

Bereits die frühen Jahre hatten es in sich: Der am 19. August 1921 in El Paso geborene Gene Roddenberry schrieb sich mit 18 Jahren bei der Armee als Pilot ein, weil Fliegen für ihn die ultimative Freiheit bedeutete. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er gegen japanische Streitkräfte und entkam nur knapp einem Unglück beim Start eines B-17-Bombers. Zwei seiner Kameraden verloren ihr Leben. Nur wenige Jahre später überlebte der auch nach dem Krieg als Flieger arbeitende Gene Roddenberry die Notlandung einer schlecht gewarteten Pan-Am-Maschine am Rande der syrischen Wüste – 14 der 35 Passagiere starben. Nachdem es einige Monate später zu einer weiteren Beinahe-Katastrophe wegen einer eingefrorenen Ruderkontrolle kam, hatte Roddenberry genug vom Fliegen und wurde Verkehrspolizist.

LESETIPP: Der Star Trek-Zeitstrahl: So starten Sie Ihre Reise zu den Sternen optimal

Anfänge beim Fernsehen

Rock Hudson, umgeben von einer Schar bis dahin unbekannter Frauen, die in MGMs „Pretty Maids All in a Row“ mit Hudson die Hauptrolle spielen werden. Es ist der erste von Gene Roddenberry produzierte Spielfilm (oben rechts).
Rock Hudson, umgeben von einer Schar bis dahin unbekannter Frauen, die in MGMs „Pretty Maids All in a Row“ mit Hudson die Hauptrolle spielen werden. Es ist der erste von Gene Roddenberry produzierte Spielfilm (oben rechts). © Getty, Bettmann/Getty Images

Anfang der 50er-Jahre wandte sich Gene Roddenberry erstmals dem Fernsehen zu. Als Ideengeber für die Polizeiserie Dragnet verarbeitete er seine Erlebnisse auf der Straße. Er folgten erste Drehbücher und die Western-Serie Have Gun, Will Travel. Die wartete mit Charakteren auf, deren Eigenschaften bereits verdächtig an das berühmte Triumvirat aus Captain Kirk, Lieutenant Spock und Doktor McCoy aus Raumschiff Enterprise (jetzt auf RTL+ streamen) erinnerten. 1963, drei Jahre vor dem Start von Star Trek, schuf er die bemerkenswerte Militärserie The Lieutenant. In der verarbeitete Roddenberry heikle Themen wie Rassismus in der Armee. Angeblich zum Missfallen des US-Pentagons, das in The Lieutenant vor allem eine Werbeserie für den Dienst am Vaterland sah.

The Lieutenant wurde nach nur einer Staffel abgesetzt. Roddenberry selbst wurde nicht müde zu betonen, dass die Absetzung deswegen erfolgte, weil er sich gegen Zensurversuche bei einer Episode zur Wehr setzte. Als Nebendarstellerin dabei: die spätere Uhura-Darstellerin Nichelle Nichols. Eine andere, wesentlich unspektakulärere Version der Geschichte erzählt indes, dass The Lieutenant einfach nicht genug Zuschauer hatte und deswegen nicht fortgesetzt wurde.

Roddenberry galt von da an jedenfalls als schwierig, ein Image, das ihm zu gefallen schien. In der weiteren Star Trek-Geschichte eckte er oft an. So gilt bis heute als nahezu sicher, dass er Spocks vorläufigen Tod im zweiten Kinofilm Star Trek II: Der Zorn des Khan von 1982 vor Kinostart ausgeplaudert habe, um die Fans zu einer Protestaktion anzustacheln. Hinter den Kulissen war sein Einfluss zuvor nämlich drastisch gesunken, nachdem der kostspielige Vorgänger Star Trek: Der Film von 1979 hinter den Erwartungen des Studios zurückblieb. Roddenberry soll darüber verbittert gewesen sein. Erst mit dem Start der ersten Staffel von Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert (jetzt auf RTL+ streamen) 1987 übernahm er wieder kurzzeitig die Führung des Star-Trek-Ruders. Körperlich war der große Vogel der Galaxis zu diesem Zeitpunkt bereits schwer angeschlagen.

Eine Menschheit ohne Konflikte

Die 70er-Jahre waren für Roddenberry eine schwierige Zeit. Nach der gefloppten Sexklamotte „Eine nach der Anderen“ versuchte er mehrfach, eine weitere Science-Fiction-Serie an den Sender zu bringen – ohne Erfolg. Also begann er, sich ein zweites finanzielles Standbein aufzubauen. Er tingelte von Uni zu Uni und predigte von einem besseren, einem perfekten Menschen, der den Weg in die Utopie findet. Damit verlieh er sich das Image des Visionärs, dass er zeitlebens nicht mehr ablegen konnte. Oder wollte. Während die Charaktere in der Original-Serie Raumschiff Enterprise noch Ecken und Kanten hatten, ist die Nachfolgerserie Das nächste Jahrhundert sehr viel stärker auf Roddenberrys Philosophie geeicht. Denn die Menschheit des 24. Jahrhunderts sollte perfekt sein. Ein Grundsatz, der es den Autoren und Autorinnen schwer machte, Dramatik und Konflikte in die neue Serie zu schreiben.

Lebemann und Schwerenöter

Gene Roddenberry mit seiner Frau Majel Barrett auf der 'Star Trek: The Next Generation' Launch Party.
Gene Roddenberry mit seiner Frau Majel Barrett auf der 'Star Trek: The Next Generation' Launch Party. © Shutterstock, Bei/Shutterstock

Der Privatmann Roddenberry war Lebemann und Frauenheld. Seine erste Ehe mit Eileen Rexroat hielt zwar fast 27 Jahre, soll aber lange unglücklich gewesen sein. Roddenberry, heißt es in seiner autorisierten Biografie, hatte viele Affären. Darunter teils gleichzeitige Beziehungen zu Nichelle „Uhura“ Nichols und seiner späteren Frau Majel Barrett. Die heiratete er 1969 und blieb bis zu seinem Tod in einer offenen Ehe mit ihr zusammen. Fans ist Majel Barrett vor allem durch die Rolle als Christine Chapel in der Ur-Serie (jetzt auf RTL+ streamen) und Lwaxana Troi in Star Trek: Das nächste Jahrhundert (jetzt auf RTL+ streamen) bekannt.

Schmutzige Wäsche wurde dennoch zur Genüge gewaschen – insbesondere von Roddenberrys Assistentin Susan Sackett, die auch für Star Trek arbeitete. Diese behauptet in einem skandalträchtigen Buch, die wahre Liebe in Roddenberrys Leben gewesen zu sein. Dem machte sein ausschweifender Lebensstil zunehmend zu schaffen.

Roddenberry feierte nicht nur gern privat, dass sich die Balken bogen. Die Pool-Partys im Hause Barrett-Roddenberry hatten in Hollywood einen legendären Status. Auch für seine Arbeit hielt er sich regelmäßig mit Aufputschmitteln wach. Zu Alkohol, Tabletten, Kokain und anderen Drogen gesellte sich ein Diabetes und hoher Blutdruck. 1989 erlitt Roddenberry einen Schlaganfall; 1991 starb er im Alter von nur 70 Jahren. Bis kurz vor seinem Tod arbeitete er noch an Star Trek: Das nächste Jahrhundert und ließ sich über die neuen Geschichten informieren.

Gene Roddenberry war ein diverser Mensch voller interessanter Facetten. Seinen Legendenstatus hat er sich redlich verdient – und mit Star Trek etwas geschaffen, dass auch heute noch erfolgreich ist. Es gibt noch viel mehr Geschichten über den großen Vogel der Galaxis. Wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind, empfehlen wir Ihnen unser dreiteiliges Podcast-Special:

Gene Roddenberry I: Flieger & Rebell

Gene Roddenberry II: Guru & Schwerenöter

Gene Roddenberry III: Visionär & Heiliger

Bis dahin viel Spaß mit Star Trek auf RTL+!

"Star Trek": Ganze Staffeln jederzeit auf RTL+ im Stream anschauen

Wenn Sie sich nun noch einmal in die Gedanken-Welt von Gene Roddenberry hinein versetzen oder diese vielleicht zum ersten Mal mit diesem Hintergrundwissen hier neu entdecken möchten, dann haben sie HIER auf RTL+ die Gelegenheit mit einer reichhaltigen Auswahl an Serien aus dem „Star Trek“-Universum.