Frank Elstner: So offen spricht er über seine Parkinson-Erkrankung

Frank Elstner: So offen spricht er über seine Parkinson-Erkrankung
Frank Elstner als Gast in der Sendung "Markus Lanz" © imago images / Future Image, SpotOn

Würdevoller Auftritt bei "Lanz"

Er wirkt ruhig, aber nicht still und resignierend. Gelassen, doch keineswegs routiniert redet Frank Elstner (77) mit seinem Freund und Kollegen Markus Lanz (50) in dessen Talkshow (ZDF). Manchmal lächelt er und verleiht der nächtlichen Sendung eine gewisse Note von Heiterkeit, obwohl sich die beiden TV-Größen mit einem horriblen Thema beschäftigen. Frank Elstner spricht über seine Krankheit. Morbus Parkinson, Schüttel- oder Zitterlähmung. Es wird eine Zustandsbeschreibung voller Würde und persönlicher Größe.

Seine Familie gab den Anstoß

Der legendäre Showmoderator und Erfinder von "Wetten, dass..?" redet offen über sein Leiden und sagt, dass seine Familie ihn ermutigt habe, die Krankheit öffentlich zu machen. "Wenn man mir zuguckt, wie ich Wasser trinke, stellt man eh fest: er zittert."

Dann demonstriert er vor der Kamera seinen Gesundheitszustand. Beide Hände zittern, die Rechte etwas stärker. Er greift mit der Linken zum Wasserglas, führt es leicht wackelnd zum Mund, trinkt und setzt es wieder ab. Dann sagt er: "Wenn ich die gleiche Nummer mit der rechten Hand mache, hätte ich jetzt geschlabbert."

Seit fünf Jahren leidet er an dem langsam fortschreitenden und unheilbaren Verlust von Nervenzellen. 2014 hat er erste Anzeichen bei sich bemerkt, doch "die beiden ersten Jahre habe ich nicht ernst genommen."

Zu den Symptomen gehört auch nächtliches Schlafwandeln. Einmal habe er bei einem Freund übernachtet und dessen Frau habe ihn mitten in der Nacht dabei erwischt, "wie ich im Badezimmer ihre Handtücher zusammengelegt habe." Auch daheim sei er "ne' ganze Menge durchs Haus gewandelt."

Ärzte erkannten es nicht

Seine Hausärztin hat ihn bei seiner Frage, ob er Parkinson habe, beruhigt: "Nein, du hast kein Parkinson." Als "bekennender Hypochonder" hat er sich in einer Klinik vier Tage lang durchchecken lassen, "die haben wirklich alles untersucht, was man untersuchen kann." Das Ergebnis bekam er in einem sechsseitigen Befund mitgeteilt: kein Parkinson.

Er war bei fünf Spezialisten. "Vier sagten: kein Parkinson! Der Fünfte hat mir lange Hoffnung gegeben." Seit drei Jahren weiß er, dass er, wie ursprünglich befürchtet, doch an Parkinson leidet. Da habe er Jahrzehnte gesund gelebt, sich gesund ernährt, viel Sport getrieben und alles für ein langes Leben getan. Und dann das! "Hoppla", habe er sich gedacht, "du bist jetzt nicht auf der Siegerseite."

Es gehe ihm, und wieder lächelt Frank Elstner, relativ gut. Da ist zwar das Zittern, da sind auch "Rückschmerzen und gewisse Gelenkschmerzen", doch "das Zittern ist mir wurscht" und er könne sich auch noch gut bewegen. Es sei lästig, dass ihm beim Essen manchmal was von der Gabel falle, und davor hat er auch eine gewisse Angst, wenn er in einem Restaurant sitzt.

Er solidarisiert sich mit anderen Patienten

Elstner geht mit seiner Erkrankung offensiv um und nennt andere Parkinson-Patienten "Kollegen". Er sagt: "Es hilft mir, die Krankheit öffentlich zu machen. Ich habe 200.000 Kollegen in Deutschland." Er hoffe, dass Parkinson mehr ins öffentliche Bewusstsein rücke. Dass er Werbung machen kann, damit Forscher mehr Geld bekommen, um "das Wunder zu vollbringen, dass man mit Parkinson ein alter Mann werden kann".

Erst kürzlich habe er mit einem "Kollegen" gegessen, dem Mann einer befreundeten Ärztin, der seit 19 Jahren mit der Krankheit lebt. "Der ist geistig völlig fit."

Natürlich weiß er, dass nichts besser wird, sondern vieles schlechter. "Man ist, wenn man ehrlich ist, heute nicht mehr so wie gestern." Und natürlich ist auch seine Angst "riesengroß. Doch ich laufe dieser Angst nicht hinterher, ich versuche, sie beiseite zu boxen! Warum soll ich jetzt rumrennen und jammern, das macht doch überhaupt keinen Sinn."

"Vielleicht hat mich das krank gemacht"

In einem Interview mit der "Zeit" hat Elstner gesagt, dass er "eigentlich fürs Fernsehen gar nicht gemacht" sei. "Ich habe den Frank Elstner immer nur gespielt. Vielleicht hat mich das krank gemacht." Er sei eben kein 1,85 Meter großer blonder Kerl, dem alle hinterherrennen. "Ich musste immer kämpfen", ergänzt er bei Lanz. "Ich musste mehr tun als andere. Ich musste immer wahnsinnig viel arbeiten."

Jetzt, gegen Ende seiner Karriere, weiß er nicht, wie sich sein Leben in Zukunft verändern wird. Kein Arzt könne ihm sagen, was auf ihn zukomme. Der Verlauf sei immer anders. "Demenz kann kommen", sagt er. Und das ist "die einzige echte Angst, die ich habe. Dass ich irgendwann dummes Zeug rede." Dann lächelt er wieder: "Aber damit habe ich immer gutes Geld verdient."

Schließlich macht Elstner seinen Freund Lanz den Vorschlag: "Du kannst mich ja alle zwei Jahre mal vorführen."

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