'Florence Foster Jenkins' mit Meryl Streep: Besondere Liebesgeschichte eines ungleichen Paares

"Florence Foster Jenkins": Nur Meryl Streep darf so falsch singen
Meryl Streep als Florence Foster Jenkins und Hugh Grant als ihr Partner St. Clair Bayfield © 2015 Constantin Film Verleih GmbH, SpotOn

Filmkritik zu 'Florence Foster Jenkins' von Stephen Frears

Die wahre Geschichte der legendären New Yorker Erbin Florence Foster Jenkins (1868-1944). Weil ihre Eltern immer dagegen waren, will sie sich nach deren Tod ihren Traum erfüllen und Opernsängerin werden. Dass ihre Stimme grauenhaft klingt, merkt sie selbst nicht.

Biopic seit 24. November im Kino

Wie kann jemand  in der Öffentlichkeit schief singen und selbst nichts davon ahnen, wie grauenvoll der eigene Gesang ist? Nun, im Falle von Florence Foster Jenkins sorgte dafür ihr finanziell von ihr abhängiger Ehemann und Manager. Der sieben Jahre jüngere Schauspieler St. Clair Bayfield (Hugh Grant, 56) möchte Florence (Meryl Streep, 67) unbedingt vor der Wahrheit beschützen. Als diese beschließt, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall zu geben, engagiert der beunruhigte St. Clair den Konzertpianisten Cosmé McMoon (Simon Helberg, 35), mit dem sie üben soll...

Von der Peinlichkeit des Singens

Lächerlich oder liebenswert - bei Typen wie Michael Edwards (52), besser bekannt als 'Eddie the Eagle', oder Dschungelkönig Menderes Bagci (32) ist dieser Grat besonders schmal. Sie glauben so sehr an das, was sie wollen - der eine ans Skispringen, der andere ans Singen -, dass ihr Brennen für diese eine große Leidenschaft fernab jeden Talents die Zuschauer zu Fans werden lässt.

So in etwa dürfte es sich auch bei der realen Figur Florence Foster Jenkins zugetragen haben. Denn singen konnte sie wahrlich nicht, was Regisseur Frears im Interview mit spot on news bestätigt. Wie wohl die meisten hatte auch er vor dem Film noch nichts von der New Yorkerin gehört, weder biografisch noch musikalisch. "Aber als das Drehbuch kam, habe ich mir etwas angehört, und es war erstaunlich", scherzt der Brite. "Sie ist so lächerlich und gleichzeitig so berührend. Das macht sie so interessant."

Ähnlich sieht es auch Schauspieler Simon Helberg, den die meisten aus der Erfolgssitcom "The Big Bang Theory" kennen dürften. "Ein berühmtes Beispiel dafür ist Bob Dylan. Er ist nicht bekannt für seine Gesangsfähigkeiten und doch hören ihm viele gerne zu."

Erstaunlich ist aber nicht nur das Original, sondern auch das, was Meryl Streep auf die Leinwand zaubert. Echte Fremdschäm-Momente sind vor allem dann garantiert, wenn der große Hollywood-Star zum ersten Mal gesanglich ansetzt.


Der Film erzählt darüber hinaus eine ganz besondere Liebesgeschichte zwischen einem ungleichen Paar. "Er ist ein liebender Ehemann, abgesehen von der Tatsache, dass er noch eine weitere Frau liebt", fasst Frears das Beziehungsleben von St. Clair Bayfield zusammen. Aber das Leben sei eben nun mal kompliziert, ergänzt der 75-Jährige.

Eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte also für allem für eine Zeit, in der das Schwarz-Weiß-Denken Konjunktur hatte. Und zu guter Letzt zeigt diese historische Figur, dass man mit großer Leidenschaft viel erreichen kann. Oder um es mit Florence Foster Jenkins' Worten zu sagen: "Sie können sagen, ich kann nicht singen, aber sie können nicht sagen, ich hätte nicht gesungen." - Zwischen Wahrheit und Lüge liegt oft eine tolle Geschichte, und sie ist in diesem Film absolut sehenswert inszeniert.

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