Fitness-Star Sophia Thiel schonungslos: Eiserne Disziplin endete in Kontrollwahn

Fitness-Star Sophia Thiel schonungslos: Eiserne Disziplin endete in Kontrollwahn
Sophia Thiel spricht über ihre Vergangenheit. © dpa, Peter Kneffel, kne exa

Sophia Thiel startete ihre steile Karriere mit 19

Als Sophia Thiel ihren großen Durchbruch hatte, war sie gerade einmal 19 Jahre alt. Durch ihren Fitnesswandel und ihre Gewichtsabnahme wurde sie sehr schnell sehr berühmt – obwohl sie das so nie beabsichtigte. Heute weiß sie, dass dies keine gesunde Art war, mit sich und ihrem Körper umzugehen. Im Interview spricht sie darüber, wie alles angefangen hat und womit sie in ihrer Jugend viel zu kämpfen hatte.

„Meine Devise damals war: Sport ist Mord“

Sophia Thiel ist zu Gast bei Youtuber und Rollstuhlbasketballer Leeroy Matata (24) im gleichnamigen Podcast bei Amazon Music. Gemeinsam sprechen sie darüber, wie für die Fitness-Influencerin alles angefangen hat. „Meine Devise damals war: Sport ist Mord“, gesteht Sophia. Früher, erklärt sie, gab es häufig Momente, in denen sie für ihre Figur angefeindet wurde. Das machte viel mit Sophia: Wenn Freunde sich am Abend eine Pizza gönnten, hat sie sich das Schlemmen verkniffen, obwohl sie so Hunger hatte. „Ich habe mich sehr früh nicht mehr getraut, vor anderen zu essen“, erklärt sie die traurige Wahrheit. Und auch die Beziehung zu Jungs war oft dieselbe, so die 26-Jährige. „Ich war nie Girlfriend-Material. Sondern ich war immer die, mit der man Armdrücken will, der Kumpeltyp.“

Irgendwann begann sie mit extremen Fitness-Workouts und strikter Diät, was sich rasch bemerkbar machte. „Mit dem extremen Schwarz-Weiß-Denken habe ich schnelle Erfolge erzielt.“ Plötzlich nahm alles seinen Lauf: „Damals, im heranwachsenden Alter, in der Pubertät, war eine große Planlosigkeit. Und dann dachte ich, probiere ich das mal mit Social Media aus. Weil ich damals über einen sehr radikalen Weg abnehmen konnte. Vor allem im Bodybuilding-Bereich gab es wenig Infos“, so Sophia. „Dann ging ein Vorher-Nachher-Bild ziemlich schnell viral. Und dann kam eine erfolgreiche Reportage und dann ist es über mich hereingebrochen.“

„Ich habe nie gesagt, ich will eine Million Follower haben“

Am meisten hat ihr Erfolg wohl sie selbst überrascht: „Ich habe nie gesagt, ich will eine Million Follower haben“, gesteht sie – und doch kam es so. Mit über einer Million Abonnenten auf Youtube und über 1,3 Million auf Instagram ist sie ein Megastar im Internet. Mehr noch: Die Fitnessbloggerin ist auch Autorin und hat inzwischen fünf Bücher herausgebracht.

Aber Sophia übt seit dem Comeback ihrer Auszeit auch starke Kritik am Fitness-Wahn, der die Sozialen Netzwerke beherrscht. „Die Disziplin ist in Kontrollwahn herübergeschwappt“, erinnert sie sich noch an ihre zermürbendsten Zeiten, in der sie in eine Essstörung abrutschte. „Ich bin vor dem Sport fast schon in eine Magersuchtsrichtung hineingesteuert, da habe ich unter 50 Kilo gehabt.“ Auf Instagram und Facebook blieb ihre Fitness-Welt weiter rosarot, weil sie dachte, die Menschen wollen nur das Schöne, Positive und nicht „den Trauerkloß“. Doch genau da liegt laut Sophia auch das Problem. „Das bemängle ich an der Fitnessszene: Dass viele die Leichtigkeit verkörpern, aber nicht authentisch.“

Mit ihrer neuen Stärke versucht Sophia aufzuklären und sich eine Balance zu gestatten, Body-Positivity zu verbreiten und einen gesunden Fitness-Lifestyle aufzuzeichnen. (rla)