Filmkritik zu 'Fifty Shades of Grey 3': Postkartenkitsch mit halbgaren Thriller-Elementen

Trailer zu '50 Shades of Grey': Befreite Lust
Trailer zu '50 Shades of Grey': Befreite Lust Das Finale der '50 Sades of Grey'-Reihe 00:02:07
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Was kann 'Fifty Shades of Grey 3' mit Dakota Johnson und Jamie Dornan?

Für die einen ist es eine traurige Nachricht, dass mit 'Befreite Lust' die '50 Shades Of Grey'-Trilogie zu Ende geht – für die anderen ein Versprechen: Nie mehr am Valentinstag im Pärchensitz Fesselspielchen gucken müssen. Jedenfalls nicht mit dem Aschenputtel des sanften Sado-Maso-Kinos, Anastasia Steele (Dakota Johnson) und ihrem schwerreichen Peitschenschwinger Christian Grey (Jamie Dornan). 

Von Mireilla Zirpins

Postkartenkitsch von Anas und Christians Hochzeitsreise

Ana und Christian sind jetzt ein Ehepaar. Wer sich auf Fetisch-Vögeln vom Feinsten in den Flitterwochen gefreut hat, hofft vergebens. Wir dürfen kurz einen Blick auf den knackigen Allerwertesten des Bräutigams werfen. Ein Muskelzucken auf seinem nackten Rücken später ist alles aber schon vorbei. Hoffen wir, dass wenigstens seiner frisch Angetrauten ein Vorspiel zuteil wurde, wenn der Zuschauer schon derart mit eiliger Vereinigung überfallen wurde.

Dafür bekommen wir reichlich Postkartenkitsch von der Hochzeitsreise: ein Küsschen vor dem Eiffelturm, ein bisschen Wassersport an der Côte d’Azur, und schon zeigt sich Grey von seiner besitzergreifenden Seite: Die wohlgeformten Brüste seiner Ana soll am Strand kein Paparazzo ablichten. Er droht gar, ihr das Bikinioberteil festzukleben. Ha, ein Konflikt! Aber es kommt noch schlimmer: Der eifersüchtige Grey will auch noch keine Kinder. Jedenfalls jetzt nicht. Ana kann froh sein, dass er sie arbeiten lässt – was jetzt alles emanzipierter klingt als es ist. Und man wünscht sich die Zeiten zurück, in denen Regisseurin Sam Taylor-Johnson aus dem ersten Teil der Erotik-Reihe einen halbwegs annehmbaren Film machte.

Jamie Dornan sorgt unfreiwillig für Lacher

Szene aus '50 Shades of Grey'
Postkartenkitsch statt erotischer Abenteuer im dritten Teil von '50 Shades of Grey' © © Universal Pictures, Doane Gregory

Immerhin: James Foley, der sie schon in Teil 2 beerbte, hängt sich richtig rein, eine Reihe von Filmen zu bemühen, die Frauen gefallen haben: Eine Haarwäsche als Höhepunkt der Intimität wie in ‘Jenseits von Afrika‘ – check! Nur, dass in diesem Gegenentwurf zur #MeToo-Bewegung die Frau dem Mann die Haare wäscht – also so wie ganz, ganz, ganz früher. Und dass die Love Story anders als bei der Aschenbrödel-Neuauflage '50 Shades of Grey 3' wenigstens ans Herz ging. Erotische Spielchen mit Leckereien vor dem Kühlschrank wie in ‘9 ½ Wochen‘ – check! Bloß dass der arme Jamie Dornan hier unfreiwillig Lacher erntet, weil er mit Schlafzimmerblick und bis aufs Schambein heruntergezogenen Pyjamas nachts an den Kühlschrank tappst und haucht: "Ana, ich habe dich gesucht." Ja, wer würde da nicht zuerst im Kühlfach gucken? Aber so ist wenigstens für Amüsement gesorgt.

Dakota Johnson und der Lippenbiss

Der Sex endet häufig in der Missionarsstellung. Ganz schön konventionell dafür, dass hier Schlafzimmertabus gebrochen werden sollen. Zwar wird für eine US-Produktion recht viel nackte Haut gezeigt, doch früher gab's mehr Spielzeug. Und kaum sind die Toys ausgepackt, wird auch schon hektisch weggeblendet. So entsteht der Eindruck, dass die Nummern ganz schön rasch beendet sind. Aber Foley hat auch keine Zeit dafür, denn er hat ja auch noch eine Thrillergeschichte um den bösen Stalker Jack Hyde zu erzählen, die leider ebenso halbgar und harmlos daherkommt. Softthriller statt Softporno.

Den Hauptdarstellern Dakota Johnson und Jamie Dornan ist dabei am wenigsten ein Vorwurf zu machen. SIE beißt sich zwar wieder ein bisschen zu viel auf die Lippe und ER guckt immer noch zu lieb für einen schlimmen Finger, aber insgesamt machen die beiden immerhin eine ganz gute Figur. Viel nerviger ist der heimliche dritte Hauptdarsteller – ein schnittiger Angeber-Audi. Jetzt schon das aufdringlichste Product Placement des Jahres. Ach, wie schön wäre an seiner Stelle ein selbstfahrendes Auto gewesen! Dann hätte Chauvi Christian Grey seiner Ana nicht die ganze Zeit ansagen müssen, wie sie die Karre fährt. 

Aber es hätte alles viel schlimmer kommen können. Schließlich hat die Autorin mit dem Pseudonym E. L. James sich nun darauf verlegt, die ganze Story auch noch mal aus Mr. Greys Perspektive zu erzählen. Hoffentlich wird das nicht auch noch verfilmt!