Filmkritik "Widows - tödliche Witwen" - Kinostart: 6. Dezember 2018

Von Mireilla Zirpins

Sie wirken verliebt, schicken sich an, Sex miteinander zu haben in einem stylishen Schlafzimmer. Doch als sich Liam Neeson zum wilden Kuss über Viola Davis beugt, entfährt seinem Mund ein gieriges Knurren, das nach Raubtier klingt - und nahtlos übergeht in die raue Geräuschkulisse des Überfalls, den er mit drei Kumpanen begehen wird, just nachdem er sich mit seiner Gattin vergnügte. Was für ein Schnitt! So beginnt Steve McQueen („Shame“, „12 Years A Slave“) sein bildgewaltiges und ungewöhnliches Heist-Movie "Widows - tödliche Witwen".

Tolle Optik, für ein Heist-Movie untypisches Timing

Mit ein paar skizzenhaften Szenen führt er die vier Ganoven ein – und ihre Gattinnen. Die Damen sind bald die Hauptpersonen, denn wie der Titel verrät, sind die vier Herren wenige Momente später unter der Erde. Und Veronica (Viola Davis) wird von ehemaligen Geschäftspartnern ihres kriminellen Mannes erpresst. 

Eine Woche hat sie Zeit, zwei Millionen US-Dollar aufzutreiben, macht ihr der hyperaktive und ultrafiese Vollstrecker (Daniel Kaluuya aus "Get Out") klar. Wie gut, dass ihr ihr verstorbener Mann sein Notizbuch mit dem Plan für den nächsten Bruch hinterlassen hat. Allein gegen die mafiöse Männerwelt? Keine gute Idee. Also braucht Veronica Mitstreiterinnen. Und wer läge da näher als die anderen Witwen?

Es ist ganz erstaunlich, wie gemütlich der stilbewusste Steve McQueen den großen Coup der Ladys vorbereitet. Und dann den eigentlichen Bruch - den Moment, der in Heist-Movies sonst meist auf eine gefühlte Ewigkeit gedehnt wird - fast in Echtzeit durchzieht und trotzdem enorme Spannung erzeugt.

Das Ganze ist erlesen fotografiert und bis ins kleinste Detail durchgestylt, mit dem wohl zurückgenommensten Soundtrack, den Hans Zimmer je komponiert hat. Doch wenn Viola Davis, Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki und Cynthia Erivo gegen Anzug- und Schlägertypen antreten, spritzt auch schon mal ganz schön das Blut. Dass nicht jeder überraschende Story-Twist auch überzeugt, übersieht man gern. Schließlich überzeugt der Thriller nicht nur optisch, sondern auch durch seine überzeugenden Schauspieler - von den Leading Ladys bis zu Daniel Kaluuya, Liam Neeson und Colin Farrell in den Nebenrollen.