Filmkritik: Jungle Cruise - Das neue "Fluch der Karibik"?

Dwayne Johnson ist Frank und Emily Blunt ist Lily in Disneys Jungle Cruise.
Dwayne Johnson ist Frank und Emily Blunt ist Lily in Disneys Jungle Cruise. © Disney

Das Abenteuer beginnt...

Von Cedric Schmidt

Lange mussten Abenteuerfans warten, doch seit dem 29.7.2021 ist der neue Disney-Film „Jungle Cruise“ im Kino. War das nicht eine Fahrattraktion im Disneyland?, wird sich so mancher Disney-Fan an dieser Stelle fragen. Und ja, das Actionspektakel von Regisseur Jaume Collet-Serra basiert auf eben dieser Vergnügungsfahrt aus den Parks. Disney hat mit dieser Strategie bereits bei „Fluch der Karibik“ gute Erfahrungen gesammelt, dessen Ursprung ebenfalls eine Parkattraktion ist. Nach dem Erfolg des Piratenabenteuers, befand sich „Jungle Cruise“ daher schon seit 2006 in Entwicklung. Wir schauen uns an, ob der Film nach 15-jähriger Produktionsgeschichte ein würdiger kleiner oder eher großer Bruder von den Abenteuern von Jack Sparrow und Co. ist.

Diese Kritik enthält keine Spoiler

Lily Houghton (Emily Blunt) und ihr Bruder McGregor (Jack Whitehall) machen sich auf den Weg zu einer Expedition nach Südamerika. Gemeinsam suchen sie nach der Blüte eines Baumes, der alle Krankheiten zu heilen vermag. Viele Abenteurer sind bereits auf der Suche nach der sagenumwobenen Pflanze gescheitert, weshalb sie – mehr oder weniger freiwillig – auf die Dienste von Flussfahrer Frank Wolff (Dwayne Johnson) zurückgreifen. Doch sind es nicht nur die Stromschnellen des Wassers oder die dortigen Eingeborenen, die ihnen das Leben schwer machen. Tief im Dschungel lauert noch eine andere Gefahr...

Spaßige Unterhaltung mit wenig Substanz

Wie Eingangs schon erwähnt, basiert „Jungle Cruise“ auf einer Attraktion aus den Disneyland-Parks. Wer hier also ein tiefgängiges Drama erwartet, sollte sich den Kauf einer Kinokarte besser zweimal überlegen. Der Film will eines – und das ganz im Sinne seines Vorbildes: Spaß machen. Dabei nimmt er sich selbst nur bedingt ernst, dreht alle Regler auf elf und fühlt sich teils wirklich an, wie eine Achterbahnfahrt. Ob es nun die Over-The-Top-Action ist, in der ein sichtlich gut aufgelegter Dwayne Johnson alle seine Trümpfe ausspielen kann, oder uns die Macher an die exotischsten Orte entführen, die Schauwerte des Films sind kurzweilig und wissen zu unterhalten.

Selbstverliebtes CGI-Spektakel

Doch genau bei den Schauwerten schwächelt der Film. Teilweise sind die Computer-Effekte zu verwaschen und sind nicht auf dem Niveau, welches 2021 von einem Blockbuster erwartet werden kann. Auch ist Regisseur Jaume Collet-Serra ein bisschen sehr in die Computer-Technologie verliebt, denn kaum eine Einstellung kommt ohne computeranimierte Vögel, Pflanzen, Fische und Co. aus. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Dies gilt auch für die Laufzeit des Films, denn die Geschichte – trotz unerwarteten Twists – hätte auch kürzer erzählt werden können und verliert sich teils ein bisschen in sich selbst.

Disney versucht sich an Diversität

Es ist jedoch kaum zu glauben, dass Disney im Jahr 2021 ein Lob dafür ausgesprochen werden muss, dass sie sich darum bemühen, (endlich!) offen homosexuelle Charaktere in ihren Filmen zu zeigen. Auch wenn der gemeinte Charakter nicht benennen darf, wofür sein Herz schlägt, sondern er lediglich sagt, dass er „anders“ liebe, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Bravo. Die zahlreichen Klischees, mit der diese Figur ausgestattet wird, sind jedoch teils so peinlich und antiquiert, dass Disney eher für den Versuch, als für die letztliche Umsetzung gelobt werden sollte. In diesen Punkten ist Disney noch weit vom Heute entfernt...

Fazit: Fluch der Karibik 2.0?

Ist „Jungle Cruise“ also der erhofft spaßige „Fluch der Karibik 2.0“? Nein. Zwar sind die SchauspielerInnen gut aufgelegt, aber das gleicht die Schwächen des Drehbuchs nicht aus. Doch will das der Film überhaupt? Für die kurzweilige Unterhaltung zwischendurch, wird hier gewohnt solide Blockbuster-Kost geliefert, über die lange nachzudenken, sich nicht lohnt. Wen der wenige Tiefgang (mit Ausnahme des Bootes von Dwayne Johnson im Film) nicht stört, wird bestens unterhalten. Die (teils lächerlich) klischeebeladene Darstellung eines LGBTQ+-Charakters ist jedoch hart an der Grenze zur Fremdscham – das geht besser, Disney! „Jungle Cruise“ läuft seit dem 29.7.2021 im Kino. (csc)