Filmkritik - Kinostart: 30.6.2022

Bist du’s, Penélope Cruz? Mit roter Wuschel-Mähne in „Der beste Film aller Zeiten“

Penélope Cruz mit Merida-Gedächtnismähne in "Der beste Film aller Zeiten"
Penélope Cruz mit Merida-Gedächtnismähne in "Der beste Film aller Zeiten" © Studiocanal GmbH

von Mireilla Zirpins

Kaum wiederzuerkennen: Penélope Cruz als dauerquarzende Regisseurin mit buschigem Achselhaar und roter Wallemähne, auf die selbst Trickfilmheldin Merida neidisch wäre. Sie spielt in der Komödie „Der beste Film aller Zeiten“ eine mindestens exzentrische Regisseurin, die es bei ihrem neuen Film gleich mit mehreren Alphamännchen erster Güte zu tun hat.

Penélope Cruz spielt eine verrückte Powerfrau mit Big Hair

Da ist zum Beispiel Film-Financier Humberto (José Luis Gómez). Der 80-jährige Geldsack will den Leuten nicht als reicher Pharma-Tycoon in Erinnerung bleiben, sondern mit etwas Bedeutendem. Einer Brücke vielleicht? Ach nee, es soll doch ein Film werden, und zwar gleich der beste aller Zeiten. Man findet ihm einen preisgekrönten Roman, den Humberto natürlich nicht bis zum Schluss gelesen hat – und eine renommierte Regisseurin – eben Lola, mit Begeisterung und komödiantischem Talent gespielt von Penélope Cruz. Die rote Lockenpracht steht ihr extrem gut zu den schicken, aber manchmal auch übertriebenen Hosenanzügen der Kunst-Macherin, die sich wie ihre männlichen Kollegen gern breitbeinig hinsetzt.

Ein bisschen unentspannt wirkt Lola schon – nicht nur auf auf ihren neuen Mäzen Humberto. Doch dann erzählt sie uns von dem Buch, das sie verfilmen will. So begeistert, so fesselnd, so geheimnisvoll, dass auch wir Zuschauer es kaum erwarten können, diesen Super-Film über zwei konkurrierende Brüder endlich zu Gesicht zu bekommen.

Hat mehr Grips und mehr Haare als die beiden Machos zusammen: Penélope Cruz als Lola

Könnte alles so schön werden, wären da die nicht zwei eitlen Gockel, die die beiden Hauptfiguren spielen sollen. Beide Weltstars: Iván (der argentinische Schauspieler Oscar Martínez) – Elder Statesman und Theaterkoryphäe – und Félix (Antonio Banderas), berufsjugendlicher überbezahlter Filmstar mit kaum erwachsener Freundin. Und sie sind beide gewohnt, dass sie der Einzige sind, dem die Aufmerksamkeit gilt. Schnell ist klar: Mit den beiden werden die Vorbereitungen für Lola zum Alptraum. Wir Zuschauer müssen fürchten, den „besten Film aller Zeiten“ nie zu Gesicht zu bekommen.

Die Komödie von Mariano Cohn und Gastón Duprat ist selbst sicher auch nicht der beste Film aller Zeiten, aber ziemlich unterhaltsam. Wie die beiden Obermachos mit zu großen Egos nicht nur sich gegenseitig zusetzen, sondern vor allem der jüngeren lesbischen Regisseurin, ist herrlich. Und die genervte Lola bestraft die Herren für die Hahnenkämpfe hart. Weil das Ganze natürlich eine bittere Satire ist und manchmal nah an der Karikatur, werden wir emotional nicht so mitgenommen. Aber wir bekommen trotzdem Schauspielerkino vom Feinsten und eine Story mit einigen Überraschungen, bei denen wir reichlich schmunzeln können. Und Penélope Cruz in Höchstform. Ihre Lola ist eine Wucht und hat von allem mehr als der Rest der Crew: Mehr im Kopf, mehr Charme und natürlich auch mehr Haare.

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