Emma Watson als Verräterin der Frauenrechte? Ganz im Gegenteil! Ein Kommentar anlässlich des Weltfrauentags

Emma Watson posiert für 'Vanity Fair'
Für dieses Bild für die 'Vanity Fair' erntete Hollywood-Star Emma Watson viel Kritik. © Instagram / Vanity Fair

Wie selbstbestimmt kann eine Frau heute handeln, ohne an sexistischen Klischees gemessen zu werden?

Hollywood-Star Emma Watson muss sich derzeit gegen Anfeindungen wehren, weil sie sich für die 'Vanity Fair' halb enthüllt hat. Damit schade sie angeblich den Rechten der Frauen, obwohl sie sich genau dafür immer stark gemacht habe. Ist der Vorwurf berechtigt?

Ein Kommentar von Norbert Dickten

Seit knapp 100 Jahren wird international der Weltfrauentag gefeiert, anfangs zunächst ohne festes Datum, aber später hat sich dann der 8. März offiziell etabliert. Ein Gedenktag, der in vielen Ländern sogar ein gesetzlicher Feiertag ist und nicht nur in einzelnen Ländern, sondern überall auf der Welt zeigt, wie wichtig der Kampf für Rechte der Frauen und die Forderung nach Gleichberechtigung und Chancengleichheit auch heute noch ist. 

Die Beispiele, warum dieser Kampf auch heute noch genau so wichtig ist wie vor hundert Jahren, sind gefühlt unendlich. „Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“, forderte die berühmte deutsche Frauenrechtlerin Clara Zetkin seinerzeit vollkommen zurecht. Und man muss sich nicht nur die Ungleichheiten auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene anschauen, die zeigen, wie sehr Frauen in den meisten Ländern der Welt auch heute noch gegenüber Männern benachteiligt werden. Und wer hätte sich ausmalen wollen, dass noch selbst im Jahr 2017 ein Mann trotz zutiefst abwertender, sexistischer Bemerkungen Frauen gegenüber zum mächtigsten Mann der Welt gewählt werden kann? Alleine das ist schon trauriges Beispiel dafür, welchen gesellschaftspolitischen Stellenwert die Achtung vor Frauen leider immer noch zu haben scheint – aller Aufgeklärtheit zum Trotz.

Und diese Problematik ist kein Thema, für das nur Frauen kämpfen sollten. Gerade wir Männer sollten uns immer wieder vor Augen führen, wie unser Bild von Frauen geprägt ist. Ein Bild, das sich auch in der Berichterstattung über berühmte Promi-Frauen widerspiegelt. Erst letztes Jahr hat Hollywood-Star Jennifer Aniston einen leidenschaftlichen offenen Brief veröffentlicht, weil sie es leid war, immer und immer wieder mit der Frage konfrontiert zu werden, wann sie denn endlich ein Baby bekomme. Fokus auf ihre Leistung als Schauspielerin? Fehlanzeige! Der Umgang mit ihrer Person mache deutlich, „mit welcher Brille wir als Gesellschaft auf Mütter, Töchter, Schwestern, Ehefrauen, Freundinnen und Kolleginnen schauen“, schrieb sie in einem Blogeintrag. Denn wie wird der „Wert einer Frau“ bemessen? Nur durch die Betrachtung ihres Körpers? Ist eine Frau nicht „komplett, nicht erfolgreich oder unglücklich, wenn sie unverheiratet und kinderlos“ ist? Und vor allem: Musste sich je ein Mann diesen Fragestellungen aussetzen?

Kann eine Frau, die ihre Brüste zeigt, nicht als Feministin ernst genommen werden?

Wie selbstbestimmt kann eine Frau, egal ob Promi oder nicht, auch heute handeln, ohne dass ihr Tun oder Handeln nicht an oberflächlichen, sexistischen Klischees gemessen wird? Derzeit zerreißen sich viele scheinheilige Geister ihr Maul über Schauspielerin Emma Watson, die für ein Cover der ‚Vanity Fair‘ teilweise ihre nackten Brüste zeigt. „Heuchelei“ wirft ihr die britische Radiomoderatorin Julia Hartley-Brewer vor. Bemerkenswert, dass dieser Vorwurf von einer Frau kam. Warum? Weil eine Frau, die ihre Brüste zeigt, nicht als Feministin ernst genommen werden kann – angeblich. Aber soll das ein Widerspruch zu der selbstbewussten Entscheidung stehen, seinen Körper so zu zeigen, wie ‚frau‘ es will?  

Emma Watson hat sich immer wieder für Frauenrechte stark gemacht. Nach ihrer beeindruckenden Rede vor den Vereinten Nationen in ihrer Rolle als UN-Botschafterin für Frauen- und Mädchenrechte im Jahr 2014 schlug ihr nicht nur viel Respekt, sondern leider auch viel Zorn entgegen – auch von Frauen, weil sie gerade auch diese in die Pflicht nahm, ihre eigenen Rollenbilder zu überdenken. „Wenn Männer nicht mehr aggressiv sein müssen, um akzeptiert zu werden, werden Frauen sich nicht mehr zur Unterwürfigkeit gezwungen fühlen. Wenn Männer nicht mehr kontrollieren müssen, müssen Frauen nicht mehr kontrolliert werden“. Klare, deutliche - und vielleicht auch schmerzhafte Worte. Wer ihr nun Heuchelei vorwirft, weil sie als Feministin mit ihren offenherzigen Bildern nur gängige Stereotypen bediene und sich so als Objekt degradieren lasse, tut dem Kampf um Selbstbestimmtheit (und dazu zählt auch die Selbstbestimmtheit über den eigenen Körper!) keinen Gefallen. Keine Frage, ein Weltfrauentag ist auch im Jahr 2017 so wichtig wie vor 100 Jahren.