"Dune": Genau so wollen wir das im Kino sehen! Denis Villeneuve macht alles richtig - Filmkritik

Dune mit Timothée Chalamet
"Dune" mit Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson © iStockphoto

Das muss man auf der großen Leinwand sehen - Kinostart: 16. September 2021

von Mireilla Zirpins

Denis Villeneuve rules! Der Regisseur von „Sicario“ und „Arrival“ macht aus „Dune“ endlich den Leinwand-Traum, den das Kultbuch verdient hat. Villeneuves größtes Pfund sind dabei aber nicht die atemberaubenden Bildwelten oder der Sandwurm, sondern Hauptdarsteller Timothée Chalamet, der endlich zeigen darf, dass er viel mehr spielen kann als den schlaksigen Schüchternen, und Rebecca Ferguson, als seine ambivalente Filmmutter. Ein optisches Feuerwerk mit richtig guten Schauspielern – so muss Kino sein.

Spätstens "Blade Runner 2049" empfahl Denis Villeneuve für "Dune"

„Part One“ lässt Villeneuve selbstbewusst über die Leinwand flimmern – und macht uns gleich klar, dass wir mit einem offenen Ende oder vielleicht sogar mit einem Cliffhanger rechnen müssen. Mutig in der Pandemie, in der Filme mit großem Budget oft nicht das Erwartete einspielen können. Das erhöht das Risiko, dass Teil 2 keine Chance bekommt. Und dann noch so ein Risiko-Stoff! Immer wieder haben Filmemacher davon geträumt, Frank Herberts Klassiker der Science-Fiction-Literatur auf die Leinwand zu bringen. Manche scheiterten schon im Vorfeld. David Lynch traute sich 1984 und will heute lieber nicht mehr drüber reden. Nun hat sich Villeneuve der Sache angenommen – der Mann, der „Blade Runner“* eine würdige Fortsetzung beschert hat. Wer also, wenn nicht er?

Paul Atreides' Geschichte in "Dune"
02:59 Min

Paul Atreides' Geschichte in "Dune"

Timothée Chalamet ist ein Glücksgriff als "Dune"-Held Paul Atreides

Das Erste, was er richtig macht, ist die Besetzung: Timothée Chalamet spielt sich als schöner Paul Atreides, den es unfreiwillig auf den Wüstenplaneten Arrakis verschlägt, nicht nur in die Herzen der Frauen – wenn sie ihm nicht schon seit „Call Me By Your Name“*, „Lady Bird“ und „Little Women“ sicher waren. Die Wandlung vom Zögling aus reichem Haus, von Kraftprotz-Kampftrainer Duncan (Jason Momoa) wegen seiner nicht vorhandenen Muckis gehänselt, zum entschlossenen Kämpfer bringt er mit elegantem Understatement glaubhaft rüber, ohne dass es jemals bemüht wirkt.

Und zum Kämpfer muss Paul werden, denn das Haus Atreides, Herrscherfamilie auf Caladan, wird genötigt, den Heimatplaneten zu verlassen. Stattdessen sollen die Atreides sich auf Arrakis um den Handel mit Spice kümmern – einer begehrten Substanz. Die Fremen, Ureinwohner des auch „Dune“ genannten Wüstenplaneten, schätzen das rötliche Pulver als Droge. Die Dynastien des Imperiums brauchen es als Treibstoff für ihre Reisen durchs Weltall - auch das mit den Atreides verfeindete Haus Harkonnen mit dem fiesen Baron Vladimir (Stellan Skarsgård, der als schwebender Koloss etwas von Harvey Weinstein hat), das vorher auf Arrakis herrschte.

Der Abbau der halluzinogenen Substanz ist auch so gefährlich genug, lauern doch unter den sanften Sanddünen gigantische Sandwürmer. Clever lässt uns Villeneuve zappeln, bis wir Stück für Stück mehr zu sehen bekommen vom monströsen Sandwurm Shai-Hulud, der alles verschlingt, was nicht bei drei auf den kargen Felsen ist. Ein phallisch geformtes Wesen, dessen Schlund an die weiblichen Geschlechtsöffnungen mit Zähnen in alten Volksmärchen erinnert, von Sigmund Freud Vagina dentata genannt.

Dazu hat Pauls Vater Leto von Anfang an das Gefühl, dass der Familien-Umzug nach Arrakis eine Falle ist – ein paar schöne Momente des beginnenden Zweifels für Oscar Isaac als bärtiger „Elder Statesman“, der für seine Konkubine Jessica vor allem eine strategische Partie war. Denn Lady Jessica, mit trotziger Härte und Verletzlichkeit zugleich von Rebecca Ferguson wunderbar porträtiert, pflegt nicht nur ein unverschämt inniges Verhältnis zu ihrem Sohn, sondern gehört zum Frauenorden der Bene Gesserit, einer feministischen Sekte, die im Hintergrund die Strippen zieht und durch gezielte Kreuzung von Blutlinien eine*n Erlöser*in erschaffen will. Und nun denkt Jessica, dass ihr Sohn Paul der Auserwählte sein könnte.

So sieht Villeneuves "Dune" aus
03:21 Min

So sieht Villeneuves "Dune" aus

"Dune": wummernder Sound und dystopische Welten von großer Schönheit

Denis Villeneuve schafft’s, Frank Herberts Kosmos ins Breitwandformat zu transportieren und uns mit seinen epischen Bildern und Hans Zimmers Erdbeben-Sound so zuzudröhnen, dass die etwas esoterische Erlöser-Thematik gar nicht weiter befremdet. Viel zu gefangen sind wir im Staunen über die unterschiedliche und immer gelungene Optik der unterschiedlichen Planeten: stylische Bauten der Macht mit Anklängen an Ruinen der Maya und alten Ägypter, an die Felsenstadt Petra, verwaschene Kostüme im Tuareg-Stil und martialische Kampfanzüge, Raumschiffe mit Formen wie Designobjekte, die bedrohlich wie geschlossene Festungen vor einer Stadt schweben und Helikoptern mit Moskito-Flügeln. Sind geflasht von den Anspielungen und Bildzitaten Villeneuves.

Aufreizend langsam inszeniert er und gibt dann doch Gas in den zahlreichen Kampfszenen, die alle Erwartungen erfüllen. Dafür muss er trotz der stolzen 156 Minuten einiges aus der Buchvorlage opfern. Weniger ist mehr, das ist seine Devise für die Story. Doch es fehlt uns nichts - außer dass es weitergeht.

Bitte mehr von diesem „Star Wars für Erwachsene“

Am Ende freut man sich, dass „Part One“ verheißt, dass es einen weiteren Teil geben könnte. Einen Teil, in dem Zendaya und Javier Bardem, die als Fremen Chani und Stilgar hier nur kleine Auftritte haben, eine größere Rolle spielen. Und in dem wir mehr zu sehen bekommen vom Wüstenplaneten und seinen Sandwürmen und vor allem von Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson. Also bitte mehr vom, wie es Denis Villeneuve selbst nennt, „Star Wars für Erwachsene“!

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