'Die Verlegerin': Trotz Meryl Streep und Tom Hanks springt der Funke nicht über

Meryl Streep räumt im Boys Club der Siebziger auf: 'Die Verlegerin'

Wir Journalisten mögen Filme über unsere eigene Zunft. Weniger solche, in denen ein versoffener Schmierenschreiber die Arbeit des rechthaberischen Detectives erledigen muss, sondern vielmehr welche, in denen uns ein Regisseur mal vorführt, wie man unseren Job richtig macht. Eine solche Lobeshymne auf die investigative Recherche und die Pressefreiheit hat uns nun Steven Spielberg beschert. Doch obwohl 'Die Verlegerin‘ mit Meryl Streep und Tom Hanks in den Hauptrollen alle Zutaten für die Titelstory mitbringt, bleibt man als Zuschauer seltsam distanziert.

Von Mireilla Zirpins

Politisch zeigt 'Die Verlegerin' erschreckende Parallelen zur politischen Situation der USA heute

Dabei kann sich so mancher von uns sicher ganz gut hineinversetzen in die Mannschaft der 'Washington Post‘, deren hemdsärmeliger Chefredakteur (Tom Hanks) davon träumt, eine Zeitung von überregionaler Bedeutung aus ihrem Blatt zu machen. Doch wieder mal müssen die Schreibtischtäter von der 'Post' zusehen, wie die investigativen Trüffelschweine der 'New York Times' eine geile Enthüllungsstory an Land ziehen:

Die 'Times' veröffentlicht geheime Unterlagen des Pentagon, die eindrucksvoll belegen, wie nicht nur die aktuelle US-Regierung unter Richard Nixon, sondern auch drei seiner Vorgänger die Bevölkerung systematisch angelogen haben. Der Vietnam-Krieg war schon viel länger als behauptet geplant worden. Und obwohl den Politikern klar war, dass sie nicht würden gewinnen können, schickten sie weiter Soldaten an die Front und nahmen so bewusst deren sinnlosen Tod in Kauf.

Nixon bringt die 'Times‘ mit einer einstweiligen Verfügung zum Schweigen. Da erst kommen die Herren von der 'Post' und ihre Kollegin aus dem Glamour-Ressort ins Spiel. Sie wollen in die Bresche springen und anstelle der ‚Times‘ weitere heikle Unterlagen des Whistleblowers publizieren - und zwar nicht nur, um Seite an Seite mit der erfolgreicheren Konkurrenz für die Pressefreiheit zu kämpfen, sondern auch fürs eigene Ego.

Doch die Hindernisse sind zahlreich: Das Unternehmen soll schwarze Zahlen schreiben für den geplanten Börsengang. Dabei hat der Sparzwang die Redaktion fast bis zur Handlungsunfähigkeit ausgedünnt - ein Szenario aus den frühen 1970ern, das leider erstaunlich aktuell anmutet. Und die in der deutschen Fassung titelgebende 'Verlegerin‘ (Meryl Streep) sieht sich nicht nur den Begehrlichkeiten ihres Vorstands und der möglichen Aktionäre ausgesetzt. Leider ist ausgerechnet jener Robert McNamara, dessen Archiv hier gerade gegen seinen Willen ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, ein guter Freund ihrer Familie...

Steven Spielbergs Loblied auf die Pressefreiheit

Die Verlegerin
Meryl Streep ist 'Die Verlegerin', Tom Hanks (3. v.l.) ihr Chefredakteur © Universal, Niko Tavernise

Vermutlich traf der Film in den USA genau deswegen einen Nerv bei den Filmkritikern, weil sie jeden Tag aus nächster Nähe erleben, wie ihr eigener Präsident auf die Pressefreiheit pfeift. Dass Spielberg jedoch die ganze Spannung auf den Konflikt der Verlegerin aufbaut, ob sie nun die Papiere veröffentlichen soll oder nicht, reicht einfach nicht aus, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Das ist vermutlich nicht mal wirklich spannend, wenn man vorher noch nicht wusste, wie sich die Verlegerin entscheidet. Und Spielberg zögert es noch länger hinaus als Sonja Zietlow und Daniel Hartwich die Bekanntgabe, wer den Dschungel verlassen muss.

Wird Meryl Streep ihren vierten Oscar dafür bekommen?

Meryl Streep spielt vielleicht ein bisschen zu zurückhaltend die Society-Lady, denn ihre Firmenerbin soll zunächst unsicher wirken und sich erst zur Frau mit Rückgrat mausern. Eine Rolle mit wenig Tiefenschärfe - ganz anders, als wir es von ihr gewohnt sind. Deshalb ist es eher unwahscheinlich, dass sie ausgerechnet für diesen Part ihren vierten Oscar mit nach Hause nehmen darf.

Ihre Figur ist aber nicht halb so spannend wie die Milieustudie der frühen Siebziger, die vielleicht den größten Reiz des Films ausmacht. Verrauchte Großraumbüros, Schlaghosen und Koteletten und überall ein Boys Club - in der Redaktion, im Vorstand und in der Regierung sowieso. Wir sind versucht, über manches zu lachen, doch bei genauer Betrachtung hat sich beim Thema Rauchen noch am meisten geändert. Wir können Steven Spielberg dankbar sein dafür, das alles auch zum Thema seiner Aufarbeitung der Vorgeschichte zum Watergate-Skandal gemacht zu haben. Doch die breite Masse wird Spielberg mit seiner aufrechten Botschaft in einem eher durchschnittlichen Film nicht in seinen Bann ziehen.