Die Kino-Tipps im Dezember

Die Kino-Tipps im Dezember
Cool oder albern? Bei "Aquaman" (Jason Mamoa) keine leicht zu beantwortende Frage © Warner Bros. Entertainment Inc., SpotOn

Aquaman, Mary Poppins, ...

Winterzeit ist Blockbusterzeit? Von wegen! Während in den vergangenen Jahren die neue "Star Wars"-Reihe stets zur kalten Jahreszeit manch Gemüt erhitzte (und die Jahre davor ein gewisser "Hobbit" durch Mittelerde zog), sieht das im Jahr 2018 anders aus. Der große Kracher bleibt zwar aus, dafür kommen einige Helden aus der zweiten Reihe und zwei Marys - die Horror-Autorin und das singende Kindermädchen mit Schirm, Charme und ohne Melone.

"100 Dinge", 6. Dezember

Toni (Matthias Schweighöfer) liebt seine Espressomaschine. Paul (Florian David Fitz) liebt sein Handy. Toni kann nicht ohne Haarpillen, Paul nicht ohne seine heiligen Sneakers. Aber vor allem kann Paul nicht ohne Toni und Toni nicht ohne Paul. Aber das wissen sie nicht. Immer geht es darum, wer besser oder cooler ist, und das haben sie jetzt davon: Jetzt sitzen sie da, ohne Möbel, ohne Kleidung, nackt und verfroren. Und das ist erst Tag eins! Hundert Tage, haben sie gewettet, müssen sie auf alles verzichten. Jeden Tag kommt nur ein Gegenstand zurück. Und schon verheddern sie sich in Fragen, die ihnen vorher nie gekommen sind: Was braucht man wirklich? Besitzen wir unsere Dinge oder unsere Dinge uns?

Einschätzung:

Die Prämisse von "100 Dinge" klingt interessant, könnte sich aber im Verlauf eines Spielfilms schnell totlaufen und klingt eher nach dem Konzept eines Kurzfilms. Zumal angesichts der Story der spannendste (und nackteste) Teil des Streifens zu Beginn ansteht, wenn die beiden Allzweckwaffen des deutschen Kinos den größten Verzicht durchstehen müssen. Wer humoristisches Wohlfühlkino im Winter sucht, wird bei "100 Dinge" fündig. Vermutlicher Message-Spoiler: Freundschaft ist wichtiger als materieller Besitz.

"Bumblebee", 20. Dezember

Im Jahr 1987 versteckt sich das mysteriöse Maschinenwesen Bumblebee in der Gestalt eines alten VW Käfers auf dem Schrottplatz einer kleinen kalifornischen Küstenstadt. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag und auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, findet die rebellische Charlie (Hailee Steinfeld) den kaputten und kampfgeschwächten Bumblebee. Mit mechanischem Geschick beginnt sie ihn zu reparieren und lernt schnell, dass es sich keineswegs nur um eine alte Schrottmühle handelt.

Einschätzung:

Hirn aus und ab ins Kino: Dieses Motto konnte einem bereits dabei helfen, bei den "Transformers"-Filmen eine infantile Heiterkeit zu verspüren. Beim Solo-Abenteuer von Autobot Bumblebee verhält sich das nicht anders. Wer auf filmische Achterbahnfahrt statt auf dramaturgische Buckelpiste Lust hat, der kann sich denken: Warum denn nicht?

"Aquaman", 20. Dezember

Der halb menschliche Atlanter Arthur Curry (Jason Mamoa) muss sich entgegen seines Willens seinem Schicksal stellen, um herauszufinden, wer er wirklich ist: Verdient er es überhaupt, die ihm von Geburt an zustehende Königswürde anzunehmen? Begleitet wird er auf seiner Sinnessuche von der stürmischen Kriegerin Mera (Amber Heard). Wem Currys verhaltene Ambitionen auf den Thron von Atlantis nicht unbedingt gefallen dürfte, ist der amtierende König Orm (Patrick Wilson) - und Aquamans Halbbruder. Der strebt ganz andere Dinge an: Krieg gegen die Menschen.

Einschätzung:

Bislang waren die DC-Comicverfilmungen abseits von "Batman" und "Wonder Woman" mit keinem großen Erfolg gesegnet. Und auch beim Blick auf "Aquaman" bleibt der ganz große Hype (vielleicht aus Selbstschutz) erst einmal aus. Der Film könnte selten gesehene Schauwerte unter Wasser bieten, hat aber auch viel Fremdscham-Potenzial, wenn auf computeranimierten Haien in die Schlacht geplantscht wird. Am besten ohne große Erwartungen ins Kino gehen, dann ist die Fallhöhe geringer.

"Mary Poppins' Rückkehr", 20. Dezember

London 1930 - 24 Jahre nach dem Geschehen des Originalfilms: Michael Banks (Ben Whishaw) ist inzwischen erwachsen geworden und arbeitet für die Bank, bei der auch schon sein Vater angestellt war. Er lebt noch immer in der Cherry Tree Lane 17 mit seinen mittlerweile drei Kindern und der Haushälterin Ellen (Julie Walters). Seine Schwester Jane Banks (Emily Mortimer) tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und setzt sich für die Rechte der Arbeiter ein. Zusätzlich hilft sie Michaels Familie wo sie kann. Als sie einen persönlichen Verlust erleiden, tritt Mary Poppins (Emily Blunt) auf magische Weise wieder in das Leben der Familie Banks und mit Hilfe ihres Freundes Jack (Lin-Manuel Miranda) kann sie die Freude und das Staunen zurück in ihr Zuhause bringen.

Einschätzung:

Erfrischend, dass die Neuauflage des Kultfilms "Mary Poppins" als Fortsetzung und nicht als Remake daherkommt. Dementsprechend bietet er sich vor allem für Nostalgiker an, Emily Blunt ist zudem eine würdige Nachfolgerin von Julie Andrews in der Titelrolle - auch wenn ihr wohl nicht unbedingt ein Oscar für die Rolle winkt, so wie das bei ihrer Vorgängerin 1965 der Fall war. Natürlich muss sich jeder Kinogänger auch beim neuen Teil auf kunterbunte Kitschmomente und Gesang einstellen - aber das sollte jedem interessierten Cineasten bewusst sein.

"Mary Shelley", 27. Dezember

Sie ist jung, rebellisch und bereit, alle Zwänge und Konventionen ihrer Zeit zu überwinden: Das Schicksal führt die 16-jährige Mary (Elle Fanning) 1814 mit dem berühmten romantischen Dichter Percy Shelley (Douglas Booth) zusammen, der wie Mary selbst sein Leben der Literatur verschrieben hat. Doch die leidenschaftliche Liebe des jungen Paares wird trotz aller Offenheit und Toleranz immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Als der Poet Lord Byron (Tom Sturridge) Mary Shelley zu einem literarischen Wettbewerb herausfordert, erfindet sie eines der berühmtesten literarischen Geschöpfe der Weltgeschichte: Frankensteins Monster.

Einschätzung:

Ihrem Werk wurden schon unzählige Verfilmungen spendiert, nun bekommt endlich auch Mary Shelley ihren Kinoauftritt. Der birgt ein interessantes Potenzial: Einerseits als Historienfilm viel über das frühe 19. Jahrhundert erfahren, der andererseits die lebhafte und futuristische Phantasie einer jungen Frau darbietet. Wohlgemerkt in einer Zeit, in der es zu den Hauptaufgaben einer Frau gehörte, schön auszusehen und Kinder zu gebären. Kein Pflichttermin, aber für Buch-affine Kinogänger sicherlich interessant.

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