'Die Frau im Mond - Erinnerungen an die Liebe': Marion Cotillard ist unwiderstehlich

Filmkritik zu 'Die Frau im Mond - Erinnerungen an die Liebe'

Zuletzt war die französische Schauspielerin Marion Cotillard noch neben Brad Pitt im Kriegsdrama 'Allied' zu sehen. Jetzt läuft schon der nächste Film mit der schönen Französin an. Und bei dieser Darbietung ist es kein Wunder, dass selbst Angelina Jolie eifersüchtig wurde.

3 von 5 Sternen

Von Romina Morinello

In ihrem verschlafenen Heimatörtchen wirkt die junge Gabrielle (Marion Cotillard) mit ihrem früh ausgereiften sexuellen Verlangen wie eine Getriebene. Eine, die sich nicht im Griff hat. Von den Dorfbewohnern wird sie für verrückt gehalten. Ihre konservative Mutter arrangiert eine Hochzeit, schickt die Tochter weg. In der Ehe mit dem einfachen und wortkargen José (Alex Brendemühl) lebt Gabrielle aber wie eine  Gefangen. Als sie wegen Nierensteinen in Kur geschickt wird, erweckt dort der verwundete Kriegs-Leutnant André Sauvage (Louis Garrel) erneut ihr Bedürfnis nach leidenschaftlicher Liebe. Gabrielle blüht auf: Mit André erfährt sie scheinbar endlich ihre Befreiung, ihre Erfüllung…

Oscarpreisträgerin Marion Cotillard kann ihr schauspielerisches Talent in dieser Rolle frei entfalten. Gabrielle wirkt auf dem gesamten Weg ihrer leidvollen Liebesgeschichte einerseits verklärt romantisch, andererseits erschreckend nüchtern. Sie ist nahezu geheimnisvoll - ihr Seelenleben so komplex, dass es für den Zuschauer nie ganz zugänglich wird. Denn irgendwie reißt das Bedürfnis nicht ab, die junge Frau an den Schultern zu packen und ihr entgegen zu brüllen: „Sei doch einfach glücklich!“ Denn der eigentlich so verschlossene Ehemann José entpuppt sich auf den zweiten Blick als gutmütiger und geduldiger Kerl, der immer wieder versucht, seine Frau glücklich zu machen. Der es auch erträgt, wenn diese einen anderen liebt. Doch Gabriellas Sehnsucht ist eben kompromisslos. So kompromisslos, dass erst 17 leidvolle Jahre (die zugegeben im Mittelteil etwas vor sich hindümpeln) vergehen müssen, bis – ja bis es einen Plot-Twist gibt, der diese Liebesgeschichte gänzlich unerwartet enden lässt.

Die wunderschöne Kulisse der französischen Provence der 50er Jahre, eine junge Frau, getrieben von der Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe und eine unglückliche Zweck-Ehe: Das Liebesdrama von Regisseurin Nicole Garcia bringt eigentlich Potenzial für das ganz große Schnulzen-Kino. Eigentlich. Denn die Handlung und auch die Figuren sind erfrischend kitschfrei und die Inszenierung des Liebesdreiecks von einem fast schmerzhaften realistischen Gespür geprägt.