„Es darf nicht sein, dass weiterhin unzählige Kinder abends hungrig ins Bett gehen“

Sizar vermisst die Arche
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Sizar vermisst die Arche

Jedes fünfte Kind von Armut betroffen

In Deutschland ist laut einer Bertelsmann-Studie jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Das sind 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche, für die Ausflüge, Urlaub oder so was Einfaches wie ein warmes Mittagessen, nicht zum Alltag gehören. Die Corona-Krise hat das Problem weiter verschärft.

Nur noch 70 Kinder dürfen täglich in die Arche in Berlin-Hellersdorf

Das merkt auch Bernd Siggelkow, der Gründer des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks „Die Arche“. Normalerweise kommen in die Einrichtung in Berlin-Hellersdorf bis zu 350 Kinder und Jugendliche täglich. Dort bekommen sie ein warmes Mittagessen, können spielen, basteln und toben und werden auch bei den Hausaufgaben unterstützt.

Um die Hygienevorschriften einzuhalten, dürfen derzeit aber nur maximal 70 Kinder pro Tag in die Arche kommen. Die restlichen Kinder müssen den Nachmittag zu Hause verbringen, häufig in kleinen Wohnungen und schwierigen Familienverhältnissen.

Was das ganz konkret für ein Kind bedeutet, erzählt der 12-jährige Sizar Ibrahim im Video.

Benachteiligte Kinder werden weiter abgehängt

Der Gründer der Arche, Bernd Siggelkow spielt mit Kindern
Bernd Siggelkow in der Arche in Berlin-Hellersdorf © RTL

Finanziell hat die Corona-Krise vor allem bei Eltern benachteiligter Kinder ein Loch in der Haushaltskasse hinterlassen. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit oder als Minijobber und gehören zu der Gruppe, die als erste ihren Job verlieren und kaum oder kein Kurzarbeitergeld erhalten, erklärt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Zusätzlich brechen für die Kinder Hilfsangebote weg. Und auch schulisch drohen die Kinder abgehängt zu werden, denn häufig fehlt die technische Ausstattung fürs Homeschooling, wie zum Beispiel ein Laptop oder Drucker.

Bernd Siggelkow hat einen zentralen Wunsch: „Es darf nicht sein, dass weiterhin unzählige Kinder abends hungrig ins Bett gehen.“ Er fordert mehr Unterstützung von der Politik, zum Beispiel in Form einer Kinder-Grundsicherung von 600 Euro im Monat. Außerdem müsse der Kinderschutz erweitert werden und eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz erfolgen.

Das Aggressionspotenzial steigt

Die Corona-Krise lastet auch psychisch auf den Kindern. „Es gibt sehr schnell Stress mit den Geschwistern, Stress mit den Eltern“, weiß Bernd Siggelkow. Häufig rufen ihn abends überforderte Eltern oder verzweifelte Kinder und Jugendliche an und bitten um Hilfe.

„Wir alle müssen etwas tun für diese Kinder, die abgehängt sind“, sagt er und hat den 24. November offiziell zum Aktionstag gegen Kinderarmut & Ausgrenzung erklärt.

Denn für ihn ist eins klar: Kinder gehören nicht an den Rand der Gesellschaft, sondern in die Mitte und dafür will er weiter kämpfen.