Christian Berkel: "Hinter meinem Namen steht ein Judenstern"

Christian Berkel: "Hinter meinem Namen steht ein Judenstern"
Christian Berkel ist nicht gläubig, doch er sieht sich als Teil der jüdischen Gemeinschaft © AEDT/WENN.com, WENN

Seine katholisch-jüdische Abstammung macht Christian Berkel zur Zielscheibe rechtsradikaler Gruppen. Der Anschlag von Halle hat den Schauspieler erschüttert — doch Deutschland zu verlassen, kann er sich nicht vorstellen.

Im vergangen Jahr beleuchtete Christian Berkel (61) in seinem Buch 'Der Apfelbaum' die Geschichte seiner Familie: Der Schauspieler ('Der Kriminalist') hat jüdische und katholische Wurzeln. Das reicht, um ihn ins Visier der rechten Szene in Deutschland zu rücken.

Christian Berkel will sich nicht einschüchtern lassen

"Ich stehe auf einer Liste der sogenannten 'Verräter der weißen Rasse'", erzählt der Star im Interview mit 'Bunte, "da steht auch die Kanzlerin darauf. Hinter meinen Namen steht ein Judenstern." Hat er etwas dagegen unternommen? "Ich habe Anzeige erstattet, aber die Ermittlungen sind schwierig. Ich stelle fest, dass ich mir seit einiger Zeit überlege, wo ich hingehe, wo es möglicherweise gefährlich ist. Allein das sagt schon einiges aus, da ist nicht mehr so viel Unbefangenheit. Aber wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen." Dabei ist der Darsteller eigentlich gar nicht religiös: "Im religiösen Sinne bin ich nicht gläubig, ich gehe nicht in die Synagoge. Das Judentum kennt Orthodoxe und Liberale, es akzeptiert auch weltliche Juden, es will ja auch im Unterschied zu anderen Weltreligionen niemanden missionieren." Dennoch hat seine Herkunft natürlich Auswirkungen: "Ich war immer zwischen den Stühlen. Aber ich fühle mich natürlich als Teil der jüdischen Community. Auch, wenn ich mich auch für den Schutz von Muslimen einsetze."

Frieden und Freiheit sind bedroht

Wie hat seine Familie auf das Attentat von Halle reagiert, bei dem ein rechter Terrorist versuchte, in eine Synagoge einzudringen? Für Christian Berkels Söhne war die Tat wohl ein Wendepunkt: "Sie sind 20 und 17 und haben wohl zum ersten Mal verstanden, dass Frieden und Freiheit Güter sind, die gefährdet sind. Jeder muss verstehen, dass Angriffe auf Juden immer auch Angriffe auf einen selbst sind. Halle hat das brutal gezeigt, weil da zwei nichtjüdische Menschen völlig willkürlich ermordet wurden." Seine Heimat zu verlassen, käme dem Ehemann von Schauspielerin Andrea Sawatzki (56) aber nicht in den Sinn: "Ich werde Deutschland ganz sicher nicht verlassen, weil es ein wunderbares Land ist. Ich kenne auch Israelis, die sich hier sehr wohlfühlen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen."

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