Cathy Lugner pflegt ihre demenzkranke Oma - deutliche Worte an Jens Spahn

Cathy Lugner pflegt ihre Großmutter
02:33 Min

Cathy Lugner pflegt ihre Großmutter

Cathy Lugner pflegt ihre demenzkranke Oma Helene

So geht’s mit unserem Gesundheitssystem nicht weiter, findet Cathy Lugner (30). „Wir müssen die Menschen, die wir lieben, im Alter doch richtig versorgen können.“ Die Ex-Krankenschwester sieht hier erhebliche Mängel und schreibt das auch gerne mal unserem Gesundheitsminister Jens Spahn via Instagram. So geschehen vor ein paar Monaten. Ob er geantwortet hat? Dazu gleich mehr. Jetzt erstmal alles über unseren Besuch bei Cathy, die aktuell ihre demenzkranke Oma bei sich zu Hause pflegt. Bei unserem Besuch erleben wir eine sehr ernste und nachdenkliche Cathy Lugner, wie unser Video zeigt. 

Oma Helene hat seit 10 Jahren Demenz

Als wir Cathy zu Hause besuchen, ist alles auf die Pflege der demenzkranken Oma ausgerichtet. Da steht das Pflegebett der 86-Jährigen – umringt von unzähligen Pflegeutensilien. Da sind Mutter und Tochter Leonie, die ihre eigenen Bedürfnisse gerade extrem zurückschrauben. Für Cathy völlig selbstverständlich. „Und wenn wir die Oma zehnmal hintereinander frisch machen… wir wollen, dass sie lebt und bei uns ist.“

Mit Tränen in den Augen erzählt uns Cathy von ihrem engen Verhältnis zu ihrer Oma Helene. Wie sie schon als Kind völlig fixiert auf sie war, weil es eben eine richtige Oma mit Herz war. Eine, bei der sie im Bett geschlafen hat, mit der sie über alles reden konnte und die eben – typisch Oma –Ja gesagt hat, wenn Cathy von den Eltern schon ein Nein kassiert hat. Doch dann kam die Demenz. Vor zehn Jahren setze sie ein. Mit ihrer üblichen Vorbotin: der Vergesslichkeit. Heute hat Oma Helene Pflegestufe 4. Sie kann kaum Worte von sich geben. Ob sie noch etwas mitbekommt?

Cathy und ihre Familie wechseln sich mit der Pflege ab

Cathy ist sich sicher: Demenzkranke nehmen ihre Umwelt wahr. Daher redet die ganze Familie mit Oma Helene so, als ob sie alles verstehen würde. Das gebe ihr Kraft. In der Regel pflegt Cathys Mama die Oma. Doch da auch sie aktuell mit gesundheitlichen Problemen zu tun habe, springen jetzt Cathy und Tochter ein, um die Mutter zu entlasten. Die drei Musketiere – so sehen sich die Damen selbst: „Alle für einen. Einer für alle“, sagen Cathy und Leonie gemeinsam im Chor. So wird die Oma auch mal ins Auto gepackt und zum Stall mitgenommen, wo Cathys Tochter reitet. Auch, wenn es anstrengend sei. Cathy sieht darin einen Sinn: „Ich habe was Gutes getan, ich habe es für meine Omi getan.“

Natürlich kommt Cathy bei der Pflege ihrer Oma zu Gute, dass sie den Beruf erlernt und in ihm gearbeitet hat. Doch nur für eine kurze Zeit. Dann habe sie die Reißlinie gezogen. Zu schlecht waren schon damals die Bedingungen. Jetzt sei die Spirale noch weiter abwärts gewandert, stellt Cathy nicht zuletzt seit ihrem letzten Besuch im Krankenhaus fest – als Oma Helene dort lag. „Es ist erschreckend, wie minderwertig die Pflege in Deutschland ist.“ Zu wenig Personal, zu geringe Löhne, zu wenig Erholungsphasen. Das muss sich ändern – und wer soll´s machen? Der Herr Gesundheitsminister natürlich.

Cathy schlägt Jens Spahn ein Tauschgeschäft vor

Wir fragen Cathy: Mal angenommen, sie würde Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt gegenübersitzen. Was würde sie ihm sagen? Bei dieser Frage dreht Cathy förmlich auf. Zentrale Idee: Ein Tauschgeschäft mit dem Herrn Minister: „Ich würde den Herrn Spahn dazu einladen, mit mir zu tauschen oder mit jemandem zu tauschen, der sein Familienmitglied pflegt.“ Sie sei gespannt, wie er dann mit „den paar Kröten die Pflege bewerkstelligen würde“. Denn das Gesundheitssystem, so ihr Gefühl, sei von Menschen gemacht, die oft gar nicht wissen, was ein Pflegebedürftiger täglich braucht. Das Geld reiche hier von hinten bis vorne nicht.

Noch hat Cathy keine Nachricht von Jens Spahn

Dabei ist Cathy weit davon entfernt, dem Gesundheitsminister Vorwürfe zu machen. „Er hat mit Sicherheit einen krassen Job und trägt viel Verantwortung – keine Frage. Aber wir tragen sie auch als Menschen, die ihre Angehörigen pflegen und als Krankenschwestern schon zehnmal.“

Es sind eher Erwartungen, die Cathy an den Minister knüpft. Spahn solle doch bitte für das einstehen, wofür er angetreten ist: Die Gesundheit der Menschen. Und wie soll er das ihrer Ansicht nach anstellen? Auch hier hat Cathy eine konkrete Vorstellung: Auf den Tisch hauen und vor allem jene an einen Tisch setzen, die hier was „zu Kamellen“ haben. Von der Bundeskanzlerin bis hin zu den Krankenkassen.

Und spätestens, wenn man diese Worte aus Cathys Mund hört, sieht man sie vor sich, wie sie siegessicher in den Reichstag läuft: „Schicken Sie mich mal in die Kuppel rein, ich räum’ da ordentlich auf.“ 

Von Herrn Spahn habe Cathy bis heute via Instagram keine Antwort bekommen. Ihre Fragen zum Pflegegeld blieben unbeantwortet. Doch auch hier zeigt sie bei aller Erwartung Verständnis für den Gesundheitsminister. Der könne ja nicht jedem schreiben. Doch vielleicht ändert sich das jetzt. Wir sind gespannt!