Prominente Gäste zeigen sich solidarisch

Boykott: Promis wie Riccardo Simonetti sagen Besuch bei Frankfurter Buchmesse ab

Riccardo Simonetti bekennt Farbe.
Riccardo Simonetti bekennt Farbe. © imago images/Marja, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Promis unterstützen Autorin Jasmina Kuhnke

Jasmina Kuhnke (39) war eine der ersten Autorinnen, die ankündigte, nicht wie geplant an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen. Sie hätte dort eigentlich am Freitag (22. Oktober) ihren Debütroman „Schwarzes Herz“ vorstellen sollen. Der Grund für ihre Absage: Vor Ort wird unter anderem auch der Verlag „Jungeuropa“ erwartet, dessen Verleger Rechtsextremist Philip Stein ist, der Anfang des Jahres bereits öffentlich ihre Abschiebung gefordert hat. Für die Schriftstellerin, deren Vater Senegalese war und die bereits aus Angst mit ihren Kindern aus ihrer Kölner Wohnung flüchten musste, sei die Gefahr auf der Buchmesse einfach zu groß. Viele prominente Autoren stellen sich nun auf Jasminas Seite und sagen aus Protest ihren Besuch bei der Buchmesse ab.

Riccardo Simonetti: „Ich finde es schade, dass es zu einer solchen Entscheidung überhaupt kommen muss“

Einer, der auch in diesem Jahr in Frankfurt fehlen wird, ist Blogger und Buchautor Riccardo Simonetti (28). „Ihr Lieben, nachdem ich die Diskussion rund um die Frankfurter Buchmesse [...] verfolgt habe, sage ich all meine Auftritte dort für dieses Jahr ebenfalls ab und solidarisiere mich mit allen, die gegen Rassismus und für eine freie Gesellschaft kämpfen“, beginnt er sein Statement auf Instagram. Er habe sich extrem auf die Präsentation seines neuen Buches gefreut, doch es sei ein absolut falsches Zeichen, das der Direktor der Buchmesse mit seinem Handeln setze: „Wenn man solch einem Verlag also eine Plattform bietet, auch wenn das bedeutet, dass Autor*innen wie zum Beispiel Jasmina Kuhnke und viele weitere ihre Auftritte zurückziehen, dann ist das kein Ort, an dem ich mich wohlfühlen würde.“

Anabelle Mandeng wird ebenfalls nicht erscheinen

„Meine Teilnahme als Talkgast auf dem prestigiösen blauen Sofa der Frankfurter Buchmesse, um über Identität in Zusammenhang mit meinem im September veröffentlichten Buch zu sprechen, sollte am Samstag mein Highlight sein“, hält Anabelle Mandeng (50), die sich viel von diesem Auftritt erhofft hat, in ihrem Post fest: „Doch nachdem ich erfahren musste, dass rechtsradikale Verlage wissentlich wiederholt Raum gewährt wird und damit rassistische, lebensbedrohliche Verhaltensweisen wie gegenüber Jasmina Kuhnke, die ihr Buchdebüt ihres Romans ‘Schwarzes Herz’ auf eben diesem Sofa jetzt am Freitag feiern sollte, geduldet werden, verzichte ich.“

Nikeata Thompson schließt sich den anderen Autoren und Autorinnen an

„Nun trete ich aus meiner privilegierten Blase und muss wieder einmal sehen, dass es der weißen Mehrheitsgesellschaft sowie der Buchmesse und ihrem Direktor Jürgen Boos wichtiger ist, Rechtsextremen eine Stimme und eine Bühne zu geben, als eine nachhaltige Veränderung in und für unsere Gesellschaft zu fördern – all das unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit“, schreibt Nikeata Thompson (41) auf ihrer Instagram-Seite.

So reagiert Direktor Jürgen Boos

„Einer der Grundpfeiler der Frankfurter Buchmesse ist die Meinungsfreiheit“, erklärt Buchmessendirektor Jürgen Boos in einem Statement: „Wir können niemanden ausschließen, können hier keine Zensur ausüben, egal, ob mir diese Leute passen, ob ich sie unerträglich finde.“ Viele Schriftsteller stimmt diese Erläuterung jedoch nicht milde – im Gegenteil. (dga)