Zum zweiten Teil des Interviews

Zum zweiten Teil des Interviews

Robert Richie bringt seinen Sohn zur Schule - Kid Rock hängt besoffen im Hotelzimmer

Stell dir vor, dein Plan mit der Musik hätte nicht funktioniert? Was würdest du heute tun?

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KR: Ganz einfach. Ich wäre immer noch Kid Rock. Nur pleite. Ich wäre höchstwahrscheinlich ein Musiker, der sich irgendwie durchkämpft. Wenn man Erfolg hat, bekommt man zu vielem Zugang… schicke Autos, Geld, alles mögliche… aber zumindest in meinem Fall ist es so, dass ich auch alles dafür getan habe. Alles. Es gab nichts, was ich sonst hätte machen können, ganz ohne Ausbildung.

Alles was ich hatte, war Musik. Wenn ich es nicht geschafft hätte, wäre ich immer noch Musiker, aber ein erfolgloser. Da draußen gibt es ne Menge solcher Leute, daran denke ich jeden Tag. Manche sind talentiert, manche weniger. Aber als Künstler, egal ob Sänger, Maler oder sonst was, legst du alles, was du hast, in das, was du tust und das erfüllt dich. Die Rückseite der Medaille kann allerdings ein hartes Leben sein.

Was ist für dich die beste und schlechteste Seite des Ruhms?

KR: Das beste ist, dass du die Möglichkeit hast, an großartige Orte der Welt zu kommen, den besten Tisch im Restaurant zu bekommen, coole Plätze bei Sportveranstaltungen. Dass Leute auf dich zukommen und dir sagen, wie viel ihnen deine Musik bedeutet. So ein Feedback fühlt sich schon gut an. Die Kehrseite des Erfolges… hm… hab ich nicht viele gefunden. Und selbst wenn, würde ich darüber nicht rumjammern. Das ist das Leben, das ich immer gewollt habe, und wenn es manchmal schwierig wird, musst du eben lernen, damit umzugehen. Da gibts so viel Positives, ich jammere nicht „Oh, mein Privatleben ist futsch“, weil man sehr wohl wegziehen kann und zack, hat man mehr Privatsphäre! Aber das ist nicht das, was ich wollte. Wenn manche Leute sich beschweren „Oh, die Paparazzi verfolgen mich ständig“, würde ich denen gerne sagen „Ja Mann, du wusstest, dass das passieren wird, das ist kein Geheimnis! Also heul jetzt nicht rum, wenns passiert!“ Es gibt Wege, damit umzugehen. Deshalb: es gibt für mich eigentlich keine negativen Seiten. Und wenn, dann jammere ich nicht darüber.

Was ist dein Erfolgstipp für junge Musiker?

Ehrlichkeit. Und sich auf sein Talent zu fokussieren. Es kann manchmal böse enden, im Fall von Britney Spears zum Beispiel. Solche Leute werden ins Scheinwerferlicht geworfen, sollen große Popstars werden, aber sie sind nicht wirklich talentiert. Dass sie das am Ende des Tages irgendwann selbst einsehen und dabei in den Spiegel schauen zu müssen, das muss schlimm sein. Mein Rat: Fokussiere dich auf das, was du wirklich liebst. Ob es Musik oder sonst was ist. Versuche darin so gut zu werden wie du kannst! Wenn es Musik ist: schau dir die Musik an, die du liebst, die dich berührt, und versuche Songs zu schreiben, die Leute genau so berühren, wie es bei dir der Fall war. Das ist das Geheimnis von gutem Songwriting.

Gibt es einen Unterschied zwischen Robert James Richie und Kid Rock?

KR: Ja. Ich hab das heute morgen noch zu einem Freund gesagt. Er schickte mir heute morgen eine SMS, sehr früh, so gegen 6:30h. Und nach einer Weile meinte er: „Wow, ich kann nicht glauben, dass Kid Rock so früh wach ist. Ich werde es aber nicht erzählen, das würde deinen Ruf ruinieren.“ Ich sagte „Nee nee, Kid Rock ist nicht so früh wach. Robert Richie ist so früh wach. Es ist nämlich der erste Schultag seines Sohnes in der Oberstufe, und er will das nicht verpassen. Kid Rock ist gerade irgendwo in einem Hotelzimmer, völlig besoffen und hat vier Frauen im Arm.“

Du bist alleinerziehender Vater eines Sohnes….

KR: (mit stolzem Grinsen) Right!

"Ich ziehe mir die Hosen wie jeder andere an!"

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Bist du ein strenger Vater, wie erzieht jemand wie Kid Rock seinen Sohn?

KR: Mit viel Liebe und viel Disziplin. Ich lebe da, wo ich auch aufgewachsen bin, daher habe ich eine Menge Familie und Freunde dort. Großeltern, meine Schwestern, meinen Bruder, Patenonkel und -tanten, die mir alle geholfen haben, ihn großzuziehen, das habe nicht nur ich getan. Ich habe ihn mit guten Leuten umgeben und immer versucht, jeden Scheiß, jedes Drama von ihm fernzuhalten. Und ich bin immer sehr ehrlich mit ihm.

Mag er die Musik seines Rockstar-Dads?

KR: Ja! (lacht) Er spielt sogar selbst ein wenig, aber ich sage ihm immer, er soll das besser bleiben lassen. Er fragt „warum“, und ich sage „Weil du nie besser sein wirst als ich“. Als „Sohn von“ stehst du immer im Schatten. Wenn er das macht, muss er immer dieses kleine Extrastück besser sein, und ich glaube nicht, dass er die Entschlossenheit dazu hat, die ich hatte. Warum sollte er auch, er hat diesen Lifestyle, ohne das durchmachen zu müssen, was ich durchmachen musste, so ist es nun mal. Wenn du nicht all das, was du hast, alle Energie darauf konzentrieren musst, wird das nichts. Und wenn er es nicht einsieht, dann trete ich ihm mal ein wenig in den Hintern (lacht).

Zurück zur Musik. Du bist berüchtigt für deine Liveshows, wann können wir dich auf Tour erleben?

KR: Ich denke im Frühjahr. Wir starten die US-Tour im Januar und kommen voraussichtlich im Frühjahr nach Europa und Deutschland. Dann im Sommer wieder in die Staaten und wahrscheinlich im Herbst zurück nach Europa! Wenn die Leute mich sehen möchten - dann komm ich!

Sieht man dich dann abends schon mal in den örtlichen Live Clubs?

KR: Ja, ich mach das gerne. Meistens ist das auch ein Riesenspaß. In den USA ist das etwas schwierig geworden, man trifft auf Leute, die einem blöd kommen und sich unbedingt mit mir anlegen wollen, da kann das schon mal böse enden. Ich muss da aufpassen. Aber fast immer habe ich einfach nur einen netten Abend mit netten Leuten. Wenn ich gut drauf bin und mir die Musik gefällt, dann spring ich schon mal auf die Bühne …und wenn man mich hören will, dann singe ich auch was!

Also haben deine Fans Chancen, dich im Frühjahr irgendwo im örtlichen Club zu sehen, hallo zu sagen und ein Bier mit dir zu trinken?

KR: Na klar. Ich mag es, unter Leuten zu sein. Ich bin keiner von denen, die sich abseits halten. Lieber hab ich einen netten Tisch im Restaurant und sitze genau wie alle anderen dort, statt im VIP Room für mich alleine. Das kann auf Dauer nämlich ziemlich einsam werden, ständig durch irgendeine Hintertür zu schleichen. Die meisten Leute sind auch sehr nett zu mir, und ich weiß, dass ich erhobenen Hauptes überall hin gehen kann – denn ich ziehe die Leute, die hart für ihr Geld arbeiten, niemals mit unfairen Preisen für meine Shows und Alben über den Tisch. Ich fühle mich auch nicht viel anders als alle anderen – manche mögen zu mir aufschauen, weil ich Songs schreibe und singe… aber letzten Endes ziehe ich mir die Hosen genau so an wie alle anderen auch

(zwinkert, grinst, und legt nach): außer, wenn ich meine anziehe, mache ich Goldene Schallplatten.

Vielen Dank für das Interview!

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