Zukunftsthriller "Volt": Alec Empires Musik erschafft zwei Welten

Zukunftsthriller "Volt": Alec Empires Musik erschafft zwei Welten
Alec Empire liefert den Soundtrack zu "Volt" © Dan Sims, SpotOn

Soundtrack zum Kinofilm

Mit "Volt" kommt am 2. Februar ein aufwühlender und brandaktueller Film in die Kinos. Es geht um die eskalierende Flüchtlingskrise, rechtsfreie Slums und ungesühnte Polizeigewalt. Eine mitreißende Story, die durch die musikalische Untermalung so richtig unter die Haut geht. Zuständig für den Soundtrack ist Alec Empire, Mitglied der Band Atari Teenage Riot ("Reset"). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht er über den Film, die aktuelle politische Lage und seine Zukunftspläne.

Der Film "Volt" zeichnet ein düsteres Zukunftsbild. Wie setzt man so eine Stimmung musikalisch um?

Alec Empire: Ich wollte musikalisch zwei Welten schaffen: Den Polizeistaat, symbolisiert durch kalten, totalitären Techno und düstere Streicher. Und im Gegensatz dazu die Flüchtlingszonen, in denen die Staatenlosen jenseits der Gesellschaft leben. Hier setze ich polyrhythmische Beats und Percussion ein und harte, aber freie elektronische Sounds.

Der Film wurde vor eineinhalb Jahren gedreht. Seitdem ist viel passiert, unter anderem der Anschlag am Breitscheidplatz. Das Thema könnte also aktueller nicht sein. Glauben Sie die Situation könnte sich wirklich so wie im Film entwickeln?

Alec Empire: Ich hoffe, dass wir es als Gesellschaft nicht dazu kommen lassen. Ich war circa zwei Stunden vor dem Anschlag in Berlin noch am Breitscheidplatz. Es hätte mich treffen können. Nach dem Anschlag auf ein Konzert der Band Eagles Of Death Metal in Paris haben mir Fans, Überlebende, bewegende Mails geschrieben. Meine Freunde aus Israel werden fast jede Woche mit islamistischen Terror konfrontiert - es ist mir wirklich wichtig, dass die Menschen aufhören, dieses Problem den Flüchtlingen anzuheften. Leider heizt sich in der Öffentlichkeit durch Verallgemeinerungen einiges auf, vor allem in den sozialen Medien. Das führt zu keiner Lösung. In "Volt" können wir durch künstlerische Arbeit viel erklären und reparieren.

Was war die größte Herausforderung an diesem Projekt?

Alec Empire: Als der Regisseur mich fragte, blieben uns noch ungefähr vier Wochen bis zur Premiere beim Münchner Film Festival. Wir mussten also von Anfang an entscheiden, welche Richtung wir einschlagen. Zeit für Tests und Experimente blieb nicht. Also einen Monat rund um die Uhr die Spannung halten, nie loslassen, immer weiter nach vorne gehen. Ähnlich wie es die Figur Volt selbst erfährt.

Die Hauptfigur Volt ist ein sehr interessanter Charakter: Er bringt einen Flüchtling um, diese Tat bleibt jedoch unbeobachtet. Nach und nach holen ihn die Schuldgefühle aber ein.

Alec Empire: Es war wichtig musikalisch Volts Gefühle zu zeigen, oder eher die Stimmung, die von ihm ausgeht. Was fühlt er in dieser Welt? Er zerbricht fast daran, dass er einen Menschen getötet hat. Aber er ist eben kein Mann der großen, tiefen Gefühle. Hier musste eine bestimmte Balance gefunden werden.

Wollen Sie auch in Zukunft Filmmusik machen, oder sich hauptsächlich Ihrer Band Atari Teenage Riot widmen?

Alec Empire: Obwohl Atari Teenage Riot oft mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, arbeite ich ja parallel immer an völlig anderen Projekten. Gerade habe ich zum Beispiel den Film 'My Talk With Florence' live mit einem Score unterlegt. Die Musik ist völlig anders als in 'Volt'. Sehr leise, subtil, traurig. Ich brauche diese Abwechslung. Man muss sich zwingen, neue Wege zu gehen. Und das ist oft leichter gesagt als getan.

spot on news

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