'Zero Dark Thirty' mit Jessica Chastain - Filmkritik

Zero Dark Thirty
Jessica Chastain am Konferenztisch

4 von 5 Punkten

Kathryn Bigelow, die vor drei Jahren einen minutiös beobachteten Thriller über die Sinnlosigkeit und Menschenfeindlichkeit des Kriegsgeschehens im Irak vorlegte und zu Recht dafür als erste Frau den Regie-Oscar erhielt, widmet sich erneut dem ‚Kampf gegen den Terror‘ – doch kann ihr detailgenau sezierender Thriller über die Tötung Osama Bin Ladens leicht als Verherrlichung von Folter missverstanden werden. Darf man die Maßnahmen, die angeblich zur Ergreifung des Al-Kaida-Chefs geführt haben, so zeigen?

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Bigelows Heldin Jessica Chastain (‚The Help‘, ‚Tree Of Life‘) ist CIA-Agentin mit dem Decknamen Maya. Angeblich gegen ihren Willen wurde sie nach Pakistan versetzt, um Verdächtige zu verhören, die dem Terror-Netzwerk Al Kaida angehören sollen. Zunächst sitzt sie verschüchtert im Hintergrund, wenn ihr Kollege Dan (Jason Clarke) alle Register zieht, um mit klassischen CIA-Praktiken wie Waterboarding, Schlafentzug durch überlaute Musik oder Nahrungsentzug die Inhaftierten des Geheimknasts dazu zu bringen, ihre Komplizen zu verraten. „Ist sie nicht ein bisschen jung für den Job?“, fragt Dan, als Maya nur mühsam ihren Brechreiz unterdrückt. „Washington sagt, sie ist ein Killer“, weiß der Kollege. Sie ist vielleicht noch keiner, aber sie wird einer.

Großartig gespielt

Zero Dark Thirty
Jessica Chastain im Einsatz © dpa, Universal

Die zierliche Rothaarige, von Jessica Chastain so nuanciert verkörpert, dass sie sich Hoffnungen auf einen Oscar machen darf, mausert sich tatsächlich zu einer toughen Agentin, die nicht nur ihren Job am Schreibtisch verbissen meistert, sondern auch eine eiskalte Interviewerin wird – nur dass sie beim Foltern nicht selbst Hand anlegt, sondern männliche Kollegen die Gefangenen schlagen oder an die Hundeleine nehmen lässt. Sie steigert sich hinein in ihren Fall, wird förmlich besessen von der Idee, Osama Bin Laden durch einen seiner Mittelsmänner schnappen zu lassen. Und irgendwann handelt sie auch aus persönlichen Rachegelüsten, denn bei einem der zahlreichen Al-Kaida-Anschläge in den nächsten zehn Jahren kommt ihre Lieblingskollegin Jessica (Jennifer Ehle) ums Leben. Als auch Maya auf der Todesliste des Terrornetzwerks steht, wird sie gegen ihren Willen abgezogen und zum Schreibtischdienst in den USA verdonnert. Und der Zuschauer leidet mit ihr, wenn die Ergreifung Bin Ladens beinahe am Bürokratismus in der Hierarchie der CIA scheitert.

Dass die Story aus der Perspektive der jungen Agentin erzählt wird und die beiden folternden CIA-Leute so sympathische Typen sind, ist genau das Problem des Films. Die größten Ärgernisse sind für Maya, dass unter Präsident Barack Obama plötzlich Folter als Methode in Frage gestellt wird, so dass ihre Vorgesetzten zögern, das verdächtige Haus zu stürmen, weil ihnen Beweise dafür fehlen, dass Bin Laden sich tatsächlich dort aufhält. Der nur scheinbar neutrale Erzählton suggeriert, dass es sich um Fakten handelt. Deswegen beeilte sich die CIA zu betonen, so sei das alles gar nicht gewesen, deswegen musste sich Drehbuchautorin und Regisseurin Kathryn Bigelow harsche moralische Kritik gefallen lassen – auch wenn der Vergleich mit Leni Riefenstahls Propagandastreifen sicherlich zu weit hergeholt ist.

Es ist schade, dass eine solche Diskussion einen handwerklich so großartigen Film wie ‚Zero Dark Thirty‘ überschattet. Denn die Darsteller leisten Grandioses, und Bigelow beweist einmal mehr, dass Hollywoods härteste Thriller von einer Frau gemacht werden. Wer jedoch auf launige Actioneinlagen wie einst in ‚Gefährliche Brandung‘ hofft, sei gewarnt: Hier geht es um Politik, alle Erfolge sind mühsam errungen, und die vergeblichen Bemühungen der Protagonistin sind eine Durststrecke, die den Zuschauer die 157 Minuten deutlich im Sitzfleisch spüren lassen.

Von Mireilla Zirpins

Kathryn Bigelow, die vor drei Jahren einen minutiös beobachteten Thriller über die Sinnlosigkeit und Menschenfeindlichkeit des Kriegsgeschehens im Irak vorlegte und zu Recht dafür als erste Frau den Regie-Oscar erhielt, widmet sich erneut dem ‚Kampf gegen den Terror‘ – doch kann ihr detailgenau sezierender Thriller über die Tötung Osama Bin Ladens leicht als Verherrlichung von Folter missverstanden werden. Darf man die Maßnahmen, die angeblich zur Ergreifung des Al-Kaida-Chefs geführt haben, so zeigen?

Bigelows Heldin Jessica Chastain (‚The Help‘, ‚Tree Of Life‘) ist CIA-Agentin mit dem Decknamen Maya. Angeblich gegen ihren Willen wurde sie nach Pakistan versetzt, um Verdächtige zu verhören, die dem Terror-Netzwerk Al Kaida angehören sollen. Zunächst sitzt sie verschüchtert im Hintergrund, wenn ihr Kollege Dan (Jason Clarke) alle Register zieht, um mit klassischen CIA-Praktiken wie Waterboarding, Schlafentzug durch überlaute Musik oder Nahrungsentzug die Inhaftierten des Geheimknasts dazu zu bringen, ihre Komplizen zu verraten. „Ist sie nicht ein bisschen jung für den Job?“ fragt Dan, als Maya nur mühsam ihren Brechreiz unterdrückt. „Washington sagt, sie ist ein Killer“, weiß der Kollege. Sie ist vielleicht noch keiner, aber sie wird einer.

Die zierliche Rothaarige, von Jessica Chastain so nuanciert verkörpert, dass sie sich Hoffnungen auf einen Oscar machen darf, mausert sich tatsächlich zu einer toughen Agentin, die nicht nur ihren Job am Schreibtisch verbissen meistert, sondern auch eine eiskalte Interviewerin wird – nur dass sie beim Foltern nicht selbst Hand anlegt, sondern männliche Kollegen die Gefangenen schlagen oder an die Hundeleine nehmen lässt. Sie steigert sich hinein in ihren Fall, wird förmlich besessen von der Idee, Osama Bin Laden durch einen seiner Mittelsmänner schnappen zu lassen. Und irgendwann handelt sie auch aus persönlichen Rachegelüsten, denn bei einem der zahlreichen Al-Kaida-Anschläge in den nächsten zehn Jahren kommt ihre Lieblingskollegin Jessica (Jennifer Ehle) ums Leben. Als auch Maya auf der Todesliste des Terrornetzwerks steht, wird sie gegen ihren Willen abgezogen und zum Schreibtischdienst in den USA verdonnert. Und der Zuschauer leidet mit ihr, wenn die Ergreifung Bin Ladens beinahe am Bürokratismus in der Hierarchie der CIA scheitert.

Dass die Story aus der Perspektive der jungen Agentin erzählt wird und die beiden folternden CIA-Leute so sympathische Typen sind, ist genau das Problem des Films. Die größten Ärgernisse sind für Maya, dass unter Präsident Barack Obama plötzlich Folter als Methode in Frage gestellt wird, dass ihre Vorgesetzten zögern, das verdächtige Haus zu stürmen, weil ihnen Beweise dafür fehlen, dass Bin Laden sich tatsächlich dort aufhält. Der nur scheinbar neutrale Erzählton suggeriert, dass es sich um Fakten handelt. Deswegen beeilte sich die CIA zu betonen, so sei das alles gar nicht gewesen, deswegen musste sich Drehbuchautorin und Regisseurin Kathryn Bigelow harsche moralische Kritik gefallen lassen – auch wenn der Vergleich mit Leni Riefenstahls Propagandastreifen sicherlich zu weit hergeholt ist.

Es ist schade, dass eine solche Diskussion einen handwerklich so großartigen Film wie ‚Zero Dark Thirty‘ überschattet. Denn die Darsteller leisten Grandioses, und Bigelow beweist einmal mehr, dass Hollywoods härteste Thriller von einer Frau gemacht werden. Wer jedoch auf launige Actioneinlagen wie einst in ‚Gefährliche Brandung‘ hofft, sei gewarnt: Hier geht es um Politik, alle Erfolge sind mühsam errungen, und die vergeblichen Bemühungen der Protagonistin sind eine Durststrecke, die den Zuschauer die 157 Minuten deutlich im Sitzfleisch spüren lassen.

Von Mireilla Zirpins

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